Kaffeeweißer – in 100 Jahren noch genau so scheußlich

Wenn ich ein Ranking der scheußlichsten Dinge erstellen müsste, die Menschen mit Kaffee veranstalten, wäre Instantkaffee ein heißer Anwärter auf den ersten Platz. Wer den noch überbieten will, kann mit pulverförmigem Kaffeeweißer einen Instant-Milchkaffee daraus machen.

Instant-Milch ist schon in der Grundidee merkwürdig, da handelsübliche Milch von sich aus “instant”, also gebrauchsfertig ist. In der praktischen Umsetzung dieser Idee macht die Industrie dann aber alles noch schlimmer. Denn Kaffeeweißer hat wenig bis gar nichts mit Milch zu tun.

Stattdessen rührt ihr euch einen süßlich-klebrigen und ungesunden Mix aus Zucker, Fett und E-Nummern in das kaffeeähnliche Aufgussgetränk und erhaltet einen wahren Latte Frankenstein.

Lasst das um Himmels Willen sein und macht einen großen Bogen um das Zeug.

Aber weil es ja nun auf dem Markt ist, gehört es zu meinen Aufgaben als Kaffeeblogger, darüber zu informieren. Und zu meiner Pflicht als Menschenfreund, davor zu warnen.

Zur Einstimmung hier ein Clip aus der Serie “Mythbusters”. Darin seht ihr eindrucksvoll, wie eine Wolke aus Kaffeeweißer-Pulver in Flammen aufgeht.

Passend dazu wird Kaffeeweißer laut Wikipedia “als günstiger Ersatz für Bärlappsporen zur Erzeugung pyrotechnischer Effekte verwendet”.

Guten Appetit.

(Ehrlich gesagt liegt die hohe Brennbarkeit eigentlich an der feinen Pulverform und sagt nicht viel über die Qualität des Produkts aus. Ich finde das Video trotzdem super.)

Was ist Kaffeeweißer?

Viele verwechseln Kaffeeweißer mit Milchpulver. Das liegt ja auch nahe. Aber was Supermärkte und viele Münz-Kaffeeautomaten als Kaffeeweißer anbieten, besteht meist nur zum Teil oder gar nicht aus getrockneten Milch-Extrakten.

Milchpulver ist getrocknete Milch, die durch Verdampfung der Flüssigkeit entsteht. Die Industrie verwendet sie, um Milchprodukte herzustellen, und für Verbraucher gibt es sie als Backzutat zu kaufen. Der Vorteil von Milchpulver ist, dass es lange haltbar ist. Allerdings hat es weniger Vitamine und Aroma als richtige Milch.

Kaffeeweißer besteht dagegen hauptsächlich aus Zucker, Pflanzenfett und Zusätzen.

Zutaten

Hier ist zum Beispiel die Zutatenliste zum Kaffeeweißer von Aldi Nord: Glucosesirup, pflanzliches Öl, Stabilisatoren E340 und E452, Milcheiweiß, Emulgator E471, Trennmittel E551, Farbstoff Beta-Carotin. Die Reihenfolge, in der die einzelnen Zutaten auf der Packung stehen, richtet sich bei Lebensmitteln immer nach den Mengen.

  • Glukosesirup ist Zucker.

Pflanzliches Öl ist als Angabe ziemlich vage. Pflanzenöle in Fertiglebensmitteln enthalten oft sogenannte trans-Fettsäuren, die bei der industriellen Verarbeitung entstehen. Sie sind erwiesenermaßen ungesund, vor allem für Herz und Kreislauf. In den USA und Kanada müssen Hersteller trans-Fettsäuren auf Lebensmittelpackungen angeben, in Deutschland leider nicht. Mehr Info: Deutsche Gesellschaft für Ernährung und Verbraucherzentrale.

Diese Zutat bekommt also ein dickes Fragezeichen. Im besten Fall ist es einfach Fett.

E340 und E452 stehen für Kaliumphosphate bzw. Polyphosphate, beides Abkömmlinge der Phosphorsäure. Sie haben Einfluss auf den Phosphor-Calcium-Haushalt des Körpers. Für beide Stoffe gilt ein empfohlener Höchstwert für die tägliche Aufnahme von 70 Milligramm.

Zum Thema Phosphat und Calcium siehe auch: Calciummangel durch Kaffee?

Milcheiweiß sollte nur für Allergiker ein Problem sein. Allerdings macht es den Kaffeeweißer ungeeignet für Veganer.

E471 steht für Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren. Diese sind wohl unbedenklich, es gibt keine empfohlene tägliche Höchstmenge. Es kann aber sein, dass der Stoff aus gentechnisch veränderten Pflanzen stammt, z.B. Soja.

E551 ist Siliciumdioxid. An sich ist das ein harmloses, natürlich vorkommendes Mineral. Kritiker der Einstufung als unbedenklich weisen aber darauf hin, dass besonders kleine Partikel eines Stoffs durchaus gefährlich sein können, auch wenn der Stoff es an sich nicht ist.

Über diese Diskussion seid ihr vielleicht unter dem Stichwort Nanotechnik schon mal gestolpert. Siehe dazu Schrot & Korn, BUND.

Beta-Carotin ist ein natürlicher und gesunder Bestandteil von Obst und Gemüse. In Überdosierung kann es allerdings schädlich sein. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt daher, “Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln nur mit großer Vorsicht einzusetzen”.

