Kaffeebohnen & Kaffee aufbewahren: So geht’s richtig!

Ihr wisst, wie gern ich Shitstörmchen anzettele, sobald ich das Gefühl habe, ein Thema wird ein bisschen zu heiß diskutiert. Als ich diesen Ratgeber zur Kaffeelagerung 2015 zum ersten Mal verfasste, hätte ich nicht gedacht, welche Wellen er schlägt.

Ihr wisst, wie gern ich Shitstörmchen anzettele, sobald ich das Gefühl habe, ein Thema wird ein bisschen zu heiß diskutiert. Als ich diesen Ratgeber zur Kaffeelagerung 2015 zum ersten Mal verfasste, hätte ich nicht gedacht, welche Wellen er schlägt.

Vor allem mein vehementes Nein zu Kaffee im Kühlschrank oder dem Einfrieren von Kaffeebohnen hat reichlich Widerrede hervorgerufen. Ähnlich erging es meinem Beitrag zur Kaffeedose.

Mir ist es natürlich vollkommen egal, ob ihr eure Bohnen in die Tupperdose gebt und sie neben euren Käse stellt oder ob ihr sie in der Originalverpackung direkt neben die gefrorenen Erbsen verfrachtet.

Ich bleibe aber dabei, dass ihr euch und dem Kaffeearoma damit absolut keinen Gefallen tut. Denn nichts ist flüchtiger als der volle Geschmack von Kaffee. Also sollten wir dafür sorgen, dass er möglichst lange erhalten bleibt, oder?

Seitdem ich selbst Kaffeebohnen röste (bzw. vom Profi rösten lasse), bin ich in Bezug auf die richtige Bohnen-Lagerung noch ein bisschen vehementer geworden. Ich will schließlich, dass ihr meine Röstung für Kaffeevollautomaten mit allen Sinnen und vollem Aroma genießen könnt.

Darum habe ich meine Tipps erneut aktualisiert und erweitert. Außerdem will ich diesen Ratgeber zum Anlass nehmen, euch schonmal auf eine Neuerung im Coffeeness-Shop einzustimmen: Bald könnt ihr die offizielle Coffeeness-Kaffeeklammer bestellen.

Was sie für das Kaffeearoma tut und welche Möglichkeiten ihr sonst noch habt, eure Bohnen vor dem frühen Tod zu bewahren, erfahrt ihr hier – und erhascht einen ersten Blick auf die Klammer im Video! 

Tschüssi, Aroma! Warum Kaffeebohnen umsichtig gelagert werden müssen

Ich habe den begründeten Verdacht, dass sich die Diskussion um die korrekte Lagerung von Kaffeebohnen aus zwei gegensätzlichen Sichtweisen auf Kaffee an sich ergibt. Die einen sehen Kaffee als normales Lebensmittel, die anderen als empfindliches Genussmittel.

Recht haben beide, doch entstehen aus der Betrachtung von Kaffee als Lebensmittel Grundbedingungen, die zwar faktisch korrekt sind, aber zu falschen Schlüssen verleiten. Es stimmt, dass Kaffee:

  • Lange haltbar ist,
  • In einem guten Kaffeebehälter fast nicht ablaufen oder schimmeln kann,
  • In Kühlschrank oder Gefriertruhe sicher aufgehoben ist,
  • Auch gemahlen eine lange Zeit überlebt.

Das reduziert ganze geröstete Bohnen oder gemahlenen losen Kaffee allerdings auf ein Produkt, das sich nicht wesentlich von Erbsen oder Mehl unterscheidet. Frei nach dem Motto: Wenn er nicht schlecht ist, kann man ihn auch trinken.

Kann man. Doch dann sind von den bisher 800 bekannten Aromen, die Kaffeebohnen ausmachen, kaum noch welche übrig. Kaffee ist eine unfassbar komplexe Angelegenheit und viele Inhaltsstoffe, die für den Geschmack verantwortlich sind, sind hochgradig flüchtig.

Kommen sie mit Sauerstoff, Licht oder generell „der Welt“ in Kontakt, wird das Aroma zunehmend flacher. Und zwar schon kurz nach der Mahlung. Selbst wenn ihr ganze Kaffeebohnen frisch aus der Kaffeerösterei kauft, können diese Bohnen ihre Aromen nur eine endliche Zeit an der Flucht hindern.

Mit der korrekten Lagerung könnt ihr sie dabei unterstützen. Wenn ihr Kaffee wie Erbsen interpretiert, liegt jedoch das Risiko nahe, dass ihr den Geschmacksexodus sogar noch beschleunigt.

