Der Kaffeevollautomat-Schimmel-Test: Wie sauber bleibt eine fest verbaute Brühgruppe?

Was habe ich jahrelang gemeckert: Kaffeevollautomaten mit fest verbauter Brühgruppe lassen sich nicht anständig reinigen! Eine Maschine von Jura oder Krups ist spätestens am Ende der Garantiezeit bestimmt eingesaut! Achtung! Gefahr! Und überhaupt!

Was habe ich jahrelang gemeckert: Kaffeevollautomaten mit fest verbauter Brühgruppe lassen sich nicht anständig reinigen! Eine Maschine von Jura oder Krups ist spätestens am Ende der Garantiezeit bestimmt eingesaut! Achtung! Gefahr! Und überhaupt!

Kaffee ist schimmelanfällig. Vor allem, wenn er mit Wasser in kuscheligen Temperaturen in Kontakt kommt. Und dazu hat er in einem Kaffeevollautomaten nun mal reichlich Gelegenheit. Die Brühgruppe als Herzstück ist damit auch die größte Ursache für Schimmel in der Maschine. 

Oder doch nicht? Oder ganz anders?

Ich habe zwei Kaffeevollautomaten mit fest verbauter Brühgruppe einem einjährigen Langzeittest unterzogen. Und ja, sie sind überraschend sauber. 

Trotzdem strotzen die Medien vor verschimmelten Kaffeevollautomaten, werden ständig neue Gefahren für Geschmack, Gesundheit und Geisteszustand in Cappuccino oder Espresso auf Knopfdruck identifiziert.

Was ist da los? Wer oder was schimmelt hier eigentlich? Welche Rolle spielt die Brüheinheit für die Hygiene wirklich? Und wie sieht’s mit dem Menschen aus? Finden wir es heraus!

Ja. Allerdings nur, wenn ihr die korrekte Reinigung vernachlässigt, Wasser im Kaffeeautomaten stehen lasst und etwa den Tresterbehälter nicht regelmäßig reinigt.

Einen neuen kaufen oder eine Profi-Reinigung beauftragen. Schimmel in einem entnehmbaren Behälter ist weniger ein Problem. Je weiter innen er sitzt, desto größer ist die Chance, dass er übersehen wird.

Ein sauberer, der in den richtigen Abständen gereinigt wird, mit Entkalker und Spülmittel in Kontakt kommt und ordentlich gepflegt wird. Das ist tatsächlich das ganze Geheimnis.

Alle bis auf die Geräte von Krups und Jura. Auch WMF ist nun mit Kaffeeautomaten für Consumer am Start und baut die Brühgruppe ebenfalls fest ein.

Reinigen und Entkalken ist bei allen Kaffeeautomaten einfach. Ihr müsst es nur machen.

Mythos verschimmelte Vollautomaten? Wie ein Langzeittest zu neuen Einstellungen führt

Kaffeevollautomaten bieten viele Einfalltore für Keime. Über den Tank, über die Milch, über die Kaffeebohnen. Trotzdem tun wir gern so, als wäre die Maschine selbst daran schuld – weil wir sie nicht bis auf den letzten Schlauch zerlegen können und sowieso keine Ahnung haben, was da drin eigentlich passiert.

Ich gebe gern zu, dass ich mit einer ähnlichen Einstellung an meinen Dauertest des Jura A1 und des Krups EA8918 Evidence gegangen bin. Schließlich sind diese beiden Vollautomaten Quintessenz-Vertreter der Black-Box-Annahme:

Hier lässt sich nicht einmal die Brühgruppe rausnehmen, die als Herzstück der automatischen Zubereitung am meisten mit Kaffeebohnen und Wasser in Kontakt ist. Schon durch den Aufbau müssen hier praktisch immer Reste zu finden sein, die schimmeln können. Auch wenn die Hersteller sagen, dass ihre Geräte quasi selbstreinigend sind.

Während wir bei Kaffeevollautomaten mit herausnehmbarer Brühgruppe also bis zu einem gewissen Punkt selbst Schuld haben, wenn sie schimmeln, können wir es bei diesen Vertretern getrost auf die Bauweise schieben.

Knackpunkt Brühgruppe?