Diese Zusammensetzung ist mehr oder weniger Standard für Kaffeeweißer auf dem deutschen Markt. Bei “gut & günstig” von Edeka, “ja!” von Rewe oder Krüger ist sie fast identisch.

Pro und Kontra

Ohne in Alarmismus verfallen zu wollen, ist der zweifelhafte “Genuss” von Kaffeeweißer aus gesundheitlicher Sicht mit vielen Fragezeichen zu versehen. Als Faustregel gilt sowieso, dass Lebensmittel umso weniger nahrhaft und gesund sind, je mehr Verarbeitungsschritte zwischen dem pflanzlichen oder tierischen Ursprung und dem Endprodukt liegen.

Ist Kaffeeweißer das Risiko wert, seiner Gesundheit damit einen Bärendienst zu erweisen? Welche Argumente sprechen dafür? Hier die häufigsten und meine Antworten.

Milch macht den Kaffee nicht so schön sahnig wie Kaffeeweißer. Dann nimm doch Sahne!?

Kaffeeweißer verändert den Geschmack des Kaffees nicht so stark wie Milch oder Sahne. Das halte ich für ein Gerücht. Wer unverfälschten Kaffee will, trinkt ihn pur. Am besten gute Kaffeebohnen kaufen. Damit erledigt sich dann auch das Bedürfnis, mit Zucker-Fett-Pulver den schlechten Geschmack zu übertünchen.

Kaffeeweißer verdünnt den Kaffee nicht. Das habe ich wirklich mehrmals gelesen und verstehe es ehrlich gesagt nicht ganz. Wenn pur trinken für euch keine Option ist, warum soll es dann ein Problem sein, den Kaffee zu verdünnen?

Kaffeeweißer ist lange haltbar. Das stimmt. Aber geht ihr so selten einkaufen, dass ihr einen ewig haltbaren Milchersatz braucht? Einmal wöchentlich reicht völlig, um ohne Aufwand immer Milch oder Sahne im Haus zu haben.

Kaffeeweißer ist billig. Auch das stimmt. Für ein Lebensmittel erschreckend billig. Bei Aldi kosten 250 Gramm um die 70 Cent. Aber wie viel kostet ein Schuss Milch oder Sahne? Das dürfte für die Wenigsten ins Gewicht fallen. Kaffee ist ein Getränk zum Genießen. Auch wer knapp bei Kasse ist, hat mehr davon, wenig guten Kaffee zu trinken als viel schlechten.

Ist es der Zucker?

Ich habe den Verdacht, dass viele den Kaffeeweißer vor allem wegen des Zuckers mögen. Wir Menschen sind von Natur aus so gestrickt, dass es uns zu Süßem hinzieht. Bittere, saure und herbe Geschmäcker sind eher etwas, das wir uns später aneignen.

Das ist beim Kaffee ähnlich wie bei Bier oder Wein. Kaum jemand findet den ersten Schluck wirklich lecker. Wenn man sich darauf einlässt, ist der Geschmack viel interessanter als der von Zucker.

Ich empfehle deshalb, einem Kaffee mit weniger oder am besten gar keinem Zucker eine Chance zu geben. Kaffee hat ohne Zucker mehr zu bieten. Vielleicht findet ihr dadurch auch heraus, dass ihr bisher immer schlechten Kaffee getrunken habt, der pur wirklich ungenießbar ist. Dann ist logischerweise nicht Zucker die Lösung, sondern besserer Kaffee.

Es gibt etliche andere Speisen und Getränke, in denen Zucker besser aufgehoben ist.

Ist Kaffeeweißer vegan?

Wie ihr seht, ist schon der Aldi-Kaffeeweißer überwiegend pflanzlich, nur eben nicht zu 100 Prozent. Daher gilt für veganen Kaffeeweißer im Wesentlichen das gleiche. Die Zusammensetzung ist sehr ähnlich, wie ihr hier bei dem Produkt Whity seht.

Veganern würde ich empfehlen, gutem schwarzen Kaffee eine Chance zu geben. Wenn das nicht in Frage kommt, gibt es einige tolle pflanzliche Milch-Alternativen zur Auswahl, von Soja- über Hanf- und Hafer- bis zu Mandelmilch. Die sind alle besser und gesünder als Kaffeeweißer.

Fazit: Kaffeeweißer, nein danke

Kaffeeweißer ist extrem lange haltbar und extrem billig. Diese Vorteile kann ich nicht bestreiten. Aber das erste Kriterium sollte doch sein, was man da eigentlich zu sich nimmt. Haltbarkeit und Preis sind demgegenüber zweitrangig.

Was soll ich mit einem Produkt, das nie schlecht wird, aber von vornherein ungenießbar ist?

Es gibt viele gute und gesündere Alternativen. Schwarzer Kaffee, Milch, Sahne oder eines der genannten veganen Milchersatz-Produkte. Aus Sojamilch könnt ihr sogar problemlos Milchschaum herstellen.

Wenn ihr am Kaffeeweißer die sahnige (eigentlich fettige) Konsistenz mögt, probiert doch lieber mal einen Bulletproof Coffee. Der hat auf jeden Fall seinen Reiz und ist ordentlich sahnig-fettig. Gleichzeitig kommt er aber mit natürlichen Zutaten aus und ihr wisst genau, was drin ist.

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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