Brita Wasserfilter – Nie wieder trübe Brühe, sondern richtig guter Kaffee!

Kennt ihr eigentlich noch das böse Monster „Lochfraß“, das uns allen in den Neunzigern die Waschmaschinen kaputt gemacht hat? Das wollte uns zumindest der gute Mann Dieter Bürgy in der Calgon-Werbung weismachen, dem wir schon aufgrund seines Bartes vertraut haben.

Dumm (und überaus lustig!) nur, dass Kalk und Lochfraß in etwa so viel miteinander zu tun haben wie Dieter Bürgy mit einem echten Experten. Tatsache ist lediglich, dass sich Kalk aus Leitungswasser in den Schläuchen und Windungen der Maschine absetzen kann. Und dass das nicht so gut ist, würde sogar Lochfresser Bürgy bestätigen.

Wer wissen will, warum wir uns in diesem Artikel überhaupt ausführlich mit dem Kaffee-Pendant zu Calgon namens Brita Wasserfilter beschäftigen, sollte sich einmal einen reinen Schluck stark kalkhaltigen Wassers gönnen. Das hat einen köstlichen Unterton von Kreide, bringt eine tolle Balance aus Säure und Schwebstoff-Crunch mit und macht sowieso einen rundum leckeren Eindruck. Nicht.

In unserem Wasserkocher Test habe ich bereits ausführlich festgehalten, warum wir für wirklich guten Kaffee nicht einfach nur den Wasserhahn aufdrehen sollten: Kaffee besteht zu rund 98 Prozent aus Wasser. Und Kaffeearomen sind ziemlich sensibel.

Wenn da Kalk im Übermaß dazwischenfunkt, kippt das Kaffeearoma meist in eine sehr unangenehme Richtung. Und von solchen Horrorvorstellungen wie einer nicht stabilen Crema auf Espresso will ich gar nicht erst anfangen. Ganz zu schweigen davon, dass zu viel Kalk tatsächlich irgendwann eure Kaffeevollautomaten oder die Siebträgermaschine kaputt machen kann.

Schauen wir uns also den Wasserfilter allgemein, den Brita Filter im Besonderen und die ganze Logik, die dahintersteht, einmal genauer an. Und klären außerdem dringend ein paar Mythen auf, die zum Thema Tischfilter kursieren. Zum Beispiel die Sache mit den Keimen…

Kalk im Wasser für Kaffee – Die einmalig deutsche Härte!

Wenn wir aus dem Calgon-Blödsinn zumindest eine Sache gelernt haben, dann, dass deutsches Leitungswasser zwar überaus gut ist, allerdings nicht überall gleich gut ist. Und wir haben das Wörtchen Härtegrad gelernt.

Der Härtegrad beschreibt, wie viele Calcium- und Magnesiumverbindungen im Wasser gelöst sind. Und Calcium plus Magnesium ergeben, wenn sie getrocknet sind, Kalk. Dieser Kalk stammt aus mehreren Quellen, etwa aus Rohrsystemen oder alten, häufig gebrauchten Leitungen.

Alte und häufig gebrauchte Leitungen findet man vor allem dort, wo sich viele Menschen stapeln und damit viel Wasser verbraucht wird. Einen schönen Gruß an all die Berliner, Hamburger oder Ruhrpottler: Euer Wasser ist in Sachen Kalkgehalt spitze!

Die Einheit für den Härtegrad ist „deutsche Härte“ (jedes Mal wieder witzig) und wird in dH angegeben. Alles unter 8° dH wäre weiches, kalkarmes Wasser. Alles über 9° dH ist hartes, sehr kalkhaltiges Wasser.

In Berlin etwa beträgt die durchschnittliche deutsche Härte ungefähr 18° dH, der Bundesdurchschnitt liegt bei 16. Ich erzähle euch das nur so ausführlich, weil der perfekte Härtegrad für optimalen Kaffee tatsächlich bei rund 8° dH liegt.

Warum? Ein paar Kalkbestandteile im Kaffeewasser sind überaus erwünscht, weil sich sonst das Quellverhalten des Kaffees verändert und es zu einer Überextraktion kommen kann. Da wir aber wenigstens doppelt so viele Kalkverbindungen im Kaffeewasser direkt aus der Leitung haben, hat unser Kaffee eher mit zu wenig Säure-Aromen zu kämpfen und gerät damit ebenso aus dem Gleichgewicht.