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Die Sünden der Kaffeelagerung & wie ihr sie vermeidet

Ich weiß, schon das Wort Sünde ist eine Aufforderung zum Stänkern. Aber wir sind hier schließlich auf einer Mission: 

Wir wollen den schlechten Einfluss von Sauerstoff niedermetzeln, das perfekte Material für Dose oder Verpackung finden und überlegen, wie wir mit angebrochenen Bohnen am besten verfahren und gemahlenen Kaffee richtig aufbewahren.

Frische Kaffeebohnen aus der Tuete

Haltbarkeit gleich Qualität?

Bevor wir uns dem Inhalt zuwenden, will ich erst ein wichtiges Wort zur Packung loswerden – bzw. zu einem Aufdruck, der immer wieder falsch interpretiert wird: Das Mindesthaltbarkeitsdatum hat bei Weitem nicht die Bedeutung, die wir ihm zuschreiben.

Eine gute Kaffeerösterei erkennt ihr unter anderem daran, dass sie sich ziemlich häufig das Mindesthaltbarkeitsdatum spart, dafür aber nie ohne Röstdatum auf der Verpackung unters Volk geht.

Denn dieses Datum ist im Grunde alles, was zählt. Zumindest fürs Aroma. Der Industriestandard MHD hat null Aussagekraft, da der Kaffee (als „Lebensmittel“) meist sogar noch länger hält. Der Aromen-Tod beginnt jedoch weit früher.

Etwa einen Monat nach Röstdatum hat Espresso seine maximale Aromenvielfalt und damit Genussreife erreicht, Filterkaffee könnt ihr je nach Röstung oft sogar schon am Tag nach der Herstellung trinken.

Die beste Qualität erhaltet ihr also, wenn ihr eure Bohnen im sinnvollen Abstand zum Röstdatum verbraucht und das MHD einfach nie wieder anschaut. Wenn eure Bohnen immer frisch geröstet und in genau den richtigen Abständen bei euch zu Hause eintrudeln sollen, denkt doch mal über ein Kaffee-Abo nach.

Roestdatum Kaffeebohnen aus den Niederlanden

Sollte das Röstdatum doch mal fehlen, könnt ihr vom MHD zurückrechnen. Dann solltet ihr allerdings bei der Kaffeerösterei nachfragen, welchen Zeithorizont sie ansetzt. Das ist nämlich höchst unterschiedlich.

Raus aus der Packung, rein in die Kaffeedose?

Kaffee- und Espressobohnen sollen luft- und lichtgeschützt gelagert werden – wenigstens darüber herrscht Einigkeit. 

Eine licht- und luftdicht verschließbare Kaffeedose aus Holz, Metall oder Tupperware-Plastik liegt als Behälter also wesentlich näher als eine halbarschig verschlossene Originalpackung.

Die Suenden Der Kaffeelagerung

Das ist auch vollkommen korrekt, allerdings solltet ihr nicht den Fehler machen und die Bohnen umschütten. 

Beim Schütten kommt Sauerstoff an die Bohnen, der sein zerstörerisches Werk auch dann fortsetzt, wenn die Dose längst gut verschlossen auf ihrem Platz steht. Besser ist es, wenn ihr die Kaffeebohnen samt Packung in die Kaffeedose gebt.

Oder ihr spart euch die Kaffeedose gleich ganz, nehmt eine Kaffeeklammer (*tadaaaa*) und verbraucht die Bohnen möglichst schnell.

Beeinflusst das Material der Kaffeedose den Geschmack?

Aus Materialsicht gehe ich bei der Kaffeedose genauso wie bei meinem Handfilter an die Auswahl: Porzellan und Metall sind eine gute Idee, Glas und Kunststoff eher weniger. 

Glas ist selbst getönt nicht zur Lagerung geeignet, auch wenn es sehr geschmacksneutral und vollkommen glatt ist. Keramik oder Porzellan haben dahingehend exzellente Eigenschaften, Metall ebenso.

Mann haelt Glas mit Kaffeebohnen in der Hand

Plastik ist für Behälter zwar praktisch, sieht aber erstens als Dose ziemlich billig aus und neigt zweitens dazu, im Laufe seines Produktlebens aufzurauen und Partikel an den Inhalt abzugeben.

Ein Knackpunkt ist sowieso der Deckel, der in jedem Fall mit Gummistopfen und/oder Metallschnappschließe arbeiten sollte, um den Sauerstoff wirklich auszusperren.

Klar kann so manche Aufbewahrungsbox aus Plastik ein besonders gutes „Vakuum“ erzeugen, schließt also aromadicht ab und macht den Geschmack so länger haltbar.

