Saeco Incanto Test 2021: Ein Kaffeevollautomat als Mittelklasse-Blaupause

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Warum um alles in der Welt sollten wir uns jemals nochmal neu mit dem Saeco Incanto beschäftigen? 

Warum um alles in der Welt sollten wir uns jemals nochmal neu mit dem Saeco Incanto beschäftigen? 

Er gehört zu den ältesten Geräten in meinem Kaffeevollautomaten Test, ist höchstens noch gebraucht verfügbar und wird meist nur noch erwähnt, wenn es Fehler zu beseitigen gibt – zieht kein Wasser, ist verstopft, mahlt nicht, Brühgruppe rastet nicht ein … ihr kennt das.

Doch der Incanto ist nicht ein nur ein Auslaufmodell. Ich halte ihn für einen hervorragenden Klassiker, der uns bei der Navigation durch den aktuellen Geräte-Dschungel weiterhelfen kann. Und wenn selbst unter den derzeitigen Philips Kaffeevollautomaten ein Incanto-Klon steckt, muss am Image was dran sein.

Denn er hatte Features, die in der Mittelklasse sonst Ausnahme sind – immer noch. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis war exzellent. 

Betrachtet diesen aktualisierten Testbericht als Hilfestellung, wie ihr möglichst viel Incanto in euren neuen Kaffeevollautomaten holt und mit welchen Alternativen der Kaffeegenuss mit meinen Coffeeness-Kaffeebohnen genauso schokoladig wird wie im ursprünglichen Gerät.

Keine App, altbackenes Menü: Was macht den Saeco Incanto Kaffeevollautomat so besonders?

Wir führen auf Coffeeness schon ewig die Debatte, ab wann Kaffeevollautomaten zu alt sind. Die Prämisse: Am Ende macht jede Maschine nichts weiter, als Kaffeepulver zu verarbeiten. An der grundsätzlichen Zubereitung ändert sich nie etwas. 

Saeco Incanto Kaffeevollautomat Espresso

Ob nun ein Lungo oder Cafe Creme im Angebot ist, macht am Ende keinen Unterschied. Brühgruppe bleibt Brühgruppe, Bohnen bleiben Bohnen. Doch es kommt der Punkt, an dem selbst der größte Klassiker von der Zeit überholt wird. Beim Incanto wird das schon dadurch deutlich, dass die Espresso-Taste wirkt, als gehörte sie zu einem alten Radiowecker.

Aber der Gegenbeweis wird hier ebenso sofort deutlich: Bei Kaffeevollautomaten ist selten alles Stahl, was glänzt. Beim Incanto ist das Edelstahl-Gehäuse so massiv, wie es für einen Vollautomat nur sein kann. Und das bei einem Ursprungspreis, der schon beim ersten Test überzeugen konnte. Ich habe ihn damals für rund 650 Euro gekauft.

Stellen wir das der Funktionalität gegenüber, müssen wir schon fragen, ob sich das Rad in den wesentlichen Punkten wirklich so weit weitergedreht hat:

  • Hervorragende Bedienung über physischen Knopfdruck und eindeutiges TFT-Display
  • Voll integriertes Milchschaumsystem mit hochwertigem Milchbehälter
  • Keramikmahlwerk (!) mit fünf Stufen
  • Großer Wassertank mit 1,8 Liter und sehr durchdachter Form
  • Großes Bohnenfach mit 250 Gramm
  • One-Touch-Zubereitung von Espresso, Lungo, Cappuccino, Latte Macchiato
  • Kaffeestärke in 5 Stufen einstellbar
  • Temperatur in 3 Stufen einstellbar
  • „Latte Perfetto-Technologie“ mit zweimaligem Aufschäumen
  • 1 Benutzerprofil (Aber alle Einstellungen während der Zubereitung auf Knopfdruck justierbar)
  • Heißwasserfunktion mit extra Ansteck-Düse
  • Automatisches Reinigungsprogramm, einfache Entkalkung

Um das mal ins Verhältnis zu setzen: Der ähnlich ausgestattete Jura E8 (wenn auch mit mehr Kaffeespezialitäten, modernerer Bedienung und mehr Einstellungen) kostet je nach Ausführung um die 1.000 Euro.

Aus heutiger Sicht erscheint der Vergleich zwischen Jura Kaffeevollautomaten und Saeco-Modellen zwar wie ein Vergleich zwischen Äpfeln und Rosmarin.

Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Saeco einst dieselbe Zielgruppe wie Jura ansprechen wollte – gut betuchte Kaffeetrinker mit dem Auge für Luxus, beste Bohnen und Komfort. Mit dem Saeco Xelsis soll dieser Kundenkreis immer noch abgeholt werden.

