XO EFA Espresso im Test: … Kontrolle ist besser

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Schicke Packung, scheinbar kleine Rösterei mit Expertise, nette Ansagen, sinnvoller Preis. All das klingt nach den perfekten Zutaten für einen gelungenen Kaffeebohnen Test, oder?

Schicke Packung, scheinbar kleine Rösterei mit Expertise, nette Ansagen, sinnvoller Preis. All das klingt nach den perfekten Zutaten für einen gelungenen Kaffeebohnen Test, oder?

Dachte ich auch. Aber der XO EFA Kaffee, den ich für euch im Rahmen eines kleinen Rundumschlags durch beliebte Kaffeeangebote gekauft und getestet habe, ist eine Frechheit. Von Anfang bis Ende.

Ich gestehe (wie immer) zu, dass ich vielleicht ausgerechnet eine Montagspackung erhalten habe. Oder dass die falsche Röstung etikettiert wurde. Gerade dieser Verdacht hat sich bei mir festgesetzt – siehe Fazit.

Doch selbst wenn das der Fall ist, sind die Unterschiede zwischen dem Versprochenen und der Realität zu groß, als dass ich an ein Einzelproblem glauben kann.

In der schönen neuen Kaffeewelt gilt offensichtlich ebenso der gute alte Spruch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Dabei hatte der XO EFA Kaffee theoretisch gute Karten. Denn ich habe ihn zum Einstellen des Mahlwerks der DeLonghi La Specialista Espressomaschine genommen, die ich sowieso gerade zum Testen aufgebaut hatte.

Er war also wesentlich länger im Testbetrieb und hätte sich irgendwann doch noch mit gutem Geschmack hervortun können. Diese Chance hat er sich versaut. Und zwar gründlich.

Darum lautet meine klare Ansage auch – und ich sage das nur selten – spart euch das Geld für diesen Kaffee. Oder nehmt ihn nur zum Einstellen von Mahlwerken.

Der XO EFA Kaffee im Überblick

EintragWert
RösterKaffeeleben Rösterei
NameXO EFA
Bohne100 % Arabica
HerkunftslandBrasilien, Kolumbien, Java
Herkunftsortk.A.
Handelswegk.A.
Varietätk.A.
Ernteverfahrenk.A.
Aufbereitungk.A.
Trocknungk.A.
ZubereitungsempfehlungSiebträger, Vollautomat
Röstdatum04.2019 (nur auf Website)
MHD04.2020
Füllmenge250 g
Preis pro kg in Euro26,00

Die Rösterei aus Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein unterhält keine eigene Website und verkauft ihren Kaffee nur über diverse Plattformen. Das hat mich schon etwas stutzig gemacht. Darum kann ich euch auch nichts weiter zur Eigendarstellung sagen.

Wohl aber kann ich zitieren, was euch im Rahmen dieser Kaffeebohne versprochen wird – und jede dieser Aussagen können wir später zerlegen:

„verführerisch schmeichelnd kommt XO EFA daher. Klar und unverfälscht wie Wasser aus einem Gebirgsbach, weich und harmonisch. Der Kaffeegeschmack ist frei von Säure, leicht und von fast brillanter Sauberkeit mit einer ausgeprägten Süße.“

Und weiter geht’s mit:

„Ein bisschen Backstube, ein bisschen Haselnuss, ein bisschen Vollmilchschokolade, vielleicht also die flüssigste Praline der Welt […]“

EFA steht dabei für „Einer für alle“, soll also in die Kategorie „Kompromisskaffee“ fallen, die ich im Rahmen meines Martermühle Kaffee Tests neu definiert habe: Jeder kann mit einem solchen Kaffee etwas anfangen, jeder kommt auf die ein oder andere Weise auf seine Kosten.

Zudem werden ein geringer Koffeingehalt (Bohnenskala 1 von 5), ein mittlerer Röstgrad (3 von 5) und auf der Packung in großen Lettern „CREMIG.RAFFINIERT.SCHOKOLADIG“ versprochen.

Bohnenbild

Nennt mich altmodisch, aber von einer mittleren Röstung, die „schonend im klassischen Trommelröster veredelt“ wurde, erwarte ich eine mittelbraun-nussige Farbe, eine saubere Oberfläche und regelmäßige Bohnen.

Und was habe ich bekommen? Die öligsten, dunkelsten Bohnen, die ihr euch vorstellen könnt. Auf den Fotos habe ich euch auch die Bruch- und Fehlbohnen heraussortiert. Diese Bohnen stammten ausschließlich aus der kleinen Menge, die auf dem Sample-Teller gelandet ist.