Das Problem einer Brühgruppe, die sich nicht ausbauen lässt, liegt weniger im Inneren dieses Bauteils als im Bereich drumherum:

Wird Kaffeepulver vom Mahlwerk zur Brüheinheit transportiert, kann etwas daneben gehen. Wird dieses Kaffeepulver zum Puck gepresst, ebenso. Plumpst das durchfeuchtete Kaffeemehl nach der Zubereitung in den Tresterbehälter, erst recht. 

Kaffeepuck

Automatische Reinigungsprogramme oder Reinigungstabletten kümmern sich jedoch nur um den direkten Weg durch die Gruppe, an Stellen außerhalb kommen die Reinigungsmittel nicht heran. 

Dazu müsst ihr sie schon herausnehmen können, Bürste oder Lappen zur Hand nehmen und die Schimmelgefahr manuell bannen. Nach meinem Test sehe ich das jedoch ein wenig anders: Das Gerät ist nicht das Problem. Sondern euer Umgang damit.

Jura, Krups & die „selbstreinigende“ Brühgruppe

Jura Kaffeevollautomaten besitzen inzwischen spezielle 3D-Strudel-Brühgruppen, die angeblich besseren Kaffee machen als Standardvarianten. Das mag stimmen, denn der Kaffee ist erstklassig.

Krups Kaffeevollautomaten besitzen Brühgruppen aus Metall, die den Kaffee noch besser verdichten und die Brühtemperatur optimieren sollen. Auch das mag stimmen, obwohl ich bei den meisten Geräten eher auf den Milchschaum abgehe.

Für beide Marken ist jedoch klar, dass diese Brüheinheiten nur deswegen so gut funktionieren, weil sie nicht jeder Dödel rausrupfen und kaputt machen kann. Präzisionstechnik braucht nun mal eine bessere Integration in die Maschine.

Diese Integration soll auch dafür sorgen, dass kein Kaffee daneben geht, der irgendwo im Inneren der Maschine verschimmeln könnte. Solange ihr die Reinigungsprogramme regelmäßig und nach Bedienungsanleitung umsetzt, ist demnach alles schick.

Jura lässt sich sein Hygiene-Konzept sogar vom TÜV zertifizieren. Krups sagt in dieser Hinsicht nichts, gibt euch aber 15 Jahre Reparatur-Garantie. Ich konnte allerdings keine Aussage finden, ob das auch für die Entfernung verschimmelter Kaffeereste gilt.

Unser Kaffeevollautomat Schimmel-Testdesign

Bei der Auswahl passender Vollautomaten für den Langzeittest bin ich pragmatisch vorgegangen und habe zwei Modelle gewählt, die ich ohne schlechtes Gewissen und mit noch weniger Sorge um die Garantie bis zur Unrettbarkeit zerlegen kann.

Der Jura A1 als Kaffeevollautomat ohne Milchaufschäumer ist zwar ganz nett, im Vergleich zu ähnlichen Versionen wie dem Melitta Caffeo Solo jedoch einfach zu teuer. Der Krups Evidence wiederum ist einfach nur okay und wird aus dem eigenen Haus zum Beispiel vom Krups Intuition Preference+ überflügelt.

  1. Zunächst wollten wir beide Kaffeevollautomaten ein Jahr lang täglich benutzen. Das war logistisch aber nicht machbar – Leben und so. Darum haben wir uns darauf geeinigt, aus beiden Geräten jeweils 1.000 Kaffee bzw. Espresso zu beziehen.
  2. Das klingt erstmal wenig(er), entspricht aber mit 2,7 Tassen pro Tag ziemlich genau der Zielgruppen-Bezugsmenge, auf die die beiden Geräte ausgelegt sind. Also Singles und kleine Haushalte.
  3. Wir haben die Automaten nach jeder Tasse ordnungsgemäß gespült und sind bei der Reinigung allen Vorgaben der Betriebsanleitung und des Geräts selbst gefolgt. 
  4. Sie wurden regelmäßig entkalkt, Tresterbehälter, Wassertank und Co wurden natürlich ebenfalls ordnungsgemäß mit Spülmittel gesäubert.
  5. Für die finale Untersuchung habe ich sowohl die Brühgruppe als auch das Mahlwerk ausgebaut und dabei darauf geachtet, die Bauteile nicht zu sehr zu bewegen. Schließlich wollten wir sehen, wie viel Kaffeepulver in welchem Zustand an welcher Stelle kleben geblieben ist.

