Die Melitta Kaffeemühle Molino im Test

Die Melitta Kaffeemühle Molino im Test Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 22. November 2017 von 4

Wenn ich in meinem Kaffeemühlen Test von günstigen elektrischen Einsteigermühlen rede, dann meine ich damit meist Geräte, die wenigstens um die 50 Euro kosten und dafür durchaus was leisten. Gute Beispiel sind die Rommelsbacher EKM 200 oder die Severin KM 3873.

Günstige elektrische Kaffeemühle
Rommelsbacher Kaffeemühle EKM 200

Einsteiger Kaffeemühle mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

Wenn eine elektrische Version aber kaum mehr kostet als eine brauchbare Handkaffeemühle, wird der Kaffeetester eures Vertrauens doch ein bisschen skeptisch. Und diese Skepsis konnte die Melitta Molino Kaffeemühle für aktuell weniger als 40 Euro im Test auch nicht beseitigen. Hier findet ihr die Mühle auf www.amazon.de.

Das Produkt und die Verpackung auf einen Blick

Allerdings ist sie besser, als ich zunächst glaubte, krankt aber definitiv an mehr als einer Kinderkrankheit. Dennoch: Dieses Gerät richtet sich an absolute Einsteiger, die im Idealfall keine Vergleichsmöglichkeit haben, was Mühlen eigentlich leisten können.

Dumm für das Gerät, dass bei meinem Testdurchlauf die beliebte Graef Kaffeemühle CM 800 zufällig daneben stand und direkt zeigte, was hervorragende Einsteigerprodukte eigentlich können (und kosten) sollten.

Datenblatt

EINTRAGWERT
ModellnameMelitta Molino
ProduktkategorieElektrische Kaffeemühle
MahlwerktypScheibenmahlwerk
MahlwerkmaterialEdelstahl
Hauptmaterial MühleKunststoff
Mahlgradstufen17
Größe Bohnenbehälter200 g
Füllmenge Auffangbehälter100 g
Tassenportionen2 bis 14
ExtrasAbschaltautomatik
Leistung100 Watt
Gewicht1,6 kg
Am besten geeignet fürFeinere Mahlgrade
Zugang zum Mahlwerk
Preis (Preis zum Kaufzeitpunkt)39.99 € (38,45 Euro)

* laut Testergebnis

Der erste Eindruck

Sobald ihr ein bisschen Erfahrung mit Kaffeemühlen oder überhaupt Geräten für alle möglichen Zubereitungsmethoden habt, wird es euch sicherlich wie mir gehen: Schon beim ersten Auspacken (ach nee, das nennen wir ja jetzt ‚Unboxing‘) wisst ihr im Grunde schon ganz genau, was euch erwarten wird.

Bei der Melitta Molino schwant mir bei allem dem Kunststoff und dem geringen Gewicht des Gerätes nichts Gutes, wenn es um das Problem der statischen Aufladung geht.

Viel Kunststoff

Dieser Begriff bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass vor allem feines Kaffeemehl nicht im Auffangbehälter landet, sondern in allen Öffnungen und Windungen kleben bleibt. Dumm für die voreingestellte Portionierung, dumm für die Sauberkeit, dumm für den effizienten Verbrauch hochwertigen Kaffees.

Auch ist das Gerät nicht besonders schwer und sieht ein bisschen – wie soll ich sagen – ultrabillig aus. Frech finde ich auch, dass ihr für die hässlichere Variante mit rotem Ring weniger zahlen müsst als für die nicht ganz so hässliche Variante mit schwarzem Ring. Das war zumindest zum Kaufzeitpunkt bei Amazon so. Es geht zwar nur um einen Euro, aber immerhin.

Die haessliche Variante ist guenstiger

Die Beschriftung des Rädchens für die Mahlgradeinstellungen an der Seite sind jedoch ebenso eindeutig wie am Rädchen für die Portionierung neben dem On/Off-Knopf an der Front.

Der On/Off Knopf

Das ist natürlich nett, weil kein Laie so recht nachvollziehen kann, was sich hinter den Mahlgradstufen von 1 bis 17 (in diesem Fall) verstecken könnte. Melitta schreibt freundlicherweise dazu, dass die ersten drei Stufen für Espresso sind, am groben Ende der Skala geht es um Handfilter und French Press.