Destilliertes Wasser für Kaffee wäre also genauso blödsinnig wie eine Kaffeebar in Berlin Mitte, die einfach nur den Wasserhahn aufdreht und die Maschinen auffüllt.

Nur sächsische und saarländische Kaffeebars könnten das theoretisch machen, denn hier kommt fast optimales Härte-Wasser aus dem Hahn. Falls ihr selbst einmal checken wollt, was bei euch so geht, empfehle ich das Wasserhärte-Verzeichnis.

Wie funktioniert ein (Brita) Wasserfilter?

Wir sind uns mit diesen Informationen garantiert einig, dass ein Wasserfilter per se eine super Idee ist, wenn man sich sonst bei Kaffeebohnen und der Wahl der richtigen Zubereitungsmethode schon so viel Mühe gibt.

Aber was macht der Brita Wasserfilter nun anders als andere und wie funktioniert die Filterei überhaupt?

Grundsätzlich ist jeder Wasserfilter, ob nun Brita oder nicht, eine Art von Sieb. Wie dieses Sieb aufgebaut ist, ob nur mechanisch oder auch chemisch-physikalisch, macht jedoch den entscheidenden Unterschied.

Sehr billige, rein mechanische Wasserfilter sind besonders häufig in günstigen Wasserkochern zu finden – und zwar als schlichtes Sieb direkt vor dem Ausguss. Dieses Sieb soll die gröbsten Ablagerungen zurückhalten, was natürlich nur bis zu einer gewissen Partikelgröße funktioniert.

Die Steigerung davon sind sehr feinmaschige Netze, die sich auf leichten Druck wie fester Stoff anfühlen. Schon besser, aber immer noch zu grob.

Der Brita Wasserfilter nun addiert zum Sieb-Dasein die drei Freunde Schwerkraft, Aktivkohle und Ionentauscher. Nein, ein Flux-Kompensator steckt nicht drin. Gehen wir der Reihe nach vor:

  1. Schwerkraft

In der Kanne des Brita Wasserfilters wird das Leitungswasser in einen oberen Behälter gefüllt, von dem aus das Wasser dann durch den darunter sitzenden Filter in den Auffangbereich fällt. Der Filter selbst besteht aus austauschbaren Kartuschen. Dazu kommen wir nachher noch einmal.

Der Vorteil an diesem Aufbau ist, dass das Wasser immer vollständig alle Filterstationen durchlaufen muss und dabei auch noch eine gewisse Zeit benötigt. Bei Sieben vor Ausgüssen ist das unmöglich, die Kontaktzeit ist also viel zu gering.

  1. Aktivkohle

Aktivkohle soll nicht nur die Zähne weißer machen, Blähungen heilen und die Poren reinigen, es wird auch seit ewigen Zeiten als Filterstoff eingesetzt. Und das auch in der Industrie, denn Aktivkohle kann nicht nur Gase von Staubpartikeln reinigen, sie kriegt auch giftige Stoffe aus Flüssigkeiten. Diese werden entweder in der Aktivkohlensubstanz gebunden oder sogar durch chemische Reaktionen verbraucht. Wahnsinn. Das einzige Problem bei einem Aktivkohlefilter: Irgendwann ist die Substanz müde, quasi „vollgesogen“ und muss ausgetauscht werden.

  1. Ionentauscher

Das klingt erst einmal ähnlich abenteuerlich wie Lochfraß, hat aber im Brita Wasserfilter eine wichtige Funktion: Einfach gesagt ersetzt ein Ionentauscher unerwünschte Partikel durch andere Partikel. Und im Wasserfilter werden die Calcium-Ionen, die für Kalk verantwortlich sind, gegen Natrium-Ionen ausgetauscht, die mit Kalk nichts am Hut haben. Hurra! Problem auch hier: So ein Austausch ist endlich, der Ionentauscher muss also auch irgendwann ersetzt werden.

Ein Wassertropfen kommt also frisch wie ein sauberer Babypopo in der Auffangschale des Brita Wasserfilters an, sollte rein von Schwermetallen sein, wenig Kalk-Bausteine mitbringen und damit auch schlicht besser schmecken. Und ja, den Unterschied merkt man gerade in Berlin deutlich.

