Milchkaffee – der unterschätze Klassiker

Erst mal einen Milchkaffee.

Für den einen ist er nichts weiter als warme Milch mit leichtem Kaffeearoma im Abgang, für den anderen ist er das trinkbare Äquivalent französischen Lebensgefühls. Die Rede ist vom Café au Lait. Oder eben Milchkaffee. Im Ernst: In Italien trinken Kinder mit dem Latte Macchiato stärkeren Kaffee, als es der zum Modegetränk avancierte Frühstückskaffee aus dem Land des Savoir Vivres ist – aber bei Kaffeegenuss geht es ja nicht immer nur um Koffein, richtig? Mal sehen, also, was der Kaffee mit Milch so kann.

Missverständnisse zum Milchkaffee

Räumen wir zunächst einmal mit den Missverständnissen und Fehlinformationen rund um den Milchkaffee auf. Das Wichtigste in Kürze vorab:

  • Nicht jeder Kaffee mit Milch ist Milchkaffee.
  • Ist Milchkaffee Café au Lait, Caffé Latte, Wiener Melange, Schale oder Latte Macchiato?
  • Ist er eine Kalorienbombe?

Milchkaffee vs. Kaffee mit Milch

Ja, ein Café au Lait heißt übersetzt eigentlich Kaffee mit Milch und nicht Milchkaffee. Wenn man es ganz genau nimmt, bedeutet Café au Lait „Kaffee nach Art der Milch“ – und das beschreibt den Charakter eines Milchkaffees eigentlich auch viel besser. Denn einen Kaffee mit Milch trinkt ihr ja bereits, wenn ihr 2 ml Milch in euren Kaffee schüttet. Hier ist der Hauptbestandteil immer noch der Kaffee. Wenn man aber „Kaffee nach Art der Milch“ trinkt, steht die Milch bzw. der Milchanteil ganz klar im Vordergrund.

Bei einem Milchkaffee beträgt der Milchgehalt einen Anteil von 30% bis 80% – je nach Herkunftsland der Milchkaffeevariation und dem persönlichen Geschmack. Außerdem wird die Milch bei einem Milchkaffee erstens erwärmt und zweitens oft aufgeschlagen. Das sorgt für die Softness und die „Schaumkrone“ auf dem Kaffee. Das sind also zunächst die wichtigsten Charakteristika eines Milchkaffee.

Milchkaffee: Ein Konzept mit vielen Rezepten

Den Ursprung des Milchkaffees zu verorten ist nicht ganz einfach. Er kommt aus dem südlicheren Raum Europas, das ist klar, aber die unterschiedlichen Länder haben ihn jeweils unterschiedlich interpretiert. Die bekannteste und verbreitetste Version ist bei uns aber wohl der französische Café au Lait. Die Variationen aus Italien, Spanien, Österreich und Portugal sind – sofern sie in Deutschland überhaupt angeboten werden – meist noch nicht eingedeutscht, sondern haben ihre originalen Namen behalten.

Café au Lait: Das französische Original, wenn man es so will. Eine 50:50-Mischung aus Filterkaffee und Milch oder Milchschaum. In Frankreich ist der Milchkaffee ein klassischer Frühstückskaffee, der traditionell aus einer Schale, einer bol, getrunken wird. Einer großen Tasse ohne Henkel.

Caffè Latte: Das Pendant aus Italien auf Basis eines normalen oder eines doppelten Espresso, der mit Milch aufgegossen wird. Das Mischverhältnis variiert dabei und je nach Jahreszeit trinken Italiener ihren Milchkaffee mit warmer oder kalter Milch – im Sommer schon mal sogar mit Cold Brew Coffee. Immer aber ohne Milchschaum.

Latte Macchiato: Eine andere Milchkaffeekreation aus dem Land des Kaffees. Im Unterschied zum Caffé Latte ist die „fleckige Milch“ in Italien ein Kinderkaffee, weil wenig Espresso in sehr viel Milch (60%) und Sahne (40%) aufgeht. Der bekannte Schichtenlook des Latte Macchiato ist übrigens keine italienische Erfindung, sondern entstammt amerikanischen Kaffeeketten. Effektehascherei eigentlich. Traditionell wird der Espresso ganz schnöde in die Milch eingerührt.

Café con Leche: Schon mal gehört? Also, außer im Spanienurlaub? Der Café con Leche ist die spanische Version des Milchkaffees und ist übersetzt eigentlich Kaffee mit Milch. Was ja genau genommen, etwas andere ist, als Milchkaffee. Bei uns zumindest. Ähnlich wie in Italien bereiten auch die Spanier ihren Milchkaffee mit Espresso zu. Die Milch wird durch Milchschaum ergänzt, was dem spanischen Kaffeegetränk die französische Komponente verleiht.

Galão: Ein Milchkaffee aus Portugal, der ähnlich seinem italienischen Schwippschwager Caffé Latte, aus einem Espresso besteht, der mit heißer Milch gestreckt wird. Serviert wird er dagegen wie ein Latte Macchiato meistens im Glas.

