Der Goldene Blogger 2017 | Von Qualle im Sand besiegt

Veröffentlichungsdat um: 4. Februar 2018 von 2

Preisverleihungen zu organisieren ist ein echter Pain. Wer damit Erfahrung hat, fühlt den Schmerz förmlich. Am nächsten Tag sind die Batterien richtig leer.

Deswegen vielen Dank an die Organisatoren, die diesen Stress auf sich nehmen, um das Bloggen in den Mittelpunkt zu schieben.

Coffeeness war als bester Food & Wein-Blog nominiert – wie geil ist das bitte!

Die Veranstaltung schaffte es sogar in einen leicht verdaulichen (dazu später mehr) Beitrag in den Tagesthemen. Auf dem Ehrenplatz direkt vor dem Wetter.

Zum Bloggen

Als ich 2008 anfing an Coffeeness zu arbeiten, waren Blogger in Deutschland noch Mangelware.

Kurz nachdem ich anfing vollzeit an Coffeeness zu arbeiten, stellte die Frau eines guten Freundes mich ihren Bekannten mit: „Das ist Arne, er ist Blogger“ vor. Das war für mich ein nachhaltiges Erlebnis. Jetzt war ich Blogger.

Arne Coffeeness

Was Blogs schon damals für mich persönlich auszeichneten, ist das Aussparen des Journalisten. Kein Filter, sondern ein Mensch, eine Meinung oder eine Expertise aus erster Hand. Und seit 2008 haben in meiner Wahrnehmung die Massenmedien eine größere Transformation durchlaufen als Blogs.

Blogger bringen immer noch Menschen, eine Meinungen und Expertisen ein. Für TV und andere Massenmedien geht es mehr um den Krieg um Aufmerksamkeit, Clickbait und vor allem (und was mich am meisten stört) um Verdaulichkeit.

Verdaulichkeit?

Gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheint mir das Motto zu sein, wir zeigen euch nur, was ihr erwartet, kennt und abnicken könnt.

Bloß keine Dissonanzen erzeugen. Ein Zuschauer könnte vielleicht ausschalten. Beim Thema Kaffee ist immer schön zu sehen, dass zwar Barista und Experten im TV auftreten dürfen, diese aber zumeist bei „Kaffee-Tests“ mit den bekannten Marken von Kaffeebohnen arbeiten sollen und da sind „die teuren aus dem Supermarkt“ halt auch die Guten.

Alles andere wäre eine Dissonanz. Das geht nicht.

Die Goldenen Blogger 2017

Zunächst würde ich festhalten, dass viele der Nominierten recht wenig mit Bloggern zu tun haben. Aber das ist Definitionssache. Ich finde schön, dass der Bereich der Influencer großzügig integriert wurde.

Nur wenn man Twitter-Accounts bepreist, dürfte auch YouTube nicht fehlen.

Das ist übrigens genau die Crux daran Preisverleihungen zu organisieren, jeder weiß alles besser und hat andere Vorstellungen.

Team Coffeeness

Kleiner Exkurs zu Influencern

Weil gerade in den sogenannten „sozialen“ Medien viel nach diesen getreten wird – möchte ich auch etwas dazu sagen.

Der Tenor:

  • Die machen was anderes.
  • Die bekommen was umsonst.
  • Die sind wahrscheinlich sogar gierig.
  • Die haben keinen richtigen Job (wie ich).

Das ist schöner Hass, der durch die angesprochenen Dissonanzen zur eigenen Lebensführung hervorgerufen wird.

Es gibt Leute, die glauben: Arbeit ist nur echt, wenn ich sie hasse. Und überhaupt, was gibt es Schlimmeres als einen jungen Menschen, der sich eine eigene Marke aufbaut.

Dieses Mindset wabert in Kommentaren auf allen Plattformen.

Zu dieser Debatte habe ich eine lesenswerte Kolumne von Frank Schmiechen in gruenderszene.de gefunden. Die Facebook Kommentare dazu müssten allerdings in einer üblen Glosse verarbeitet werden.

Neidkultur Deluxe.

Deswegen ist es gut, dass auch diese Gruppe Anerkennung bei der Verleihung findet. Ich persönlich fände weniger Promi und mehr Tiefe bei der Auswahl schön.

War eigentlich ein einziger der Nominierten Promis vor Ort? Ich konnte leider auch nicht, weil ich gerade in Neuseeland Kaffee trinke.

Team Coffeeness

Da ich gerade unterwegs bin, musste ich mich vertreten lassen. Aber es gab guten Wein, also fanden sich schnell meine „drei Engel für Arne“. Mit dem Namen habe ich nichts zu tun. Fühle mich aber geehrt.

Wir hatten richtige Buttons. Übrigens die größten Buttons der Veranstaltung. Und ein tolles “Wer KapselKaffee trinkthat die Kontrolle über sein Leben verloren”-Schild gab’s auch. Wir hatten gesagt: Sollten die Tagesthemen kommen, nutzen sie das Motto sicher. Wir haben uns verrechnet.

Scheiß Qualle im Sand.

