Gorilla Kaffee im Test | Klappe zu Affe tot

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Heute habe ich mir den Gorilla Kaffee der Rösterei "Kaffee Joerges" vorgenommen. Darum bin ich in der Facebook-Gruppe "Kaffeevollautomaten Freunde | Tipps, Erfahrungen, Bohnenauswahl" gebeten worden. Und wie ihr wisst, kann ich immer schlecht nein sagen.

Gorilla Kaffee im Test

Heute habe ich mir den Gorilla Kaffee der Rösterei “Kaffee Joerges” vorgenommen. Darum bin ich in der Facebook-Gruppe “Kaffeevollautomaten Freunde | Tipps, Erfahrungen, Bohnenauswahl” gebeten worden. Und wie ihr wisst, kann ich immer schlecht nein sagen.

Außerdem starte ich gerade eine neue Kaffee- und Espresso-Testrunde. Alle Berichte findet ihr hier:

Achtung: Geschmack ist Geschmacksache. Gerade bei kritischen Tests bin ich oft auf hartnäckige Verteidiger bestimmter Bohnen gestoßen. Das zeigt sich besonders schön an den Kommentaren zum Cream Diamonds. Deswegen bitte ich euch auch, zwischen objektiven und subjektiven Kriterien zu unterscheiden. Ich möchte aber wirklich eure Meinung hören und wenn ihr den Test bekloppt und den Gorilla toll findet, schreibt das bitte. Das “Klappe zu” aus dem Titel bezog sich also auf den Affen auf der Verpackung — keine Angst!

Ich mache keine Bind-Tests und für ein endgültiges Urteil wäre sicher die Meinung einer blind verkostenden Expertenrunde nötig. Nichtsdestoweniger gebe ich gerne meinen Senf zu allem, was nicht bei drei im Kaffeebecher ist und bin gespannt, ob ihr diesen Kaffee auch kennt. Aber zuerst schauen wir uns die objektiven Kriterien an.

  • Was steht auf der Verpackung?
  • Welche Informationen gibt es über den Kaffee?
  • und wie sehen die Kaffeebohnen aus?

NameGorilla Super Bar Crema
Röster Kaffee Joerges
Preis13.64 €
Arabica80% (steht nicht auf der Packung)
Robusta20% (steht nicht auf der Packung)
Herkunft Süd- und Mittelamerika (steht nicht auf der Packung)
Röstdatum X
Info über Erreichung der Reife X
Röstung Trommelröstung 12 und 20 Minuten (steht nicht auf der Packung)

Verpackung und Informationen

“100% reiner Kaffee. Dieser Espresso-Kaffee ist nach italienischem Geschmack geröstet. Er garantiert die grösste Ausnutzung für jede Art von Kaffeemaschine und bietet Ihnen gleichzeitig den Genuss einer guten Tasse wahren Espresso-Kaffees nach italienischer Art.”

Wie es sich für eine Kaffeerösterei aus Obertshausen gehört, steht das gleich noch mal in italienisch auf der Verpackung. Mehr Informationen zum Kaffee gibt es nicht.

Der Klugscheißer in mir ließt diesen Satz einige Mal. Stünden mehr Informationen auf der Verpackung, hätte ich mich auch gerne auf was anderes bezogen. Aber erst mal Herzlichen Glückwunsch. Der Kaffee besteht aus 100% Kaffee.

Woran ich jetzt echt hängen geblieben bin ist “nach italienischem Geschmack” (ich sehe schon die Erbsenzähler Kommentare). Liebe Italiener, was sagt ihr dazu? Das “nach italienischer Art” finde ich hingegen durchaus ok. Das könnt ihr jetzt als Haarspalterei abtun. Aber ich rätsle weiter, was genau italienischer Geschmack ist und wie man in Obertshausen nach diesem röstet. Aber ich gebe zu, ich kann mir denken, was gemeint ist. Ein Espresso in der Tradition süditalienischer Espressokultur.