Meia de Leite: Das ist der Name der portugiesischen Interpretation des Café au Laits. Das Mischverhältnis zwischen Milch und Kaffee ist ebenfalls 50:50. Aber die Portugiesen mögen’s dann doch latent stärker, als die Franzosen und benutzen statt Filterkaffee Espresso Lungo für ihre Milchkaffeevariation.

Wiener Melange: Melange ist zwar auch französisch (mélanger = mischen), aber aus irgendeinem Grund, hielten es die Österreicher für angebracht, den Café au Lait umzutaufen. Klingt halt vielleicht weicher und geschmeidiger und passt damit zum Kaffee und zum Wiener Dialekt. Ansonsten gibt’s keinen Unterschied.

Schale: Die Schale sei nur nebenbei erwähnt, sie ist nämlich auch nur ein Café au Lait. Aber die Schweizer haben dem Milchkaffee den Namen des Trinkgefäßes verpasst, in dem er serviert wird: Bol, bzw. eben Schale. Ist vielleicht für den nächsten Urlaub ganz nett zu wissen.

Ihr seht, Milchkaffee ist nicht gleich Kaffee mit Milch. Auch wenn die Hauptkomponenten weitgehend die gleichen sind und nur in wenigen Variationen noch Sahne beigemischt wird.

Und noch etwas ist allen Milchkaffees gleich: In ihren Ursprungsländern werden sie in der Regel zum Frühstück getrunken. Und zwar nur zum Frühstück.

Macht Milchkaffee dick?

Die gute Nachricht: Kaffee hat keine Kalorien. Die schlechte: Milch schon. Und dann kommt es natürlich darauf an, welche Milch ihr benutzt. Je höher der Fettgehalt, desto mehr Kalorien. Für einen richtig guten Kaffee mit geschäumter Milch, braucht es allerdings fette Milch. Warum? Weil, je fetter die Milch ist, desto mehr Proteine enthält sie und der Eiweißgehalt wiederum sorgt für die Bläschen im Schaum. Das Fett selbst macht den Schaum cremiger. Aber auch flüchtiger.

Einen stehenden, festen Schaum braucht’s für den Milchkaffee allerdings auch nicht. Am besten gelingt der fluffig feine Milchschaum für den typischen Café au Lait übrigens, wenn man sie vorsichtig auf 50° bis 60° Celsius erwärmt. Wenn ihr fettarme Milch benutzen wollt: Diese schäumt bei kalten Temperaturen besser, als fetthaltige. Das ist vielleicht als Faustregel ganz gut zu merken. Milch mit höherem Fettgehalt zum schön Schäumen erwärmen, Milch mit niedrigem Fettanteil lässt sich gekühlt besser aufschlagen.

Kommen wir aber zurück zu den Kalorien eines Milchkaffees. Gehen wir von einem klassischen Milchkaffee aus, so kommen wir bei einer 200-ml-Tasse oder -Schale auf circa 60 bis 70 kcal. Zum Vergleich, ein schwarzer, ungesüßter Kaffee kommt auf grade mal 4 kcal bei gleicher Menge. Mit fettarmer Milch reduziert sich der Kaloriengehalt eines Milchkaffees um etwa die Hälfte, aber ich würde auch bei 70 kcal jetzt nicht von einer Kalorienbombe oder einem Dickmacher sprechen.

Wie immer gilt halt, dass die Dosis das Gift macht. Wenn ihr gerade eine strenge Diät macht, solltet ihr vielleicht darauf verzichten. Aber im Allgemein werdet ihr von ein, zwei Milchkaffees am Tag sicher nicht zu Schwergewichten. Wenn ihr ihn dazu noch ohne Zucker trinkt, spart das auch wieder Kalorien. Und als Frühstückskaffee habt ihr den Tag über ohnehin noch genügend Action und Bewegung vor Euch. Die paar Kaloriechen sind da gleich wieder verbraucht. Oder kennt ihr einen dicken Franzosen?

Ideen für den Milchkaffee

Was ich am Milchkaffee so mag, ist, dass er so variabel ist, dass man ihn im Sommer als kühle Erfrischung genauso gut zubereiten und trinken kann, wie man ihn im Winter zum Aufwärmen genießen kann. Im Grunde sind weder euren Geschmacksknospen noch eurer Fantasie beim Kreieren eigener Milchkaffeevarianten Grenzen gesetzt. Ein paar Basistipps möchte ich euch trotzdem mit auf den Weg geben. Wie ihr schwarzen Kaffee kochen könnt habe ich euch schon vor ein paar Wochen verraten.

Milchkaffee im Sommer

Als Dessert oder Abkühlung in den Sommermonaten könnt ihr euren Kaffee perfekt mit kalter Milch zubereiten oder als Cold Brew Variation servieren. In meiner Rezepte-Rubrik habe ich außerdem eine Abwandlung von Kaffee mit Milch auf Eis für Euch bereitgestellt.