Das beste Team der Welt

Die Preisvergabe

Es gab drei verschiedene Modi. Aus den jeweils 3 Nominierten wurde entweder per Online-Abstimmung, Klatsch-Lautstärke des Publikums oder einem Entscheid der Jury (Veranstalter) gewählt. Wie es bei welcher Kategorie läuft wurde vorab nicht verraten.

Dröseln wir das von hinten auf:

  • Jury-Entscheid: das ist stressfrei, weil schon entschieden. Finde ich theoretisch besonders gut für komplexere Kategorien wo Informationsdichte und Recherche-Tiefe mit einfließt.
  • Klatsch-Lautstärke des Publikums: Stark abhängig von der Anmoderation. Eigentlich einfach, der Nominierte, der den lautesten Mob dabei hat, gewinnt.
  • Online-Abstimmung: Hier fanden wir uns wieder. Klar, wer kurzfristig am stärksten mobilisieren kann, gewinnt.

In der Kategorie „Bester Food und Wein Blog“ war Worstofchefkoch mit nominiert. Die haben eine sehr lebendige und frische Facebook-Gefolgschaft.  Als ich gesehen habe, dass die Jungs auch nominiert sind, habe ich mir zwei Sachen gedacht:

1. Wie geil ist das denn.

2. Scheiße, bei einer Online-Abstimmung gehen wir zugrunde.

So ist es dann auch gekommen. Ich habe immer noch Albträume von dem „128.261 Personen haben das abonniert“. Ich kannte Worstofchefkoch eher als Facebook-Trash-Seite (für die ich ein Faible habe). Aber ich habe sie in der Kategorie Food-Blog nicht in meinen kühnsten Träumen gesehen. Ich hätte sie an einem Battle mit „Hunde raus aus Deutschland“ und „Sitzmuster des Todes“ erwartet – dann natürlich auch als Sieger!

Nicht gewonnen

Meine Notiz für diesen Artikel war: „nicht wie der beleidigte Zweite zetern“, langsam wird es knapp.

Die Online-Abstimmung erscheint mir die perfekte Methode zu sein, um die Influence von Influencern zu messen.

Distanzierung zu unserer Anmoderation

Achtung, das ist mit einem zwinkernden Auge geschrieben:

Wir wurden als Webseite für „Mitte-Hipster“ vorgestellt. Das hat Irritationen ausgelöst. Das entspricht weder unserem Selbstverständnis, noch der Struktur unserer Leserschaft.

Aber ich wurde auch schon als „Uniformierter Hipster“ bezeichnet. Guter Kaffee und irgendwas mit Internet ist einfach immer schnell „Mitte-Hipster“.

Meine #dreiengelfürarne sind gelandet! #daumendrücken für die #goldeneblogger

Ein Beitrag geteilt von Arne Preuß (@coffeeness_) am

Als ich mir überlegte, für wen die Coffeeness-Inhalte sein sollten, war klar, für alle, die Interesse am Thema Kaffee haben. Ich wollte immer Texte, die Spaß beim Lesen machen – nicht zu wissenschaftlich oder nerdig.

Das alles jedoch mit dem Anspruch gute Quellen und Recherchetiefe zu liefern. Hipster-Seiten sind für mich Luftballons, gut anzusehen aber auch schnell wieder platt.

Glückwünsche und Grüße

Die Mädels, die bei der Veranstaltung waren, hatten viel Spaß und haben es sehr genossen die Coffeeness-Botschaft ins Land zu tragen. Danke dafür!

Kein Preis

Beste Grüße und herzlichste Glückwünsche an alle Gewinnerinnen und Gewinner. Den Veranstaltern wünsche ich viel Ruhe, um die Batterien wieder für das nächste Jahr aufzuladen!

Der Goldene Blogger 2036 ist dann die erste Meldung in den Tagesthemen.

2 Kommentare
  • Franziska
    5 Februar, 2018

    Ich habe allerdings auch noch nicht viele Hipster kennengelernt, die über genug Selbstreflexion verfügten, um sich selbst als Hipster zu sehen. 😀

    Ansonsten: Zweiter ist besser als Dritter. Glückwunsch.

    Allerdings: Dafür, dass der Text lektoriert wurde, haben sich doch einige Fehler eingeschlichen. Oder war es nur ein stilistisches\inhaltliches Lektorat?

  • Hans-Jürgen Preuß
    5 Februar, 2018

    Arne, dein Bericht ist hervorragend!
    Wir haben die ganze Preisverleihung von „A bis Z“ verfolgt, um unsere Stimme für
    Coffeeness abgeben zu können.
    Das taten wir dann auch. Gleich nach Freigabe des Zeitfensters.
    Wir staunten nicht schlecht, als unmittelbar nach unserer doch frühen Stimmabgabe (fast schon parallel dazu) das Balkendiagramm gezeigt wurde (soweit o.k.), an dem sich aber über die ganze noch offene “ Votingtime“ nichts, aber auch“ gar nichts“ mehr änderte.

    Waltraut und Hans-Jürgen

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