17 Stufen sind zwar ziemlich wenig, aber reichen für das normale Publikum garantiert aus. Die Sache mit der Tassenportionierung, die hier von 2 bis 14 geht, ist im Grunde ebenso ausreichend. Ich würde mich sowieso nie auf die Grammzahlen, die dieser Portionierung zugrunde liegen, bei meinen Kaffees verlassen. Und dass ihr irgendeine andere Form des Wiegens oder Abmessens eures Kaffeemehls finden solltet, ist hier besonders wichtig. Warum, klären wir später.

Ansonsten sind gerade die kompakten Maße der Melitta Molino ein echtes Verkaufsargument, bei dem die meisten professionelleren Mühlen eher passen müssen. Ausnahme ist die hervorragende Eureka Mignon, die nicht nur schnuckelig klein, sondern auch noch ultrahübsch ist.

Der Bohnenbehälter der Melitta Molino mit seinen 200 Gramm Füllmenge ist leicht zu befüllen und auch der Auffangbehälter ist mit seinen 100 Gramm Füllmenge durchaus geräumig. Auf Vorrat fangt ihr aber bitte dennoch nicht an zu mahlen!

Geraeumiger Auffangbehaelter

Wie immer bei den Einsteigermühlen wird das fertige Mehl über einen horizontal angebrachten Auslass in den Kaffeebehälter „gespuckt“. Das ist der besonders kompakten Bauweise zu schulden und sorgt leider dafür, dass Ihr Kaffeemehl hier zum Beispiel niemals sinnvoll in einen anderen Behälter mahlen könntet.

Bevor wir das Maschinchen weiter auseinander nehmen, bis hierhin erst einmal eine Zusammenfassung:

  • sehr kompakt
  • eindeutige Beschriftung und voreingestellte Portionierung
  • extrem günstig
  • für absolute Einsteiger gedacht
  • Scheibenmahlwerk aus Edelstahl
  • extrem viel Kunststoff
  • keine große Einflussnahme auf Portionierung etc.
  • recht hässlich

Das Mahlwerk

Bei rund 40 Euro ein Scheibenmahlwerk aus Edelstahl zu bekommen, ist ein echter Schnapper. Ob Melitta aus Kostengründen dabei auf eine hochwertige Legierung gesetzt hat, lasse ich jetzt mal dahingestellt.

hochwertiges Scheibenmahlwerk

Bei manch anderer Mühle im Test habe ich euch schon öfter verraten, dass man angegebene Mahlstufen durchaus noch etwas tweaken kann, wenn man einen Schraubenzieher und ein bisschen Wissen hat.

Davon würde ich euch bei der Melitta Molino abraten, weil es hier einfach keinen Sinn ergibt. Außerdem sitzt die festverbaute Mahlscheibe so in der Mühle, dass man kaum anständig rankäme, ohne etwas vom Kunststoff kaputt zu machen.

Dafür könnt ihr die obere Mahlscheibe allerdings einfach per Klick-und Drehmechanismus aus dem Bohnenbehälter entnehmen. Und das ist für eine gute Reinigung wichtig.

Gut fuer die Reinigung

Ein schwergängiges Einstellrädchen wäre bei anderen Funktionen eher ein Negativmerkmal, bei einer Mahlgradeinstellung ist es durchaus ein Zeichen dafür, dass hier wirklich gearbeitet wird. Bei der Melitta Molino jedenfalls hatte ich beim Rädchendrehen das Gefühl, dass sich das Mahlwerk wirklich bewegt.

Aber: Das Ganze geht nicht ohne Knirschen und „Plastikgeräusche“ über die Bühne, was wiederum eher gegen eine lange Haltbarkeit spricht. Und sobald viel Kaffeereste im Mahlwerk kleben, ist die Gefahr groß, dass sich hier etwas verkantet.

Ohne Knirschen gehts nicht

Wie schon erwähnt, sind 17 Mahlgradstufen nicht die Welt und eine fehlende Feinjustierung ist auch nicht gerade perfekt. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass uns das bei einer 40 Euro-Mühle fast egal sein kann.

Solltet ihr euch bei der Portionierung mehr Eingreifmöglichkeiten wünschen, könnt ihr den Stop-Knopf drücken. Doch auch das ist hier in meinen Augen eher ein nebensächliches Gimmick.

Die Melitta Molino Kaffeemühle im Einsatz

Im Einsatz zeigt die Melitta Molino Kaffeemühle ein interessantes und teilweise unerwartetes Gesicht. Zunächst einmal die wichtigsten Befunde im Überblick:

  • relativ laut mit dem Sound eines rachitischen Rasenmähers
  • statische Aufladung ohne Ende
  • Mühle spielt „Kaffeemehl-Weitwurf“ und nicht alles landet im Auffangbehälter
  • Ultrafein kriegt die Mühle erstaunlich gut und homogen hin
  • In den gröberen Mahlgraden wird’s unregelmäßig

Was ich mit unerwartet meine: Normalerweise sind günstige Mühlen für feine Mahlgrade in Espresso- oder Mokkaqualität nicht zu gebrauchen. Hier kann sich die Melitta Molino aber erstaunlich gut behaupten. Dafür wird sie in den groben Einstellungen schnell unregelmäßig.

Das ist ein wenig schizophren, weil die anvisierte Zielgruppe in meinen Augen eine solche Mühle sicher weniger für die Siebträgermaschine kauft. Ergibt ja auch keinen Sinn, wenn ein Siebträgerhalter am Auslass fehlt und in Tassen gemessen wird.

Die Molino mahlt sogar so fein, dass der wichtigste Kontrapunkt, die statische Aufladung, schnell zum Problem werden könnte.

Denn ich habe das Gefühl, dass das Kaffeemehl überall landet, nur nicht im Behälterboden. Das seht ihr schon im Betrieb: Das Mehl wird mit Karacho gegen die Behälterwand geschleudert und bleibt da hübsch kleben. Der Rest hängt im Auslass fest oder – noch schlimmer – im Mahlwerk.

Das feine Kaffeepulver bleibt ueberall kleben

Weil Behälteröffnung und Auslass nicht genau abschließen, spuckt die Mühle im Betrieb auch gerne mal mit Kaffeemehl. Die Arbeitsfläche ist hinterher jedenfalls nicht mehr sauber.

Zum Vergleich: Die Graef CM 800 hat einen vertikal angebrachten Auslass, der schmal zuläuft. Durch Schwerkraft und wenig statische Aufladung landet also alles im Behälter. Und so sollte das eigentlich sein.

Darum ist auch die Sache mit der Tassenportionierung völliger Humbug. Aus vorportionierten 2 Tassen macht die Melitta Molino nämlich gerade einmal genug Kaffeemehl für eine.

Das Soundbild hat mich nicht weiter überrascht, auch wenn es nicht übermäßig laut ist. Nur der Klang macht mir Sorgen, schließlich deutet er darauf hin, dass der 100 Watt-Motor schnell an seine Grenzen stößt.

Alles in allem sind die guten feinen Mahlergebnisse das Pro-Argument, dass die Melitta Molino von anderen Einsteigermühlen abhebt. Der Rest ist typisch für ultragünstige Mühlen und leider nur durch eine Sache zu beheben: mehr Geld investieren.

Tolles Ergebnis

Die Reinigung

Vielleicht ist es ein wenig zu viel verlangt, bei knapp 40 Euro wenigstens einen Reinigungspinsel zu erwarten. Aber bei einer solch großen Kaffeemehlsauerei ist dieses Hilfsmittel eigentlich unabdingbar.

Wenigstens könnt ihr den Auffangbehälter und den Bohnenbehälterdeckel einfach reinigen, auch die obere Mahlscheibe der Melitta Molino kriegt ihr gut sauber. Beim Rest müsst ihr euch was einfallen lassen.

Ueberall klebt Kaffeepulver

Solltet ihr keinen Pinsel zur Hand haben, empfehle ich auch mal den Griff zum Staubsauger, der überschüssiges Kaffeemehl gerade aus den Windungen und Schächten der Maschine entfernt, an die ihr nicht einmal mit einem Pinsel herankämt.

Aber: So richtig bequemes Reinigen sieht anders aus. Hier müsst ihr auf jeden Fall öfter mal mit Reinigungsgranulaten ans Werk gehen und das Ding ebenso nach jeder Benutzung auspinseln und ausklopfen. Sonst garantiere ich euch, dass euch die Melitta Molino nach ein paar Wochen keinen leckeren, sondern ranzigen Kaffee liefert.

Mein Fazit: Für wen ist die Melitta Molino Kaffeemühle gedacht?

Bei der Rommelsbacher EKM 200 oder der Zassenhaus Kingston Kaffeemühle habe ich immer Gnade vor Recht ergehen lassen und festgehalten, dass diese günstigen Produkte für die Einsteigerklientel durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.

Ich bins

Die Melitta Molino Kaffeemühle unterbietet das Angebot dieser beiden Vergleichsmodelle nicht nur in preislicher Hinsicht. Sie kann weniger, kostet weniger und hat ein weniger durchdachtes Produktdesign, das jedem die Fußnägel hochrollt, der nur einen Funken Kaffee-Ahnung hat.

Aber ist das so schlimm? Jein. Falls ihr gerade anfangt, frisch gemahlenen Kaffee zu entdecken und einfach einmal antesten wollt, wir sehr dieser Zwischenschritt das Aroma beeinflusst, dann spricht nichts dagegen, nicht mehr als 40 Euro bei Amazon zu investieren.

Allerdings garantiere ich euch, dass die Melitta Molino nur wenige Monate in eurer Küche steht, bevor ihr zur Besinnung kommt und auf ein besseres Modell umsattelt. Dann wer würde nach frisch gemahlenem Kaffee je wieder auf Supermarkt-Staub umsteigen? Eben.

Fertig ist das Kaffeepulver

Und ja, wie immer denke ich dann in Kategorien wie Graef CM 800, die mal eben schlappe 90 Euro mehr kostet, euch dafür aber definitiv (besonders bei Espresso) erfreut.

Auch die Baratza Encore für rund 150 Euro als bessere Variante für grobe Mahlgrade erfüllt mehr Wünsche, als es die Melitta Molino je könnte.

Die Molino ist in meinen Augen ein deutliches Beispiel dafür, warum das perfekte Trinkerlebnis mit der richtigen Kaffeemühle steht und fällt. Sie macht den Genuss zwar nicht zunichte, hilft euch aber auch nicht wirklich dabei, die vielen Möglichkeiten frischen Kaffeearomas zu entdecken. Und dann kann man sich die 40 Euro auch sparen.

Was meint ihr? Hat Melitta hier daneben gegriffen oder sehe ich die Sache mal wieder zu nerdig? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

4 Kommentare
  • hc
    31 Dezember, 2017

    Sorry, aber teilweise wunder ich mich bei dem Test wirklich……

    Die Frage ist, gerade in diesem Preissegment, ob sie die ihr angedachte Aufgabe ordentlich erfüllen kann, nicht ob sie einen Schönheitswettbewerb gewinnt, wobei es weitestgehend egal ist ob “viel Plastik” dran ist (oder kannst du mir eine andere Begründung liefern als “fasst sich schöner an” und “sieht besser aus”?). Dass “Plastikgeräusche” auf eine geringe Haltbarkeit hindeuten halte ich übrigens auch für einen Mythos.

    Ich pendle zwischen zwei Wohnungen und hab in der einen eine Molino stehen, die ihren Dienst seit 2015 tadellos verrichtet, ungefähr 10 Tassen pro Tag wenn ich dort bin. Bisher keinelei Probleme. Statische Aufladung mag zwar nervig sein, sehe ich aber letzenendes auch eher als Luxusproblem an. Und dass die Mühle im Betrieb Kaffeepulver spuckt kann ich so definitiv nicht bestätigen, auch wenn sie trotzdem recht reinigungsintensiv ist.

    Ja, es ist keine Mahlkönig, aber für Filterkaffee ist das Ding auf jeden Fall ok.

  • Nico
    28 Januar, 2018

    Habe die Molino Maschine seit ein paar Tagen daheim,
    nur leider erschließt sich mir jegliches Verständnis wie das Mahlwerk zu reinigen sein soll. Angeblich soll man die Einstellung vom Mahlwerk auf 1 stellen, den Ring innen mit den Fingern umschliessen und im Uhrzeigersinn drehen (was unmöglich ist), hab schon alles versucht. Drehen ziehen, mit Handtuch, ich schneide mir mit dem Plastikrädchen dermassen in die Finger das es wirklich wehtut, es bewegt sich NICHTS. Wie soll man die Maschine auch nur annähernd sauber halten, wenns am einfachsten schon hapert?

  • G. Weiß
    22 März, 2018

    Habe die Mühle seit 8 Tagen und benötige diese eigentlich nur zum feinmahlen von Kaffeebohnen. Leider habe ich den richtigen Mahl Grad noch nicht gefunden, nach deiner Beschreibung werde ich dies jetzt mal mit 1 probieren. Für Espresso benötige ich kein Mahlwerk nur für die Kaffeemaschine und da finde ich, dass Stufe 3 noch zu grob ist. Mit dem reinigen komme ich hin mit Bürste und klopfen. Darf ja auch nicht vergessen, dass sie nur knapp 40,–€ gekostet hat und ich nur meine Geschenke von Kaffeebohnen verarbeiten möchte.

  • Arne
    23 März, 2018

    Hallo G. Weiß, danke für den Kommentar.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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