Eureka Mignon Test 2022: Klassiker-Kaffeemühle für wahre Pedanten

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Auch wenn es noch bessere, noch tollere, noch Mahlgut-freundlichere Geräte gibt: Dürfte ich nur noch eine Espressomühle verwenden, wäre es vermutlich die Eureka Mignon.

Espresso Kaffeemühle von Eureka

Auch wenn es noch bessere, noch tollere, noch Mahlgut-freundlichere Geräte gibt: Dürfte ich nur noch eine Espressomühle verwenden, wäre es vermutlich die Eureka Mignon.

Das italienische Schmuckstück ist eine ewige Messlatte für die Bewertung in meinem Kaffeemühlen Test und steht bei unzähligen Fans neben der Siebträgermaschine. 

Ursprünglich gab es sie nur als Chrom-verwöhnte elektrische Variante, die in Design und Größe ganz auf den Espressoeinsatz ausgelegt war – auch wenn sie Kaffeekörnungen schon immer beherrscht hat.

Für diesen aktualisierten Testbericht wollte ich eigentlich nur schauen, ob meine Begeisterung von damals auch heute gilt. Dabei musste ich feststellen, dass ihr inzwischen ganze 14 Mignon-Versionen kaufen könnt. 

Zwischen meiner Eureka Mignon MCI und Geschwistern wie der Eureka Mignon Silenzio oder der Eureka Mignon Perfetto scheint es klare Unterschiede zu geben, die alle sinnvoll erscheinen. Oder doch nicht?

Lasst uns herausfinden, was eine Eureka Mignon wirklich ausmacht, ob sich ein Update lohnt und welches Feature die Zubereitung von Kaffee, Espresso und Co noch besser machen kann.

Die Eureka Mignon-Serie als Kaffee- und Espressomühle für Anspruchsvolle ist in jeder Hinsicht empfehlenswert, auch wenn sie mehr kostet als der Consumer-Durchschnitt.

Auch wenn die meisten Eureka mit einer Mühle neben der Espressomaschine assoziieren, kann jede Mignon auch gröber und filterfreundlich mahlen. Das einzige Problem ist das Auffangen des Kaffees. Die Eureka Mignon Filtro und die Eureka Mignon Crono sind mit ihrem Behälterdesign jedoch direkt darauf ausgelegt.

Geeignete Filterkaffeemühlen gibt es bereits um die 50 Euro. Für Espresso solltet ihr jedoch mindestens 100 Euro investieren. Ab etwa 300 Euro bekommt ihr allerdings erst wirkliche Qualität.

Mühlen-Modelle im Überblick: Vergleich & Unterschiede der Eureka Mignon

Wenn ihr euch das erste Mal einen Überblick auf der Herstellerseite verschafft, wird euch auffallen, dass alle Mignon-Versionen grundsätzlich gleich aussehen. 

Das kantige Design ist ein absolutes Markenzeichen und wurde im Laufe der jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte der italienischen Mühlenmanufaktur (!) auch nicht verändert. Wozu auch?

Zweitens dürfte euch die enorme Farbvielfalt ins Auge stechen. Schwarz, Weiß, Rot, Chrom, Mintgrün – gerade bei den neueren Ausgaben wie der Eureka Mignon Silenzio könnt ihr euch richtig austoben. Allein hier habe ich 29 Farben gezählt.

Drittens kommt sicherlich schnell der Verdacht auf, dass die Modellvielfalt nur dazu da ist, um uns Kunden davon zu überzeugen, dass wir regelmäßig eine neue Mignon brauchen – siehe Modellschwurbelei bei Kaffeevollautomaten.

Genau wie dort gilt auch hier: Das Gerät mahlt nicht mehr? Dann braucht ihr ein neues. Ansonsten ist ein Upgrade nicht nötig. Allerdings heißt das nicht, dass die Neuauflagen totaler Quatsch sind. Ihr müsst nach meiner Ansicht jedoch differenzieren:

  • Die Empfehlung als Kaffee- oder Espressomühle hat erstmal nichts mit der Funktionalität zu tun, sondern bezieht sich auf das mitgelieferte Zubehör (Auffangbehälter oder Siebträgergabel). Ihr könnt sie nachbestellen. Die Brew Pro und die Mignon Filtro scheinen Ausnahmen zu sein.
  • Auch wenn etwa die Mignon Crono mit einem Timer hausieren geht, ist diese Funktion etwa auch schon bei der MCI vorhanden. Nur die Eureka Mignon Manuale trägt ihren Namen zurecht und mahlt nur on Demand.