Zurück in der eigenen Preisklasse bringen andere Spitzenreiter wie der DeLonghi Dinamica Kaffeevollautomat in seiner aktuellen Variante oder auch der Melitta CI Touch bzw.Melitta Latte Select zwar nicht unbedingt weniger mit, gehen die Sache aber teilweise nicht so hochwertig, langlebig und eindeutig an.

Kaffee, Milchschaum & Reinigung: Die ursprüngliche Coffeeness-Bewertung im Überblick

Es ergibt keinen Sinn, den Incanto noch einmal neu zu testen. Ihr bekommt ihn sowieso nicht mehr aus empfehlenswerten Quellen (dazu später mehr).

Meine ursprünglichen Einschätzungen zum Einstellen, zum Brühvorgang, dem Geschmack der Getränke und zur Reinigung sind trotzdem wichtig. Schließlich liefern auch sie Hinweise darauf, welche Alternativen mithalten können. Hier also der Schnelldurchlauf:

  • Der Aufbau ist durchdacht, auf schmale Küchen und übliche Tassenhöhe ausgelegt.
  • Das Menü ist selbsterklärend und erlaubt einen genauen und feinteiligen Espresso.
  • Die Kaffeemenge lässt sich sehr individuell regeln (im Bezug, mit Memofunktion).
  • Die Bedienung ist ausgesprochen nutzerfreundlich.
  • Die Mahleinstellung klappt bis zum feinsten Mahlgrad – mit beigelegtem Schlüssel.
  • Das Mahlwerk aus Keramik arbeitet angenehm leise.
  • Das One-Touch-Verfahren funktioniert problemlos.

  • Bei höchster Kaffeestärke werden Espresso und Cappuccino kräftig-voll-angenehm.
  • Die Crema ist für einen Kaffeevollautomaten dieses Alters hervorragend.
  • Der Milchschaum hat eine gute (klassische) Konsistenz.
  • Die Feinporigkeit ist solide (aber ausbaufähig).
  • Die Temperatur von Latte Macchiato und Co könnte für einige etwas zu gering ausfallen.
  • Der Bezug von heißem Wasser geht über eine extra ansteckbare Düse.

  • Der Milchbehälter ist in Aufbau und Reinigung etwas frickelig, da er aus vielen Teilen besteht.
  • Die Brühgruppe lässt sich leicht entnehmen und nach der Reinigung wieder leicht einsetzen.
  • Der Wassertank ist besonders handlich.

Diese Befunde sind für eine gelungene automatische Kaffeemaschine nicht besonders außergewöhnlich. Und an manchen Stellen (Mahlgrad über Schlüssel einstellen) sieht man dem Incanto sein Alter an. 

Wir sollten jedoch immer mitbedenken, dass der Edelstahl-Kompaktautomat diese Aufgaben bei guter Pflege wesentlich länger als manche Plastikbude erfüllt. Zumindest theoretisch. Ein wichtiges Kriterium für Vieltrinker!

Bester Kaffee für den Saeco Incanto

Coffeeness Kaffee für Vollautomaten Bester Kaffee für Saeco Incanto

Wir haben einen Kaffee extra für Kaffeevollautomaten entwickelt – auch für alle Getränke aus dem Saeco Incanto. Wir haben getestet: Espresso, schwarzer Kaffee, Cappuccino und Latte Macchiato erhalten eine intensive Schoko-Note. Hier geht es zu unserem Shop..

Auf den Kaffee kommt es an: Kippt ihr oben was Gutes rein, kommt unten was Gutes raus!

Kaffee für Vollautomaten by Coffeeness

Kaffee entwickelt für den Vollautomaten

Bester Kaffee für den Saeco Incanto.

Für Latte Macchiato

Espresso, schwarzer Kaffee

Schokoladig-nussig

Frisch geröstet

Zum Coffeeness Shop

Das sind die richtigen Einstellungen für unseren Kaffee mit dem Saeco Incanto: 

  • Stellt den Mahlgrad auf die feinste Stufe (1 von 5).
  • Achtung: Bitte immer nur bei laufendem Mahlwerk verstellen!
  • Bezieht einen Single-Espresso mit einer Füllmenge von 25 ml.
  • Die Kaffeestärke stellt ihr auf höchste Stufe für extra Schokopower.

Alternativen zum Saeco Incanto Kaffeevollautomat: Wer bietet eine ähnliche Ausstattung zum guten Preis?