Kalter Milchkaffee

So macht er sich bei großer Hitze besonders gut. Und natürlich könnt ihr aus Milchkaffee auch einen tollen Eiskaffee zaubern. Durch den hohen Milchanteil schmilzt das Eis nicht ganz so schnell und der Kaffee wird besonders cremig. Hier brauchen wir über Kalorien dann aber nicht mehr zu sprechen, ist klar, oder? Für einen karibischen Touch im Milchkaffee, könnt ihr die normale Milch auch mal mit Kokosmilch mischen. Zwecks besserem Schäumverhalten, rate ich hier dann aber dazu, den Milchmix hier auf jeden Fall zu erwärmen.

Milchkaffee im Winter

Milchkaffee im Winter ist sozusagen die heiße Schokolade mit Marshmallows für Kaffeefans. Lauschig am Kaminfeuer, wenn’s draußen wieder früher dunkel wird und der kalte Wind um die Häuserecken pfeift – da kann man sich an einem cremigen, warmen Milchkaffee herrlichst laben. Für den vollen Milchkaffee-Winterkomfort-Effekt probiert doch mal die Milchkaffee-Variante (alias Latte Macchiato) mit Sahne aus. Mit natürlichen Aromen wie frischer Vanille wird euer Milchkaffee natürlich noch weihnachtlicher. Hier findet ihr mein Rezept für eine Pumpkin Spice Latte. Und wer ganz mutig ist, kann seinem Milchkaffee auch noch ein Sahnehäubchen aufsetzen und dieses mit einer Zimt, Muskat, Tonkabohne oder Kakao bestäuben.

Wann ihr auf Milch verzichten solltet

Es gibt zum Glück wenig oder keine gründe auf schwarzen Kaffee verzichten zu müssen. Natürlich muss jeder die richtige Kaffeesorte finden. Es kommt natürlich darauf an, die richtigen Kaffeebohnen zu finden. Hier findet ihr meine Kaffeebohnen Tests. Mit Milch ist er ein wenig schwieriger. Kuhmilch verträgt nicht jeder. Es gibt natürlich auch andere gute Gründe auf diese zu verzichten.

Wenn ihr eine Laktoseintoleranz habt.

Allerdings lässt sich Milchkaffee selbstverständlich auch sehr gut mit laktosefreier Milch zubereiten. Manch einer ist sogar der Meinung, dass der Schaum damit noch besser gelingt. Wenn ihr damit Erfahrung habt oder Vergleichsmöglichkeiten, verratet mir gern, ob das so stimmt!

Wenn ihr auf Antibiotika seid.

Euer Arzt hat euch auf Antibiotika gesetzt? Dann fragt ihn, bevor ihr zum Milchkaffee, wie zu allen anderen Milchprodukten, greift. Das Kalzium der Milch kann die Wirkkraft vieler Antibiotika schwächen.

Wenn ihr unter Diabetes leidet.

Wissenschaftler aus Graz haben festgestellt, dass sich die tierischen Proteine im Milchkaffee bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen ungünstig auswirken. Oder zumindest den positiven Effekt von schwarzem Kaffee aufheben. Das bitte auch bei Schwangerschaftsdiabetes beachten und in jedem Fall Rücksprache mit dem Arzt halten.

Wenn ihr dringend einen Koffeinkick braucht.

Ähnlich wie Milch die Aufnahme von Wirkstoffen des Antibiotika hemmt, macht sie das auch mit dem Koffein. Sprich: Euer Körper nimmt das Koffein aus dem Milchkaffee nur langsam und verzögert auf. Wer schnelle Aktivierung braucht, sollte sich von Kaffee aus Milchbasis also nicht zu viel erhoffen. Für den Koffeinkick gibt es aber viele tolle arten Kaffee zu kochen.

In allen anderen Fällen aber könnt ihr euren Milchkaffee ausnahmslos genießen.

1 Kommentar
  • Espressomaschinentüftler
    14 November, 2016

    Wirklich interessant, was es für verschiedene Sorten gibt. Ich trinke zwar hauptsächlich Espresso. Aber so ein Milchkaffee in der Winterzeit ist echt was tolles ^^ Ich werde dann mal das Pumpkin Spice Latte- Rezept ausprobieren .

  • Marco
    27 November, 2016

    Ich mache mir meist am Sonntag Morgen einen Cafe Latte (Dopio mit Milch).
    Der schmeckt mit einem kräftigen, schokoladigen Espresso (ich bevorzuge zurzeit den “Milano” von Rast) einfach himmlisch und ist total leicht zu machen. Frühmorgens vertrage ich noch keinen puren Espresso. Und ein Cafe Latte passt einfach perfekt zu einem ausgedehnten Frühstück und besonders an einem nebligen, ungemütlichen Sonntagmorgen sorgt er dafür, dass man sich zuhause so richtig wohl fühlt. Nur schon der Anblick der Tasse mit der Crema, die sich mit der Milch vermischt…

Ich freue mich über deinen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *