Lupinenkaffee – Die ultimative Bohnen-Alternative?

Keine Sorge, ich bin natürlich nicht von meinem Kaffeepfad abgekommen. Aber mir fällt selbst auf, dass ich in letzter Zeit viel über Kaffee-Alternativen schreibe. Das liegt einzig und allein daran, dass dieses Thema immer mehr Leute interessiert und es damit auch immer mehr Produkte gibt, die ich mir für euch genauer anschaue.

Ich könnte mich jetzt wieder lang und breit darüber auslassen, dass auch beim Thema Lupinenkaffee gern so getan wird, als wäre es der absolut neueste Schrei. Dabei scheinen Menschen seit Anbeginn der nennenswerten Kaffeekultur darauf erpicht zu sein, „gesunde“ Alternativen zur Kaffeebohne zu finden.

Wie berechtigt hier die Anführungsstriche sind, habe ich schon einmal in einem Text zum Thema „Ist Kaffee gesund?“ auseinander gefriemelt. Und auch Lupinenkaffee muss sich meinen Vorwurf gefallen lassen, dass er ein blasses Imitat des Originals ist.

Nun gut, allemal besser als Caro Kaffee oder andere merkwürdige und koffeinfreie Alternativen scheint er zu sein, doch solltet ihr auch bei Lupinenkaffee kritisch bleiben. Oder doch nicht? Schauen wir uns die Bohnenalternative einmal genauer an.

Woraus besteht Lupinenkaffee?

Zäumen wir kurz das Pferd von hinten auf: Bevor ich mich mit Lupinenkaffee beschäftigt habe, kannte ich vor allem Lupinenjoghurt, der vor einiger Zeit plötzlich als die Alternative zu Soja und Co. im Kühlregal der Bio-Märkte stand und kräftig beworben wurde.

Daran regte mich vor allem der doch recht immense Preis auf, der außerdem für ein Produkt verlangt wurde, das mit Lupinen(eiweiß) eigentlich nur zu 1,8 Prozent etwas zu tun hat. Der Rest in der Pampe ist Kokosfett, diverse Stabilisatoren, Aroma und Zucker.

Doch gerade der hohe Eiweißgehalt der Lupine ist das, was die Hülsenfrucht ausmacht. Dieser reicht fast an die Sojabohne heran und nach einiger Züchterei sind auch die von Natur aus giftigen Alkaloide aus der Frucht nicht mehr wirklich wichtig – und damit gilt sie grundsätzlich als gesünder als die genmanipulierte und genmanipulierende Sojabohne.

Wie in diesem kurz-knackigen Artikel des NDR zur Süßlupine festgehalten, wird Lupinenmehl aufgrund seiner Konsistenz und der Eiweiß-Eigenschaften zum Beispiel als Brotbeimischung oder für Fleischersatz benutzt. Und das schon seit geraumer Zeit.

Die Kurve zum Kaffee bekommt die Lupine, indem die Samen im Ganzen genutzt werden. Wie Kaffeebohnen werden sie erst gereinigt, dann getrocknet und anschließend geröstet.

Ganz anders als Kaffeebohnen müssen Lupinen jedoch nicht aus fernen Hoch- und Tiefländern importiert, sondern können direkt auf den heimischen Feldern geerntet werden.

Und diese Hülsenfrüchte haben natürlich kein Koffein, was für Lupinenfans der wichtigste Vorteil ist.

Lupinenkaffee Gesund

Außerdem laugt der Lupinenanbau den Boden nicht aus, sondern lockert ihn auf und bindet Stickstoff, den andere Feldfrüchte als natürlichen Dünger nutzen können. Anders gesagt lösen Lupinen zumindest teilweise das ein, was vor einer Weile von Sojabohnen versprochen wurde:

Sie sind eine wirklich kluge Vegetarier-Alternative mit ökologisch korrekter Anbauweise und zudem selbst dann nicht einseitig, wenn sie in Monokultur angebaut werden.

Wer jetzt in Muttis Garten rennen und ihre hübsch blühenden Lupinen aus dem Beet rupfen will, weil er Lupinenkaffee selbst machen möchte, sollte das aber lieber lassen. Das, was da so farbenfroh in den Rabatten steht, ist unter Garantie giftig und nicht zum Essen gedacht! Mehr dazu in diesem Ratgeber-Artikel für Gärtner.

Ist Lupinenkaffee giftig?

Die Sache mit den Alkaloiden kommt tatsächlich immer wieder aufs Tableau, wenn Lupinenkaffee diskutiert wird. Da dieser ausschließlich aus der Blauen Lupine gewonnen wird und eigentlich nur in reiner Bio-Anbauweise wirklich empfehlenswert ist, müsst ihr euch über Gift grundsätzlich keine Gedanken machen.

Das dicke, fette Aber: Gift in Lupinen ist eine gut untersuchte toxikologische Tatsache. Dieser englische Untersuchungsbericht aus Neuseeland und Australien zu Lupinen kann einem wirklich Angst machen.

Hierzu gibt es also eigentlich keine abschließende Antwort. Vielmehr müsst ihr genau darauf achten (und eventuell nachfragen) wie die Lupinensamen für den Kaffee weiterverarbeitet werden. Je umsichtiger, desto weniger Gifte landen anschließend im Produkt.