Wir haben bereits reichlich Erfahrungen mit verwirrenden Modellvarianten und Bezeichnungen sammeln dürfen. Beim Saeco Incanto ist das nicht anders. Ich führe diese alternativen Angebote dennoch hier auf, damit ihr sie umschiffen könnt. 

Selbst wenn ein guter Preis aufgerufen wird, handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um ein Gebrauchtmodell. Die Vielfalt zeigt aber auch, wie beliebt der Incanto offensichtlich war und ist.

Alte Varianten & Vergleichsmodelle (eingestellt)

  • Saeco Incanto HD8917/01: Modell aus meinem Test (mit integriertem Milchaufschäumer)
  • Saeco Incanto HD8914/01: Verfügt(e) über einen Cappuccinatore statt Milchkaraffe
  • Saeco HD8911/01: Hatte eine manuelle Milchdüse (und war Schwarz)
  • Saeco Incanto HD8918/41: Farbvariante 
  • Saeco Incanto Deluxe HD8921/01: Nicht ganz sicher, was daran Deluxe war
  • Philips HD8847/01: Dachmarken-Pendant zum Incanto, verzichtete auf Edelstahl
  • Philips HD8829: Mittlere Einstiegsmodell der Dachmarke
  • Philips HD8834: Grund-Features des Incanto, jedoch ebenfalls im Philips-Format
  • Saeco PicoBaristo HD8927/01: Incanto-Pendant der nächsthöheren Serie 
  • Saeco HD8763/01 Minuto: Mischung aus Incanto, Baristo und HD
  • Saeco Lirika: Richtig abgefahrenes Ultra-Oldschool-Teil. Sowas von eingestellt.

Hängt euch diese Liste an den Bildschirm und macht bei der Suche nach einer Maschine, die zu euch passt, einen weiten Bogen um die Geräte. Nicht, weil die Kaffeevollautomaten an sich schlecht gewesen wären. Sondern, weil es sie einfach nicht mehr gibt.

Der Hersteller bietet jedoch noch teilweise Support und liefert Ersatzteile, wenn ihr etwas zerlegen, demontieren, ausbauen, entlüften und/oder austauschen wollt.

Aktuelle Empfehlungen aus dem Kaffeevollautomaten Test

Der Incanto hat nur einen tatsächlichen Nachfolger. Alle anderen Modelle aus meinem Testangebot können (und wollen) sich dem Grundgerüst nur annähern. Denn heute lockt man kaum noch jemandem mit simplem Cappuccino und üblichem Aroma hinterm Ofen vor.

5000 Serie LatteGo EP5335/10

Philips Lattego Milchschaum

Identischer Look zum Incanto, identische Ausstattung, fast identisches Kaffeemenü – aber mal eben derzeit 900 Euro. Falls ihr euch vom Philips 5000 EP5335/10 auch ein bisschen verklappst vorkommt, seid ihr damit nicht allein.

Der einzige Unterschied (und Neuerungswert) bestand beim Erscheinen 2018 im schlauchlosen Milchsystem. Der Milchbehälter besteht nur aus zwei Teilen, die Reinigung ist super einfach. Klarer Pluspunkt – aber keine Begründung für den Preis. 

Es interessiert uns dabei auch nicht die Bohne(n), dass der Automat jetzt auch Milchkaffee und Americano kann. Der Hersteller hätte mehr gewonnen, wenn er das Edelstahl- und Bedien-Prinzip schlichtweg in ein moderneres Format überführt hätte.

DeLonghi ECAM 350.55.B Dinamica

Delonghi Dinamica Arne

Man kann Mittelklasse einfach nicht ohne DeLonghi Dinamica schreiben. Ich spare mir die schon tausendfach aufgeführten Features und Vorteile (13 Mahlstufen, unfassbar viele Einstellungen etc. pp.) und will nur kurz auf den Incanto-Faktor und die daraus resultierenden Nachteile eingehen:

Der Dinamica ist aus Plastik und damit theoretisch weniger langlebig als der Incanto. Dafür gibt er sich jedoch rundum moderner – und bietet unheimlich viele Kaffeegetränke und zahllose Einstellmöglichkeiten von Aromastärke bis Brühtemperatur. Sogar den Schaum könnt ihr an der Milchkaraffe justieren.

Saeco PicoBaristo

Saeco PicoBaristo mit Arne und Kaffee

Weiter oben haben wir festgehalten, dass die Saeco PicoBaristo Kaffeevollautomaten Incantos aus der nächsthöheren Leistungsstufe sind. 

Im Gegensatz zum Incanto gibt es sie noch und etwa mit dem SM5473/10 zahlt ihr nur um die 500 Euro für eine sehr ähnliche, sogar üppigere Ausstattung.