Allerdings noch eine kleine Einschränkung: Wenn ihr einfach nur Wasser trinken wollt und die Rohrperle nicht in kalkanfällige Maschinen oder Kaffees kippt, gibt es bei der Qualität des deutschen Trinkwassers kaum einen Einwand dagegen, einfach nur den Hahn aufzumachen.

Was uns die Werbung da wieder auftischen will, von wegen die lauernde Gefahr für Babys, Haustiere und die ganze Familie, ist in meinen Augen nur Panik- und Geschäftsmache.

Warum gibt es so viele unterschiedliche Brita Wasserfilter?

Eine kleine Suchanfrage bei www.amazon.de gestartet und schon hat der geneigte Filterer keine Lust mehr:

Welcher Brita Wasserfilter ist denn nun der richtige? Die Unterschiede zwischen den Modellen sind tatsächlich sehr subtil und in manchen Fällen etwas überflüssig:

Brita Wasserfilter Test

  • Der Brita Wasserfilter Marella ist vor allem in vielen Farben erhältlich und unterscheidet sich durch die Füllmenge. Der Brita Wasserfilter Marella Cool hat eine Gesamtgröße von 2,4 Liter. Der Marella XL fasst insgesamt 3,5 Liter.
  • Die Kollektion Style soll einfach ein bisschen schicker auf dem Tisch aussehen, auch die kleineren Fun-Wasserfilter betonen ihre Lifestyle-Komponente.
  • Außerdem gibt es Unterschiede bei der Einfüllöffnung. Die Kollektion Brita Elemaris als Premium-Linie bringt eine automatische Einfüllöffnung mit. Alle anderen sind manuell oder „praktisch“ (also einhändig).

Allen gemein ist jedoch, dass sie eine elektronische Anzeige besitzen, die euch sagt, wann der Filter (angeblich) erschöpft ist. Das nennt sich „BRITA Memo“, doch bei so etwas bin ich immer ein wenig skeptisch.

Brita Wasserfilter für Kaffee

Denn der eigentliche Artikel, um den des beim Brita Wasserfilter geht, sind die Wechselkartuschen, die ihr je nach Angebot in einer gewissen Stückzahl zur Kanne dazu bekommt oder als Vorratspack einzeln bestellen könnt.

Das Modell MAXTRA+ funktioniert eigentlich über alle Karaffenformen hinweg, nur der Brita Wasserfilter fill&serve mind kocht ein eigenes Süppchen. Die schlanke Karaffe benötigt eine eigene Kartuschenform, die außerdem kein Kalk filtern kann.

Brita Filterkaraffe

Jedenfalls soll euch das Brita-Memo an den Austausch erinnern, sobald Aktivkohle und Ionentauscher im Filter nicht mehr genug Leistung bringen. Was laut Intervalleinstellung nach vier Wochen der Fall ist. Ich frage mich jedoch immer, wie das Unternehmen „nicht mehr genug“ definiert. Schließlich sind die Kartuschen jenes Ersatzteil, das permanent Umsatz bringt.

Ich würde euch also raten, am Anfang eurer Filterkarriere ein Auge und einen Geschmackssinn für den Unterschied zwischen nichtgefiltertem und Brita-gefiltertem Wasser zu entwickeln und noch einmal genauer hinzuschmecken, wenn der Wasserfilter nach Austausch schreit.

Andererseits solltet ihr euch eben nicht wundern, wenn ein Käufer aus dem Saarland was davon redet, dass ein Filter bei ihm ewig hält, während der Berliner Brita-Kunde schon nach einem Monat definitiv tauschen muss.

Filterkartuschen kaufen

Der Richtwert für eine Maxtra+ Kartusche ist jedenfalls 100 Liter gefiltertes Wasser bei 12 bis 14,5° dH. Und aus meiner Sicht ebenfalls ganz wichtig: Die Kartusche ist zu 100% recyclebar.

Dennoch: Ihr müsst euch darüber klar werden, dass auf den recht günstigen Preis der Karaffen an sich ein ziemlich deutlicher, laufender Posten in Form der Kartuschen draufkommt.

Gibt es gute Brita Wasserfilter Alternativen?

Natürlich gibt es bei Amazon und Co. auch mehr als eine Alternative zum Brita Wasserfilter. Allerdings macht schon der erste Blick meist deutlich, dass Brita offensichtlich sehr häufig die Blaupause für die Knock-Offs ist.

AmazonBasics bietet Karaffe und Kartuschen günstiger an, die Kartuschen passen auch in die Brita Wasserfilter. Und der 12er Pack ist aufgrund seines geringeren Preises (immerhin 20 Euro) durchaus eine Überlegung wert.