Vom Deckel bis zu den Gummifüßen für sicheren Stand verlassen sich darüber hinaus alle Mignon-Geschwister auf dieselben entscheidenden Grundfeatures:

  1. Edelstahl-Scheibenmahlwerk mit stufenloser Mahlgradeinstellung (patentiert)
  2. Mahlscheiben komplett ausbaubar („High-Speed“ Wartung)
  3. Sehr hochwertige und langlebige Verarbeitung mit bestem Material
  4. Wenig bis kein Totraum
  5. Genaue technische Angaben für unterschiedliche Bedürfnisse

Eureka hat verstanden, dass das Mahlwerk letztendlich die Mühle macht. Die vielen Eureka-Varianten unterscheiden sich deshalb vorrangig im Motor und dem Scheibendurchmesser, die sich auf die Leistung, die Mahlgeschwindigkeit und damit auch die umsetzbare Kaffeemenge pro Einsatz auswirken:

Mignon-ModellBesondere
Features
ø Mahlscheiben
in cm
Espresso
in g/s
Bohnenbehälter
in g
Gewicht in kg
Brew ProACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
Easy Setting
55-3005,6
ClassicoACE-System500,9 – 1,53005,6
CronoACE-System
Timer
50-3005,6
DesignACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
501,0 - 1,63005,6
FiltroACE-System50-3005,6
Filtro SilentACE-System
Silent-Technologie
50-3005,6
ManualeACE-System500,9 - 1,53005,6
MCIAluminium-Bauweise500,8 - 1,22504,6
PerfettoACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
Easy Setting
501,0 - 1,63005,6
SilenzioACE-System
Silent-Technologie
501,0 - 1,63006,5
SpecialitaACE-System
Touchdisplay
551,2 - 1,83005,6
TurboNeueste Version
ACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
651,8 - 2,33007,2
ZeroACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
Dosierzubehör
551,2 - 1,8455,6
Zero BrewACE-System
Silent-Technologie
Touchdisplay
Dosierzubehör
55-455,6

Das ACE-System ist ein spezieller Aufbau, der die statische Aufladung verhindern soll und weniger Totraum für die Ansammlung von Kaffeemehl bietet.

Die Silent-Technologie umhüllt das angeblich lärmende Mahlwerk mit einer extra Schicht, die laut Herstellerangaben den Lärmpegel um rund 20 Dezibel senken soll. 

Unter „Easy Setting“ versteht Mignon eine Beschriftung am Mahlgrad-Einstellrad, die euch zeigt, ob ihr gerade bei der Körnung für Espresso, French Press, Filter oder Mokka seid.

Was heißt das alles nun für eure Mignon-Auswahl? Ich sehe das so:

  • Single-Dose-Spezialisten wie Zero und Zero Brew braucht eigentlich keiner von uns.
  • Die neue Eureka Mignon Turbo kostet zwar rund 100 Euro mehr als eine MCI, bietet mit Display und maximalen Umdrehungen pro Minute aber auch die beste Bedienung und wirklich alle derzeitigen Features.
  • Das macht Einzelupgrades wie bei der Eureka Mignon Specialita, der Eureka Mignon Silenzio oder der Eureka Mignon Perfetto zwar ein bisschen überflüssiger. Findet ihr sie jedoch im Angebot, schlagt einfach zu.
  • Andersherum tut ihr euch mit allzu klassischen Varianten wie der Classico oder Manuale eigentlich keinen Gefallen mehr. Denn das Mahlgut lässt sich heute generell einfacher in den Behälter bringen – selbst, wenn sie zum besten Preis angeboten werden.

Hier lasse ich mich gern von euch eines Besseren belehren – hinterlasst unbedingt einen Kommentar, welche Mignon-Mühle ihr zu welchem Preis gekauft habt und wie ihr damit euren Kaffee zubereitet!