Siemens EQ.500 integral

Arne hat Spass und zeigt den Siemens EQ500

Auch wenn gerade der ewige Klassiker Siemens EQ.6 preislich immer näher an das alte Incanto-Niveau ran rückt, halte ich den Siemens EQ.500 integral für die bessere Vergleichsalternative. 

Der reduzierte und sehr intuitive Kaffeevollautomat ist bei Milchschaum und Reinigung besser als der Incanto, der Espresso gefällt mir jedoch nicht ganz so gut. Dafür bleiben wir hier bei einer einfachen Bedienung – nur eben bunter und moderner. Auch Wassertank und Milchkaraffe sind bei Siemens modern und robust.

Philips 5400

Philips 5400 Serie EP5447 Kaffeevollautomat Arne

Zwar hat der Philips 5400 Serie EP5447 nur dachmarkenmäßig etwas mit dem Incanto zu tun, aber ich finde ihn ein äußerst gelungenes (und vor allem leises) Beispiel dafür, wo die Marke heute steht. Zudem ist der Preis auf gutem Incanto-Niveau. Nur der Milchschaum an sich könnte noch besser sein.

Solltet ihr nach ganz anderen Dingen Ausschau halten oder einen individuellen Vergleich starten wollen, empfehle ich meinen aufgearbeiteten Kaffeevollautomaten-Finder. Hier könnt ihr eure Wünsche bis runter zu Bohnenbehälter, Entkalkung, Tassenhöhe oder Wasserfilter eingeben, ich zeige euch die passenden Ergebnisse aus meinem Test.

Soll ich den Saeco Incanto gebraucht kaufen?

Wenn es keine neuwertigen Incantos gibt, können wir die Serie doch einfach gebraucht schießen, oder? Leider nein. 

Hochwertiger Edelstahl hin oder her: Wer sich sicher sein will, dass seine Kaffeespezialitäten ohne Keime und Zeug aus dem Kaffeeauslauf kommen, sollte darauf verzichten.

Ihr könnt euch nie sicher sein, wie der Wassertank gepflegt oder wie oft das Milchsystem gereinigt wurde. Auch habt ihr keinen Überblick über die Disziplin beim Entkalken oder wie sorgfältig die Mahlgradeinstellung vom Vorbesitzer vorgenommen wurde.

Hat der nämlich nicht auf die unverrückbare Empfehlung gehört, dass das Mahlwerk nur im Betrieb eingestellt werden darf, kann schnell etwas kaputt gehen. Gerade bei Keramik. 

Den Zustand der Brühgruppe könnt ihr von Ferne auch kaum beurteilen. Es sei denn, ihr besteht auf einer minutiösen Dokumentation inklusive Gehäuse öffnen nebst Video. Macht das einer?

Zwar erhaltet ihr einen ersten Eindruck vom Pflegezustand schon beim Blick in den Tresterbehälter oder Bohnenbehälter. Doch das sind nur Oberflächlichkeiten. Was im Inneren der Maschine passiert ist – oder eben nicht – ist alles, was zählt.

Fazit zum Saeco Incanto: Bleibt ein Vorbild

Mit der „Nachbetrachtung“ des Saeco Incanto sollte einmal mehr klar geworden sein, dass ein Kaffeevollautomat am Ende „nur“ für einen Knopfdruck-Koffeinkick sorgt, auch wenn er bei Bedienung, Milchsystem oder Preis bestimmte Wege geht, die ihn besonders machen.

Das Wichtigste sind sowieso die Kaffeebohnen. Nur mit anständigen Bohnen erhaltet ihr gute Getränke. Warum also der Tanz um den Incanto?

Weil ein Vollautomat, der von der Brühgruppe bis zum Geschmack auf Langlebigkeit ausgelegt ist, momentan tatsächlich selten ist. Zumindest in der Preisklasse, von der wir hier reden.

Einen wirklichen Alternativvorschlag zum Saeco Incanto gibt es deswegen bisher weder bei Philips Kaffeevollautomaten (der 5.000er zählt nicht so richtig) noch im gesamten Kaffeevollautomaten Test

Das liegt zum großen Teil auch an uns. Denn wir wollen lieber mehr Spielereien als ultra Langlebigkeit. Isso.

Das nehmen wir einfach wertfrei zur Kenntnis und warten ab, ob sich irgendwann ein Vollautomat traut, dieses Verhältnis umzudrehen. Wie wir am Incanto sehen, lohnt sich das nämlich durchaus!

Lasst mal hören, wie ihr zum Incanto steht oder welche Alternativen ihr empfehlen könnt! Ich freue mich auf die Kommentare.

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