Amazon Basics Wasserfilter

Ich persönlich benutze einfach schon zu lange einen Brita Wasserfilter, als dass ich umschwenken würde. Zumal es „damals“ noch kaum nennenswerte Alternativen gab. Ich finde die Original-Karaffee auch sehr viel stabiler als manch andere Imitate und hier ist der Ausgangspreis sowieso sehr gering.

Ob ihr nun lieber Dupe-Kartuschen oder die Originale kauft, ist, glaube ich, fast eine Geschmacksfrage. Und zwar wortwörtlich: Sollte der nachgeäffte Filter NICHT die Bestandteile des Brita Filters haben, ist das irgendwie Quatsch, oder?

In jedem Fall ist aber irgendein Filter meist besser als gar kein Filter für den Kaffee. Oder doch nicht?

Brita Wasserfilter bei Stiftung Warentest in der Kritik: Oha, was denn da los?

Keime im Wasser! Hinterher mehr Schadstoffe als vorher! Mangelhafte Haltbarkeit der Filterkartusche! Fehlt eigentlich nur noch Lochfraß…

Stiftung Warentest hat 2015 Wasserfilter sowas von komplett zerlegt, dass selbst die lässigen Tester von Chip einen fast atemlosen Artikel schreiben mussten. Und was ÖkoTest und das Bundesinstitut für Risikobewertung dazu sagen, will ich euch auch nicht vorenthalten – hier eine vernichtende Übersicht.

Was ist da passiert? Offenbar waren die alten Filterkartuschen Maxtra (ohne „+“) mit Silber gefüllt, das sich beim Filtern lösen konnte. Und Silber wollen wir nun wirklich nicht im Wasser haben. Auch war die Filterleistung weitaus niedriger bzw. kürzer als versprochen. Zusätzlich sollen bei manchen Tests Keime im Wasser gefunden worden sein, die da wohl nicht hingehören.

Also ist der Brita Wasserfilter doch Mist?

Ich sehe das folgendermaßen: Wenn es um die Frische meines Kaffeewassers geht, bin ich sowieso mehr als pingelig. Wasser wird also nicht in der Karaffe geparkt und darf im Kühlschrank (oder schlimmer: bei Zimmertemperatur) vor sich hin keimen.

Zweitens erwarte ich vom Filter nichts weiter, als dass der Kalk zu einem größtmöglichen Teil aus dem Wasser verschwindet. Denn wie ich schon sagte, trinkbar ist unser Wasser auf jeden Fall, vor Koliken habe ich keine Angst. Die Sache mit dem Silber hat Brita offensichtlich durch die neuen Kartuschen gelöst.

Drittens überrascht mich die Sache mit der verkürzten Filterleistung nicht weiter – wie gesagt, der Hersteller verdient mit den Kartuschen das meiste Geld. Ja, das ist Mist. Aber in meinem Dasein als Kaffeenerd hat sich der Brita Wasserfilter tatsächlich bewährt.

Und VIERTENS SOWIE WICHTIGSTENS: Schaut mal bei den Produktbeschreibungen der Brita Wasserfilter genauer hin: Steht da irgendwas vom keimtötenden Eigenschaften? Behauptet der Hersteller, Schwermetalle komplett zu beseitigen? Oder habe ich in den vorherigen Worten auch nur einmal was von Keimen gesagt (abgesehen vom Cliffhanger in der Einleitung?)

Nein. In diesem Fall spielt Brita tatsächlich sehr subtil (und rechtlich einwandfrei) mit den Erwartungen der Verbraucher. Und gewinnt, wie die Absatzzahlen zeigen. Denn ein Großteil der Sagrotan-Generation mag beim Wörtchen Filter tatsächlich an die bösen Keime denken.

Aber um die ist es Brita noch nie gegangen! Und Brita hat auch nie behauptet, keimfreies Wasser abzuliefern! Die Jungs und Mädels sind sich im Gegenteil sicher sehr bewusst, was so ein Wasserfilter bei falscher (!) Hygiene bewirkt.

Und auch steht dort, dass Schmermetalle zuverlässig reduziert (nicht beseitigt!) werden. Das ist insofern ein bisschen fies, als dass die Schwermetallbelastung im deutschen Trinkwasser nun sicher nicht so hoch ist, dass es einer zusätzlichen Filterung benötigte. Sonst dürften wir Rohrperle gar nicht trinken.