Hier sind tatsächlich (fast) alle Faktoren vertreten, die einen Kaffee von minderwertiger Qualität „auszeichnen“ – von Löchern wegen Schädlingsbefall des Rohprodukts bis zu Farbfehlern, die beim falschen Rösten auftreten.

Und die massive Öligkeit, die selbst für eine Espressomischung too much ist, deutet darauf hin, dass die Bohnen bis über den sogenannten Second Crack hinaus geröstet wurden. Wer so lange röstet, treibt die Bohnen bis an die Grenze zum „Verbrennen“, die Kaffeeöle treten vermehrt an die Oberfläche.

Wie gesagt: Ein bisschen Glanz und Öl ist bei Espressobohnen gar kein Problem. Im Gegenteil. Aber auf den Fotos seht ihr sicher ganz gut, dass diese Bohnen des XO EFA glänzen, als wären sie mit flüssigem Fett übergossen. So fühlten sie sich auch an.

Geruch

Tut mir leid Leute, aber ich muss es jetzt so klar sagen: Beim Öffnen der Packung roch die Mischung nach Furz. Diese methanige Note hatte sich auch Tage später noch nicht aus den Kaffeebohnen verabschiedet.

Als sich meine Nase daran vorbei gekämpft hatte, waren tatsächlich intensive Schoko- und Süßenoten zu riechen. Aber wer will schon kämpfen?

Geschmack und Säure

Nochmal: Der XO EFA hatte alle Gelegenheit, sich zu präsentieren, da ich ihn mehrfach und in den verschiedensten Einstellungen durch die DeLonghi La Specialista gejagt habe. Doch selbst in der optimalen Einstellung war der Kaffee einfach nur Bla und hauptsächlich bitter.

Ich gestehe der Rösterei zu, dass ihr euch hier wirklich nicht mit Säure auseinandersetzen müsst. Zumindest nicht mit sinnvoller Säure. Das habe ich aber auch irgendwie nicht (mehr) anders erwartet.

Körper & Mundgefühl

Die ölige Schwere mit klarer Bitternotendominanz übersetzt sich natürlich auch in einen recht breit angelegten Körper. Auf der Zunge wurden außerdem meine Rezeptoren für „salzig“ angesprochen, was die Sache fast zu einer Mahlzeit gemacht hat.

Abgang und Nachhall

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich diesen Kaffee möglichst schnell „loswerden“ wollte und keine Lust hatte, lange darauf herum zu kauen oder ihn noch später zu schmecken.

Diesen Gefallen hat er mir zumindest teilweise auch getan. Was blieb, war der Eindruck von Öligkeit, auch der Nachklang von Salz war länger zu spüren.

Für wen ist der XO EFA Kaffee geeignet?

Niemanden. Wirklich niemanden.

Fazit zum XO EFA Kaffee Test

Hätte ich nicht den halben Kaffee zum Einstellen verbraucht, hätte ich den Mist postwendend zurückgeschickt und mein Geld zurückverlangt. Der XO EFA Kaffee ist weder „Einer für alle“, noch ein Kaffee, der seinen Preis rechtfertigt.

Zwischendurch hat mich das Gefühl beschlichen, dass sie mir hier vielleicht aus Versehen ihren XO Fera in die Packung gekippt haben, der „polarisieren“ soll und außerdem extradunkel geröstet ist.

Das würde auch erklären, warum in meiner Mischung offensichtlich Robusta-Bohnen gelandet sind. Die erkennt man daran, dass sie wesentlich kleiner als Arabica sind. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel Arabica und Robusta Kaffee: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und der Tanz um den Qualitätsbegriff

Aber selbst wenn das der Fall ist, dann wäre auch dieser Kaffee Beschiss, was ihr problemlos an den Bohnen, dem Geruch und letztendlich dem Geschmack erkennen könnt. No thank you!

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Hinterlasst einen Kommentar!

2 Kommentare

    Moin Arne,

    danke für den Test. Wir trinken den Kaffee seit langem jeden Tag und ich kann deine Meinung nicht teilen. Weder der komische Geruch, noch das ölige, ungleichmäßige Bohnenbild habe ich jemals vorgefunden. Es gibt noch einen anderen Kaffee von XO, auf den Deine Aussagen eher zutreffen, nämlich der XO Fera. Bei diesem Kaffee hatte ich genau die von Dir beschriebenen Gedanken. Vielleicht tatsächlich vom Hersteller falsch abgefüllt?

    LG
    Heiko

    Antworten
    Arne

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für deinen Kommentar und deine Erfahrung mit dem Espresso. Möglicherweise, oder inkonsestente Röstung?! Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

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