Deshalb solltet ihr auch selbst entscheiden, welches Material eure Kaffeedose haben soll. Vor- und Nachteile haben alle. Ich bin kein Fan von Plastik, werde auch niemals zu einem werden und versuche sowieso, meinen Kaffee so zu kaufen und zu verbrauchen, dass der Aufenthalt in der Vorratsdose möglichst kurz ist.

Kaffee in Kühlschrank, Kaffee einfrieren? N.E.I.N!

Kommen wir zum Kern der Zankerei um die Lagerung von Kaffeebohnen: dem Glauben daran, dass Kaffee in Kühlschrank oder Gefriertruhe besonders lange frisch bleibt. Das stimmt. Allerdings nur, wenn ihr mit „frisch“ eine Temperatur meint.

Für alles andere, was bei Kaffee wichtig ist, sind alle dahingehenden Tipps kompletter Quark. Kühlschrank und Froster haben nämlich nicht nur eine Temperatur, die Schimmel und Fäule verzögert. Sie haben auch reichlich Feuchtigkeit und die Gerüche anderer Lebensmittel im Angebot.

Kaffee und Kaffeepulver saugen all das auf wie ein Schwamm. So wasser- und luftdicht kann keine Kaffeedose sein, dass sich nicht doch der Geschmack von Tilsiter oder ein bisschen Kühlschrankwasser in die Verpackung schleichen würde. Ob sie nun aus Edelstahl, Alu oder sonstwas ist.

Die kalten Temperaturen haben zudem keinen Einfluss auf die Bestandteile, die das besondere Aroma ausmachen! Flüchtig ist flüchtig, ob nun bei 15 oder 7 Grad Celsius. Oder herrscht in eurem Kühlschrank ein Vakuum?

Natürlich verzögert Kälte Zersetzungsprozesse. Aber die Feuchtigkeit in der weißen Ware startet eine vorzeitige Extraktion, die eurem Kaffee den Geschmack entzieht. Ihr bekämpft also Pest mit Cholera, Schimmel mit Salami-Aroma.

Zudem kommen wir am Ende wieder beim Unterschied zwischen Lebens- und Genussmittel raus: Laut MHD hält Kaffee in einer trockenen Umgebung mindestens zwei Jahre durch. Ohne Kühlschrank und alles. 

Selbst Eier müssen erst nach einer gewissen Zeit in die Kälte, um nicht schlecht zu werden. Wieso soll das Kaffeepulver also im Kühler innerhalb einer typischen Verbrauchszeit länger oder „besser“ halten?

Ganze Bohne, ganzer Geschmack?

Ihr kennt die Maxime: 

Kaffee erst direkt vor der Zubereitung mahlen, dann klappts auch mit der Qualität und dem Aroma!

Das hat einen simplen Grund. Gemahlener Kaffee hat eine wesentlich größere Oberfläche als die gleiche Menge ganzer Bohnen. Größere Oberfläche bedeutet größere Angriffsfläche und damit Massenflucht von Qualität und Aroma.

Kaffeebohnen fuer Filterkaffee in Handkaffeemuehle mahlen

Ihr solltet also langfristig darüber nachdenken, eine Kaffeemühle zu kaufen, falls ihr keine Fans eines Kaffeevollautomaten seid. Ist euch diese Investition zu hoch, könnt ihr nach Verbrauch bei eurer Kaffeerösterei vorbeischauen, und euch frische Kaffeebohnen direkt vor Ort mahlen lassen.

Dann aber husch, husch in die Filterkaffeemaschine oder die French Press damit – und bis zur Zubereitung nicht aus der Kaffeeverpackung nehmen! Unter Umständen Klammer drauf (*hust*).

Kaffee & Espresso richtig lagern: Worüber streiten wir eigentlich?

Ich hab nix gegen ein bisschen Zank. Ich frage mich nur, warum sich die Streitparteien ausgerechnet an Tipps zum Aromenschutz aufhängen. Es ist ja nicht so, dass hier die Fraktionen „Kapseln“ und „Instant-Kaffee“ gebasht werden.

Frischer Kaffee in Tasse

Im Gegenteil: Wer sich mit der Lagerung seines Kaffees auseinandersetzt, hat offensichtlich Interesse daran, das Naturprodukt Kaffee in bestmöglicher Qualität zu erleben. Es ist schließlich teuer genug. Zumindest, wenn die Kaffeerösterei etwas taugt.

Lassen wir also den Streit, sparen uns Fragen wie „Wie lange kann man Kaffeebohnen lagern“, kaufen sie frisch, lagern sie luftdicht und trinken sie möglichst bald als Lieblingskaffeevariante aus. 

Seht es mal so: Dann habt ihr schneller Gelegenheit, euren nächsten Bohnenfavoriten zu kosten!

Lasst uns in den Kommentaren weiter diskutieren!

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