Ich stimme dem Bundesverband der Deutschen Gas- und Wasserwerke in diesem Artikel der Apotheken Umschau also insofern zu, als dass die Nachbehandlung mit Tischwasserfiltern wirklich völlig unnötig ist. Wenn man in weichen Wassergebieten wohnt. Und bei Kaffee nicht auf jede Nuance achtet.

Wasserfilter im Vollautomaten?

Der Brita Wasserfilter hat so eine große Marktmacht, dass er auch in immer mehr Vollautomaten als wechselbares Bauteil verarbeitet wird. Auch bei einigen hochwertigen Filterkaffeemaschinen ist er am Start. Ein Beispiel aus meinen Tests wäre der Siemens EQ 9.

Andere Vollautomaten bringen eigene Filtersysteme mit, bei Saeco nennt sich das Ganze immer AquaClean, siehe zum Beispiel der Saeco GranBaristo Avanti.

Ich habe der Frage Wasserfilter im Vollautomaten bereits einen eigenen Artikel und sogar ein Video gewidmet und will an dieser Stelle nur festhalten, welche Vor- und Nachteile dieses Bauteil hat:

  • Weicheres Wasser bedeutet weniger Kalk bedeutet weniger Ablagerungen in den engen Schläuchen und Windungen der Maschine.
  • So ein spezieller Filter muss immer als eigenes Ersatzteil nachgekauft werden und hier kocht jeder Hersteller seine eigene Suppe.
  • Geschmacklich ist der Unterschied meist nicht ganz so deutlich wie bei der Handfilterung und Co. Denn so ein Vollautomat als „Kompromissgerät“ holt sowieso häufig nicht alles aus dem Kaffeearoma heraus.

So ein Brita Wasserfilter im Vollautomaten kann also eure Reinigungsintervalle vergrößern und auch die Notwendigkeit zum Entkalken verringern.

Aber ich finde es durchaus auch okay, wenn ihr auf dieses Bauteil pfeift bzw. es völlig vergesst. Denn sorgfältig Reinigen müsst ihr die Maschinen sowieso regelmäßig. Und das führt mich zum nächsten Punkt.

Den Brita Wasserfilter reinigen – Achtung, Achtung!

Kommen wir zurück zu den Horrormeldungen über Wasserfilter und der Hysterie, die sich daran anschließt. Ich möchte nämlich noch einmal unterstreichen, dass ein Großteil der allgemeinen Urteile auch aus einer Fehlannahme zu Wasserfiltern entsteht:

Es ist ein Leichtes zu glauben, dass man diese Wasserfilter auch als Aufbewahrungskanne ewig im Kühlschrank stehen lassen kann, falls einen zwischendurch der Durst packt.

Zugegeben suggeriert das auch Brita, indem es was von „Aufbewahrung im Kühlschrankfach“ oder in der Kühlschranktür faselt. Und die Vermutung liegt nahe, dass man das Ding einfach befüllt und zum Filtern im Kühlschrank parkt. Und ich so: Auf! Gar! Keinen! Fall!

Mein liebster Vergleich ist in diesem Fall immer der Wassertank in einem Vollautomaten, den man nur einen Tag unausgewaschen mit Wasser befüllt stehen lässt. Fahrt mal über den Rand, fühlt ihr den sanft schmierigen Film? Das sind die Keime und ein leichter Algenfilm, der bereits nach kurzer Zeit in der Wärme des Automaten blüht. Njommy.

Wasser sieht zwar so unschuldig aus, ist aber einer der größten Nährböden für allerlei Zeug, das sich bei genauerem Hinsehen als wirklich unappetitlich entpuppt. Nicht umsonst kippen Freibäder Chlor ins Wasser. Nun pinkelt selten jemand in den Wasserfilter, aber ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Ein Wasserfilter ist nur dann ein sinnvolles Werkzeug, wenn ihr ihn punktgenau befüllt und nach dem Filtern das Wasser sofort (!) weiterverwendet sowie die Karaffe und den Filter reinigt. Die Karaffe darf meist in die Spülmaschine, der Filtereinsatz ohne Kartusche meist ebenso, nur der Deckel muss von Hand gesäubert werden.