Die Testergebnisse: Blitzsaubere Kaffeevollautomaten & eine wahre Genugtuung für Fans

Wie ich schon sagte, habe ich mehr Kaffee erwartet. Wesentlich mehr. Genauso wie mehr Feuchtigkeit.

Stattdessen gab es in beiden Kaffeevollautomaten nur erwartbare Rückstände direkt am Mahlwerkkegel. Die Krupsmaschine zeigte zudem ein paar (knochentrockene) Krümel an ein paar Kunststoff-Bauteilen, die offensichtlich durch statische Aufladung dort hingelangt sind.

Krups Intuition Preference Kegelmahlwerk

Überzeugte Jura-Fans haben natürlich nichts anderes erwartet. Und werden mir vermutlich einige meiner alten Ratgeber und Testberichte um die Ohren hauen. Ich lasse euch die Freude gern. Doch was heißt das nun für die Vollautomaten-Pflege? 

Schimmel vermeiden statt Schimmel entfernen

Trotz unserer „bahnbrechenden“ Erkenntnisse sollten wir uns von meinem Einzel-Dauertest nicht blenden lassen und zwei Einschränkungen akzeptieren:

  1. Wir haben die Kaffeevollautomaten nur ein Jahr lang benutzt. Und es gab Rückstände. Das müsste man also auf längere Zeit oder mehr Bezüge nochmal hochrechnen.
  2. Selbst in hervorragend integrierten Geräten können Dichtungen verschleißen oder Bauteile kaputtgehen. Bei einer fest verbauten Brüheinheit merkt ihr das nicht so schnell.

Auch wenn die beiden Festverbauer von Konstruktionsseite aus vielleicht mehr gegen die Entstehung von Schimmel oder Gesundheitsgefahren unternehmen als etwa Siemens oder DeLonghi, tragt ihr am Ende selbst die Verantwortung dafür, wie lange das so bleibt.

Ich würde meine Festverbauer alle paar Jahre in eine Werkstatt geben und durchchecken lassen, ob noch alles ordnungsgemäß funktioniert und dicht ist.

Ausbauen bleibt wichtig!

Überzeugte Fans herausnehmbarer Brühgruppen fragen sich jetzt vielleicht, ob sie sich bisher zu viel Arbeit gemacht haben und die Brühgruppe zukünftig drin lassen sollten. Schließlich scheint die automatische Reinigung super gegen Verkeimung zu funktionieren.

Diese Denkfalle solltet ihr gar nicht erst aufstellen. Denn Vollautomaten mit herausnehmbarer Brüheinheit sind anders aufgebaut.

Nehmen wir DeLonghi Kaffeevollautomaten, eine Melitta-Maschine, Siemens-Vertreter oder jede andere Ausbauer-Marke auseinander, finden wir immer Kaffee hinter der Brühgruppe. Mal mehr, mal weniger. Hier reicht der Hygiene-Knopfdruck also definitiv nicht aus. Ihr müsst so oder so an das Gerät ran.

DeLonghi PrimaDonna Bruehgruppe

Symptome aus dem Kaffeevollautomaten: Wie ist das mit der Schimmelbildung?

Eines muss ich einschlägigen Fernsehbeiträgen und Texten mit Titeln wie „Keimschleuder Kaffeeautomat“ oder „Schimmel-Alarm im Kaffee“ echt lassen: Sie schaffen es wirklich, einem die Freude an der automatischen Kaffeezubereitung zu vermiesen.

Ich stehe total auf Stockfotos von verschimmeltem Kaffee in einer hübschen Tasse und noch mehr auf ernst dreinblickende „Experten“, die gemeinsam mit der Kameralinse in einen total verdreckten Kaffeevollautomaten gucken.

Geht es nach ihnen, sollten wir unseren Kaffee nur noch per Hand im Filter zubereiten. Oder noch besser, aus einer Kapsel. Oder am besten gar nicht. 