Aber es geht interessant weiter. “Er garantiert die grösste Ausnutzung für jede Art von Kaffeemaschine”. Ist “er” jetzt eigentlich der “Espresso-Kaffee” oder der “italienische Geschmack”. Aber davon abgesehen frage ich mich, was “Ausnutzung” bedeuten soll. Normalerweise würde ich schreiben: Dieser Kaffee ist für alle Kaffeemaschinen geeignet.

Aber meine Kaffeevollautomaten sind geeignet und ebenfalls mein Moccamaster — wir legen los. Mit der größten Ausnutzung sozusagen…

Ich habe mir den Text gerade noch mal auf italienisch durchgelesen. Klingt besser, verstehe ich aber auch nicht.

Doch Kaffeeröster müssen Kaffee rösten und nicht texten können.+

Bohnenbild

Ein Konflikt-Trainer hat mal zu mir gesagt, erst tief durchatmen. Das mache ich gerade.

Ich sortiere immer gerne die wie ich sie nenne, bekloppten Bohnen aus. Ich schau mir die Kaffeebohnen genau an und picke zerbrochene, verbrannte, rohe, angebohrte, hohle und fleckige Bohnen raus. Bei sehr guten Kaffees und Espressos findet sich fast nichts. Bei der “Gorilla-Kaffee-Auslese” hatte ich das erste Mal in meinem Leben Angst vor Fingerarthrose.

Es waren Bohnen dabei die völlig verbrannt waren. Immanent Fire at its best. Auch ansonsten habe ich alles gefunden, was ich eben aufgezählt habe. Und nicht nur Bruch, sondern auch richtig kleine Kaffeestückchen, die ein wenig nach dem Mahlgrad für die Karlsbader Kanne aussahen.

Ich lasse einfach die Fotos für sich sprechen. Zum Vergleich habe ich einen Espresso von Elephantbeans genau sortiert. Bitte schaut euch die Unterschiede in Qualität und Quantität an. Ja, die Preise dieser Espressos liegen weit auseinander. Aber für mich sind sie trotzdem vergleichbar. Ich vergleiche aber auch Fahrräder mit Autos. Deswegen habe ich kein Auto.

Gorilla Kaffee Burch

Rechts sind die bescheuerten Bohnen. Links seht ihr einen Teil des Kaffees nach dem Aussortieren. Der aufmerksame Leser merkt, dass ich sogar kaputte Bohnen übersehen habe. Wir haben also in einer 1.000 g Packung Kaffee (mindestens) 87,6 g Bruch und defekte Kaffeebohnen. Das sind 8,76%. Oder anders, wenn wir mit einem Preis von 16 € rechnen, habt ihr für diese “Reste” 1,40 € bezahlt.

Bruch im Gorilla Kaffee Test

Das sind die aussortierten Bohnen – insgesamt sieht der Kaffee besser aus!

Vergleich der aussortierten Bohnen

Hier mal der Vergleich zu einem richtig guten Espresso. Das hinkt aber auch insofern, als dass ich hier nur 500 g durchforstet habe. Aber auch der doppelte rechte Haufen wäre noch überschaubar. Damit möchte ich sagen, bescheuerte Bohnen gibt es überall.

Gorilla Kaffee Test im Moccamaster

Ich darf laut Beschreibung jede Kaffeemaschine nutzen. Aber das macht ein Kaffee-Blogger mit 10 Jahren Erfahrung selbstverständlich nicht. Es wird der Moccamaster, der mir schon so lange treue Dienste leistet. Gemahlen habe ich die Bohnen mit meiner Baratza Encore. Augen zu und durch.

Diesen Kaffee würde ich mir sonst nicht im Filter machen aber zum testen werde ich das mit allen Bohnen so durchziehen.

Gorilla Kaffee als Filterkaffee

Gorilla Kaffee aus dem Moccamaster

Frisch gemahlen riecht der Kaffee erstmal viel besser als erwartet. Ich bin überrascht. Sieht dieser Kaffee nachher nur schlecht aus und schmeckt gut? Bin ich oberflächlich bei meiner Kaffee-Analyse?

Doch die Selbstzweifel zerstreuen sich, nachdem der Kaffee durchgelaufen ist. Der Schoko-Geruch ist einem dumpfen Nichts gewichen.