Eureka Mignon MCI: Meine Lieblingsversion in der Übersicht

Mir ist schon klar, dass meine Sicht auf die Eureka Mignon MCI im Chrom-Finish verzerrt ist. Stünde zum Beispiel die Eureka Mignon Silenzio in meiner Küche, würde ich vielleicht anders über die vergleichsweise lahmarschige, kleine und funktionsbeschränkte MCI reden.

Eureka Mignon Mahlgrad einstellen

Doch was zählt, ist auch hier verbaut. Der Kaffee wird in jeder Körnung super, ich habe die Wahl zwischen manueller und zeitbasierter Dosierung. Was brauche ich mehr? 

Mir ist zum Beispiel schon früher aufgefallen, dass die MCI auch ganz ohne ACE kaum Kaffee im Maschineninneren zurückhält. Oder dass sie auch ohne Silencer für meinen Geschmack recht leise ist.

Im Nachhinein offenbart sie jedoch auch drei Macken, die bei ihren Nachfolgern besser gelöst wurden:

  • Die Auflagegabel für Siebträger könnt ihr in zwei Positionen anbringen, es passen jedoch nicht alle Bauweisen drunter. Einsteigersiebträger wie von der DeLonghi Dedica haben hier keinen Platz. 
  • Es ist unfassbar schwer, den perfekten Mahlgrad (wieder) zu finden. Da wäre eine Easy-Setting-Anzeige auf jeden Fall hilfreich.
  • Es bleibt zwar kaum Kaffee in der Maschine, dafür ist der Ausgabeschacht jedoch sehr breit und hoch angesetzt. Ihr müsst ganz schön tricksen, um eine saubere Arbeitsplatte zu behalten.

Mahlgrad einstellen: Der Wert einer Skala-Anleitung

Zum Einstellen des Mignon-Mahlwerks geht ihr grundsätzlich wie bei allen Mühlen vor: 

  • Für Espresso beginnt ihr auf der feinsten Stufe, mahlt Bohnen testweise in den Siebträger, schaut euch das fertige Getränk an und stellt dann in möglichst kleinen Stufen gröber. 
  • Für Kaffee oder French Press beginnt ihr in der Mitte und stellt nach dem Aroma-Check in ebensolchen kleinen Stufen feiner.

Wir haben schon festgehalten, dass euch die rudimentäre Beschriftung auf dem Einstellknopf keine Anhaltspunkte gibt, wo ihr euch genau befindet. Schon ein minimaler Schwenk mit dem Handgelenk macht hier zudem einen großen Unterschied.

Eureka Mignon Mahlgrad einstellen

Das ist gleichzeitig ein riesiger Vorteil für alle, die bei jeder Mahlung alle Aromastoffe aus ihrer Röstung herausarbeiten wollen. Es ist jedoch über alle Maße nervig für diejenigen unter uns, die nicht so experimentierfreudig sind.

Die meisten Tipps zu dieser Herausforderung laufen darauf hinaus, dass ihr ein Gefühl für den richtigen Handgelenk-Schwenk entwickelt, Fotos macht oder Umdrehungen zählt.

Mahlwerk & Bedienung: Ordentlich Leistung für die optimale Zubereitung

Das stufenlose Scheibenmahlwerk soll laut Betriebsanleitung mit einer Lautstärke von 73 Dezibel ans Werk gehen. Das ist weder besonders laut, noch besonders leise.

In der Praxis empfinde ich die Geräusche kaum als störend, kann mir jedoch vorstellen, dass die Silent Technology in manch neuerem Modell für viele trotzdem angenehmer ist. 

Trifft Edelstahl auf Kaffeebohnen, vor allem in einem solch kompakten Gehäuse, müsst ihr nämlich generell mit mehr Krach rechnen.

Ich würde jedoch auch einen Betrieb auf Düsenjet-Niveau hinnehmen, solange die Motorleistung, die Mahlgradeinstellung und der gesamte Mahlvorgang für homogenes Kaffeemehl bei einfacher Anwendung sorgen. Da muss ich mir hier keine Sorgen machen.

Das Kaffeemehl wird ausgesprochen homogen und ist damit vielen anderen Kaffeemühlen (sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene) um eine Nasenlänge voraus. Es landet zudem sehr schnell und ohne nennenswerten Temperaturanstieg im Siebträger.