Jeder Barista bzw. aufmerksame Vollautomatenverwender sollte sich bei solchen Servicebeiträgen zuallererst eine Frage stellen: Wie habt ihr es bloß geschafft, dass eure Kaffeevollautomaten so dreckig sind?!

Um dieser Frage wirklich auf die Schimmelspur zu kommen, habe ich einen Experten für Biofilm gefragt, der sich täglich mit Wasser, Keimen und Mikroorganismen beschäftigt und entsprechende Sensoren entwickelt. Zwei seiner Tipps halte ich für besonders wichtig:

  1. Schimmelpilze sind genauso eine alltägliche Tatsache wie Bakterien, Kalk oder irgendwelche anderen Keime. Die Sporen befinden sich in der Luft, auf allen Oberflächen in der Küche, auf dem Gehäuse eures Kaffeevollautomaten, auf den Kaffeebohnen, in eurer Nase und in gewisser Weise auch im fertigen Espresso.
  2. Damit sie aktiv werden, also den sichtbaren Flaum (Mycel) ausbilden, braucht es Feuchtigkeit, einen Nährboden und Zeit. Je nach Schimmelsporen-Art wird dieser Flaum als gelber Schimmel, oranger Schimmel oder roter Schimmel sichtbar.

Feuchter Kaffeesatz, der irgendwo in Ruhe rumlungern kann, ist perfekt dazu geeignet, schimmelig zu werden. 

Das größte Problem bzw. die wichtigste Schimmelquelle sind unverarbeitete Bohnen. Jedoch wurde in Studien nachgewiesen, dass die darin vorhandenen Schimmelpilzsporen durch das Brühen auf ein kaum oder nicht mehr nachweisbares Niveau reduziert werden.

Zwar gibt es keine feste Zeitgröße, ab wann die Sporen eine Konzentration und Aktivierung erreichen, in denen sie Schäden oder Krankheiten auslösen bzw. bereits vorhandene Erkrankungen verstärken. Aber wir reden in jedem Fall von Tagen, nicht Stunden.

Zudem mögen Schimmelpilze keine allzu hohen Temperaturen. Und sie befinden sich überall, nur nicht in Wasser. Das ist das Reich der Bakterien. 

Was machen wir nun mit diesem Wissen? Ihr ahnt es …

Fazit: Die besten, total geheimen Tipps gegen schimmelige Kaffeevollautomaten

Um schimmelige Kaffeevollautomaten zu verhindern, müssen wir im Grunde nichts anderes machen, als den Sporen das Wachstum zu erschweren. Das funktioniert am besten mit … Achtung, jetzt kommt’s … gründlicher und regelmäßiger Reinigung.

Kaffeevollautomat Reinigung

Will der Automat gespült werden, spülen wir ihn. Leeren wir den Tresterbehälter oder füllen den Wassertank nach, machen wir sie zwischendurch sauber. Bevor wir frische Bohnen nachkippen, wischen wir erst einmal den Bohnenbehälter aus. 

Und wir behandeln die Brühgruppe so, wie es der Hersteller vorgesehen hat: Lässt sie sich herausnehmen, nehmen wir sie heraus und machen sie selbst sowie um sie herum sauber. Am besten nach jedem Benutzungstag. Ist sie fest eingebaut, durchlaufen wir die vorgegebenen Programme und nehmen keine Abkürzung.

Sobald wir in den Urlaub fahren, legen wir das gesamte Gerät trocken und entfernen jeglichen Kaffee. Bevor wir es wieder einschalten, spülen wir nochmal alles durch. 

Ganz nebenbei beugen wir damit auch noch der Entstehung bzw. Vermehrung anderer Keime vor, die durch eure Küche fliegen. 

All das klingt wie ein nüchternes und langweiliges Fazit aus einem Jahr Dauertest? Ganz genau! Doch ein Kommentator unter unserem Video zu den Ergebnissen hat es wirklich perfekt ausgedrückt: „Letzten Endes steht das Problem von Schimmel – wie so oft – vor dem Gerät“ Amen.

Eure Meinung? Fehlt ein wichtiger Hinweis? Hinterlasst gern einen Kommentar!

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