  • Aroma: Ich schmecke nur Röstung. Sehr dunkel und rauchig. Kennt ihr das, wenn der Toast verbrannt ist und ihr selbstbewusst sagt, das geht noch, der ist nur knusprig und dann beim Reinbeißen merkt ihr — das war ein Fehler, was habe ich getan? So schmeckt dieser Kaffee.
  • Körper: Dünn, so dünn und doch so bitter. Rauchiges Wasser.
  • Abgang: Bitter und er zieht den Gaumen mit sich. Ich habe das Bedürfnis mit der Zahnbürste meine Zunge zu putzen.
  • Fazit: Als Filterkaffee absolut ungeeignet!

Gorilla Kaffee Test im Kaffeevollautomaten

Dafür wird er beworben, dafür ist er gemacht. Da es mir nicht an diesen klobigen Gerätschaften mangelt, teste ich selbstverständlich auch im Kaffeevollautomat.

Ich probiere übrigens gleich einen Espresso und einen Caffè Crema aus. Mit dem Zähneputzen habe ich noch gewartet.

Gorilla Espresso aus dem Kaffeevollautomat von Jura E8

Der Espresso sieht sehr gut aus. Eine schöne Crema. Der Bezug hat mir ebenfalls gut gefallen. Hier spielen die 20% Robusta ihre Power aus.

Aber schmeckt der Gorilla Espresso auch? Der Geschmack erinnert mich sehr an den Espresso der großen Kaffeehauskette mit Meerjungfrau. Aber neben dem Rauchigen, kommt auch was Muffiges. Und das, obwohl ich die besonders bescheuerten Bohnen schon aussortiert habe. Aber als Espresso ist der Gorilla besser als aus dem Filter!

Er ist ein wenig bitter und ich habe keine Säure auf der Zunge.

Der Caffè Crema ist tatsächlich etwas besser als der Kaffee aus der Filtermaschine. Was schon bemerkenswert ist, denn das hatte ich noch nie. Wobei die Hitze dem Gebräu sicher sehr zugute kommt. Der Körper ist dennoch dünn und auch hier ist die Röstung geschmacksbestimmend.

Gorilla Cafe Crema aus dem Kaffeevollautomat

Gorilla Kaffee aus normaler Kaffee aus dem Vollautmat

Fazit

Oh Boy! Jetzt überlege ich ernsthaft, ob ich mit den 87,6 Gramm Bruch noch mal einen Vergleich zu den nicht aussortierten Bohnen mache. Aber das will ich weder meinem Magen noch meiner Kaffeemühle antun.

Was mich an dieser Stelle ein wenig zur Verzweiflung bringt ist, dass dieser Espresso wirklich vielen zu schmecken scheint. Und das ist auch ok. Erlaubt ist, was schmeckt. Es gibt überwiegend positive Bewertungen auf Amazon, sowie in meiner so geschätzten Kaffeevollautomaten Gruppe auf Facebook. In dem Test eines Online-Magazins eines Kaffeemarktplatzes… habe ich sogar was von einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis und “magenschonend” gelesen. Mal abgesehen, wie man “magenschonend” überhaupt testen will, bekomme ich Bauchschmerzen, wenn ich mir die aussortierten Bohnen anschaue.

Für eine Rösterei, die das Folgende über sich sagt, erwarte ich mehr. Viel mehr!

“Qualität ist für uns oberstes Gebot. Da sind wir kompromisslos. Beim Einkauf der Kaffeebohnen ebenso wie bei der schonenden Verarbeitung und bei der gewissenhaften Kontrolle im hauseigenen Labor.” (siehe kaffee-joerges.de/ueberuns).

Klar für 13.64 € kann niemand einen Weltklasse-Espresso erwarten. Dass die Kaffeebohnen im Stück in der Tüte sind erwarte ich schon — anschließend können wir dann gerne über den Geschmack streiten.

Was sagt ihr dazu? Seht ihr das genauso? Oder um mal Joschka Fischer zu bemühen: “Geliebte Gegner”, was gefällt euch an diesem Kaffee? Bitte schaut euch euren Kaffee erstmal gut an!

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