Für die Kaffeepulver-Dosierung könnt ihr entweder auf die Timer-Funktion setzen, die den Mahlvorgang nach einer vorher programmierten Zeit abbricht. 

Eureka Mignon Einstellung Mahlgrad

Oder ihr verlasst euch auf euer Gefühl und nutzt die manuelle Variante. Dann mahlt die Eureka solange, bis ihr den Kontaktknopf am Siebträgerhalter loslasst. Für beides nutzt ihr bei der MCI die Bedienelemente an der Seite.

Timer bzw. Grind on Time-Möglichkeiten heben eine Kaffeemühle aufs nächste Leistungsniveau, verlangen jedoch klare Voreinstellungen, eine Kaffeewaage und Geduld. Das gilt auch hier. Es reicht nicht, die Mahldauer mit einer Uhr zu stoppen.

Das Problem mit der Kaffeepulver-Fontäne lässt sich nur schwer umgehen. Ihr könnt den Siebträger näher an die Ausgabe halten. Andere basteln sich Mahlgut-Trichter. Auch hier würde mich brennend interessieren, ob die neueren Mignons das besser hinbekommen.

Eureka Mignon reinigen: Leichter als jede Kaffeemaschine!

Das kompakte und durchdachte Design einer Eureka Mignon zahlt sich insbesondere bei der Reinigung aus. Ihr könnt sie bis aufs Mahlwerk auseinanderbauen und seht schnell, warum es eine besondere Antistatik-Technologie eigentlich nicht braucht – die Mühle ist selbst nach häufigem Mahlen überdurchschnittlich sauber.

Das ändert jedoch nichts daran, dass ihr sie regelmäßig reinigen müsst. Dazu nehmt ihr den Bohnenbehälter (Hopper) ab, löst drei Schrauben und kommt direkt ans Mahlwerk. Das saugt ihr am besten aus.

Wer es bei der Reinigung noch genauer nehmen will, kann noch weitere Schrauben lösen und hat dann das komplette Mahlwerk in der Hand. 

Das wird meist nur nötig, wenn ihr sehr ölige Kaffeebohnen über einen längeren Zeitraum durchgejagt habt, Ersatzteile verbauen wollt oder die Eureka für längere Zeit einlagern möchtet.

Ihr müsst euch jedoch in jedem Fall damit arrangieren, dass ihr die Mühle nach der Reinigung nochmal neu einstellen müsst. Sie arbeitet so fein, dass schon kleinste „Erschütterungen“ eure Mahlgradeinstellungen zerschießen.

Die Eureka Mignon Mühle: Gelungenes Design, gelungene Verarbeitung, angemessener Preis

In meiner ersten Review zur Eureka Mignon Mühle hatte ich noch viel am Preis zu meckern. Schließlich kostet sie mehr als eine gute Espressomaschine für ambitionierte Einsteiger – siehe zum Beispiel Solis Barista Gran Gusto.

Doch ich predige im Kaffeemühlen Test 2022 nicht umsonst, dass die Mühle genauso wichtig für den optimalen Geschmack ist wie das Mahlgut an sich. Scheiß Bohnen und tolle Mühle funktioniert genauso wenig wie tolle Bohnen und scheiß Mühle.

Ihr müsst euch nur bewusst sein, dass jede Eureka zwar theoretisch als Allrounder für Kaffee, Espresso, French Press usw. funktioniert, durch die Feinjustierung und den Einstellungsaufwand jedoch eher ein Genre-Spezialist ist.

Ich nutze sie nur für Espresso und verwende für Filterkaffee oder gröbere Körnungen derzeit die KitchenAid Artisan. Wir wissen: Je gröber der gewünschte Mahlgrad, desto günstiger kann die Mühle sein – auch wenn das bei der Artisan im Vergleich immer noch teuer ist.

Doch was ist, wenn ihr das Geld für die Eureka einfach nicht ausgeben wollt? Dann seid ihr mit Einsteigern wie der Graef CM 800 auch gut bedient – müsst aber auf jeden Fall Abstriche bei den Einstellungen, der Bedienung, der Lautstärke und der Kaffee-Ausbeute hinnehmen.

Andererseits müsst ihr euch mit der Eureka intensiver beschäftigen und auskennen, wie eure zahlreichen Kommentare bereits belegen. Macht gern weiter so und berichtet von euren Erfahrungen!

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