Und dann heißt es für alle Bestandteile: sehr sorgfältig trocknen, bevor die nächste Portion gefiltert wird. Ja, das ist umständlich. Aber genau dieser Umstand macht den Unterschied zwischen Tümpelbrühe und kaffeetauglichem Wasser aus.

Der Brita Wasserfilter im Überblick: Sinnvoll oder Blödsinn?

Wie man es auch dreht und wendet: Der Brita Wasserfilter und seine Verwandten oder Nachäffer sind und bleiben ein zweischneidiges Schwert. Und Brita versteht es hervorragend, mit den Ängsten unserer Generation vor wirklich jedem Schwachsinn zu spielen.

Denn wenn man nicht hinter die Werbebotschaft schaut, entsteht schnell der Eindruck, dass Leitungswasser die gleiche Qualität wie radioaktiver Abfall hat.

In unseren Breitengraden ist dies jedoch nicht einmal ansatzweise der Fall. Unser Trinkwasser gehört zum Besten, was es an flüssigen Durstlöschern zu kaufen gibt. Und daran ändert ein Brita Wasserfilter absolut nichts – schon gar nicht zum Positiven, bei falscher Anwendung eher zum Negativen.

ABER: Kalk ist in bestimmten Gebieten ein nachgewiesenes Problem, auch ohne Lochfraß- oder Glaskorrosion-Bullshit. Das merkt ihr am schnellsten, wenn ihr euch zum Beispiel in Berlin die Haare wascht und am nächsten Tag die Prozedur in Sachsen wiederholt – der Unterschied ist enorm.

Und was unsere Haare strohig macht, verstopft eben auch nach und nach die Leitungen von wasserführenden Maschinen, verkrustet die Heizelemente von Wasserkochern und macht den Kaffee nicht ganz so perfekt, wie es ein Barista gerne hätte. Das ist objektiv gesehen eine Tatsache.

Subjektiv allerdings trinken die meisten von uns ihren Kaffee seit dem allerersten Schluck mit einfachem Wasser aus der Leitung – von Kreuzberg bis Köln-Kalk (gnaha!). Sie haben sich also daran gewöhnt, dass eigentlich mit ihrer Kaffeemischung irgendwas nicht stimmt.

Würde man diesen Gewohnheitstrinkern nun Brita-gefilterten Kaffee vorsetzen, gäbe es vermutlich verwunderte Minen und ab und zu auch Ablehnung. Und sollte euch Kaffee in seinen verfrickelten Spielarten eher gleichgültig sein, gibt es in meinen Augen auch keinen Grund, einen Brita Wasserfilter zu kaufen.

Die andere Seite der Medaille: Trainierte Gaumen und alle, die sich besonders viel aus den Feinheiten unterschiedlicher Röstungen machen, werden den Unterschied sofort positiv bemerken. Vor allem bei Kaffees, die eher aus der blumig-fruchtigen Ecke stammen. Denn da entfaltet das Aroma plötzlich eine ganz andere, definiertere Stilistik.

Im Grunde ist ein Brita Wasserfilter also ein ähnliches Spezialgerät für die Kaffeezubereitung wie ein paar der besonderen Hario-Produkte oder ein spezieller Behälter für Cold Brew Coffee. Nichts davon MUSS man haben, aber für mich gehört es in meiner Küche einfach dazu.

Was ihr mit diesem Wissen anstellt, steht also auf einem ganz anderen Blatt und mich würde brennend interessieren, wie ihr zu einem Wasserfilter steht, welche Erfahrungen ihr mit besserem Geschmack habt oder ob ich dabei wirklich zu pingelig bin. Hinterlasst mir also sehr gern einen Kommentar!

  • Quelle Artikelbild: pixabay.com©ronymichaud
3 Kommentare
  • Uwe Kuhn
    22 October, 2017

    Hallo Arne,
    erstmal vielen Dank für einen weiteren sehr ausführlichen und informativen Test.
    Deine Seite und der Blog sind einfach großartig und haben für mich in der letzten Zeit viel Licht ins (Kaffe)dunkel gebracht. Sei es bei der Auswahl des richtigen Zubehörs oder beim Verständnis für die Zubereitung und Kaffe an und für sich.
    Auch ich gehöre zu denen, die sich vor dem Kauf ausführlich im Netz informieren und so habe ich alleemöglich über Wasserfilter gelesen…. positives sowie negatives.
    Bisher habe auch ich sehr gezögert, mir einen Wasserfilter anzuschaffen. Nach Deinem Artikel nun, werde ich es wohl mal probieren…. der Filter mit einer Kartusche kostet ja nicht die Welt und sollte ich dann feststellen, dass es nicht das gewünschte Ergebnis bringt, dann war der finanzielle Aufwand zumindest sehr übersichtlich.
    Der Vollständigkeitshalber möchte ich noch erwähnen, dass wir hier im schönen Füssen wohl eine Wasserhärte von 12 dH (:)) haben.
    Über das Ergebnis werde ich Dich hier auf jeden Fall informieren.
    Mit besten Grüßen
    Uwe

  • Max
    23 October, 2017

    Ohne Brita keine Competition!
    Auch wenn die Stadt Essen laut Stadtwerken eine Wasserhärte von 7,3dH hat, will man ja nur das Beste für die Bohnen – sicher ist sicher! Super Artikel, mal was anderes!:)

  • Ulrich Kämper
    25 October, 2017

    Hallo Coffee Junkies,
    es gibt noch einen einfacheren Weg, an das richtige Kaffeewasser zu kommen:
    Das stille Evian-Wasser hat genau die richtige Zusammensetzung an Ca und Mg, nicht zu weich und nicht zu hart.
    Volvic und Spa sind dagegen zu mineralarm, also extrem weich und lassen den Kaffee säuerlich schmecken, sind aber ideal für einen klaren Tee-Aufguß. Mit Evian wird der Tee leicht trüb, bekommt aber immerhin kein dunkle Haut, wie z.B. beim Kölner Leitungswasser.
    An den Filtern stört mich, dass sie anfangs zu viel Calcium und vor allem auch das für die Muskelfunktion wichtige Magnesium herausfiltern, im Laufe der Zeit dann aber immer weniger wirksam sind. Man müßte also regelmäßig messen, und das wäre noch lästiger als die dauernde Reinigung der Filterbehälter.
    Schöne Grüße, Uli
    P.S. Kennt ihr den Bläck Fööß-Song “dat Wasser vun Kölle is joot”?

  • Frank
    27 October, 2017

    Na hier wäre ich insgesamt eher vorsichtig(er). Was ist denn der ideale Wasserhärtebereich und, wer von Euch kennt sich hier wirklich aus? Käme in Berlin jedenfalls 7,3 dh aus dem Hahn, dann würde ICH auf jeden Fall auf Brita und Co verzichten. Dieser Wert ist – so weit mir bekannt – nahezu ideal für Espresso.

    Allerdinsg sind es in Berlin eher 18-20 dh. Das ist dann was anders. Es geht auch immer um a) Bildung von Kesselstein UND b) Geschmack. Und zu b) sollte auch ein Hinweis auf den PH Wert nicht fehlen. Kommt dieser > 7 aus dem Hahn, kann er nach einem Filter in den saueren Bereich fallen und dann Ursache für Sodbrennen und betont saurem Kaffeegeschmack sein. Und wer erklärt den Unterschied zwischen Karbonathärte und Gesamthärte? Usw usw.

    Und Volvic? Hab ich da nicht was zu Arsen gelesen? Nicht lange her! Ja, in erlaubter Dosis aber wenn ich richtig gelesen habe, höher konzentriert als in Leitungswasser dosiert sein darf. Upps…

    Es geht hier meiner Meinung nach nicht pauschal um schwarz oder weiß. Sollte es jedenfalls nicht. Ich empfehle sich ausgiebig !!! einzulesen um dann eine abgewogene Entscheidung zu treffen. Brita, wie auch deren Wettbewerb wie BWT haben Produkte im Angebot, welche den PH Wert nicht verändern und viel nutzerfreundlicher ans Festwasser angeschlossen werden können. Die Kartusche unter der Spüle wird deutlich seltener getauscht.

    Zeit lassen, und mehrere Quellen (zahlreiche Foren zu diesem Thema) bemühen!

  • Andi
    8 November, 2017

    Tja, zum Glück habe ich daheim das Problem nicht. Wasserhärte liegt bei Verzeichnis bei ca. 6 d.H. Bin ich allerdings bei meiner Oma im Münchner Osten zu Besuch wird es schwierig. Das Wasser trinkt sich pur wirklich gut ist aber als Kaffee fast ungenießbar. Mit einer kleinen Messerspitze Natron statt dem unhygienischen Filter ist der Kaffee aber wirklich gut.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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