Andererseits muss man, glaube ich, in diesem Zusammenhang unterscheiden zwischen „Gift“ und „Vergiftung“. Wäre Lupinenkaffee wirklich unmittelbar gefährlich, dürfte er unter Bio- und EU-Richtlinien gar nicht als Lebensmittel verkauft werden.

Wie genau da die EU hinschaut, seht ihr zum Beispiel sehr schön in meinem Text zu {Cascara}, also Tee aus der Kaffeekirsche. Die steht momentan auf einer eher rötlichen Liste, und zwar nur deswegen, weil sie bis 1991 nicht in Europa verkauft wurde. Nicht etwa, weil sie giftig ist.

Lupinenkaffee gesund oder giftig

Ist Lupinenkaffee gesund? Und gesünder als richtiger Kaffee?

Noch so eine Frage, die eigentlich ständig zur Debatte steht. Zu welcher Meinungsfraktion ich dabei gehöre, dürfte euch klar sein. Allerdings kann ich gut verstehen, dass nicht jeder auf die permanente Koffeinzufuhr steht. Und nicht jeder verträgt die Säuren im Bohnenkaffee.

Was mich dabei jedoch wirklich annervt und ein wenig von Unkenntnis zeugt, ist die Pauschalisierung, die in solchen Fällen immer wieder hervorgekramt wird. Als Beispiel sei nur einmal dieser ansonsten informative Artikel zu Lupinenkaffee erwähnt.

Der Verzicht auf Kaffee ist NICHT GRUNDSÄTZLICH besser und NICHT JEDER Kaffee hat die gleichen Eigenschaften. Und wer Kaffee an sich gut verträgt muss sicher auch nicht darauf verzichten, nur weil er glaubt, dass er sich damit besser ernährt. Ich finde, dass dieser Blogeintrag das Für und Wider sehr schön unaufgeregt und vor allem emotionslos beleuchtet.

Auch die bei Lupinenkaffee gern erwähnte Glutenfreiheit ist für mich ein Zeichen der Hysterie, die plötzlich um verschiedene Lebens- und Genussmittel gemacht wird. Denn dass die Zahlen von „echter“ und „eingebildeter“ Glutenunverträglichkeit himmelweit auseinander klaffen, dürfte im Grunde bekannt sein.

Auch die Sache mit den Kaffeesäuren, die Lupinenkaffee nicht enthält, wird ein bisschen hinfällig, wenn man sie auf das Argument „Übersäuerung des Körpers“ bezieht. Denn Lupinenkaffee ist ebenso ein saures Lebensmittel, das ebenso den Säure-Base-Haushalt durcheinander bringen könnte – KÖNNTE wohlgemerkt.

Und wenn wir am Ende noch die Toxin-Thematik hinzu addieren, bleibt als größtes Pro-Argument für den Lupinenkaffee in Gesundheitsfragen nur noch das fehlende Koffein übrig. Und das wiederum hat auch seine guten Eigenschaften.

Ach ja, für Erdnussallergiker kann Lupinenkaffee übrigens gefährlich werden, da die Samen als Kreuzallergen bekannt sind. Spätestens jetzt sollten alle „Fanatiker“ und „Hysterie-Schürer“ bei Kaffeealternativen kleinlaut werden.

Das Fazit muss in diesem Fall also lauten: Lupinenkaffee ist genauso wenig oder viel gesund wie echter Kaffee, hat nur eben eine andere Zusammensetzung, die für so manchen Organismus die bessere Wahl sein kann. Für andere kann der Genuss sogar gefährlich werden.

Wie wird Lupinenkaffee hergestellt und wie bereitet man ihn zu?

Lupinenkaffee findet auch deswegen immer mehr Fans, weil er dem Kaffeegeschmack in der Tasse sehr nahe kommen soll. Das ist allerdings schon chemisch Quatsch, weil die Hülsenfrucht nicht einmal ansatzweise so viele Aromen wie der 1000-Geschmäcker-Kaffee-Muskelprotz mitbringt.

Bei dieser Charakterisierung wird nämlich der Kaffeegeschmack ganz auf die Röstaromen reduziert, die Lupinenkaffee tatsächlich in sehr vordergründiger Weise mitbringt. Das liegt daran, dass die Samen für rund 20 Minuten bei maximal 200 Grad durchgeröstet werden.

Kommen euch diese Zahlen bekannt vor? Ganz genau, diese Eckwerte gelten auch für die schonende Trommelröstung von Kaffee- und Espressobohnen. Die Röstqualität ist also bei Lupinenkaffee von Natur aus ziemlich hoch.

Und das schmeckt ihr dem Endprodukt an, wobei je nach Lupinenröster auch noch erdige Töne, viel Nuss und ein durchaus mächtiger Körper entstehen. Bitterstoffe findet ihr hier aber nur in geringem Maße, wenn der Röster sein Handwerk versteht und die Qualität der Samen stimmt.

Denn sollte es nicht so sein, ist Lupinenkaffee eine wirklich bittere Angelegenheit. Es gibt Lupinenkaffee in ganzer Form oder bereits fertig gemahlen – welche Darreichung empfehlenswerter ist, dürfte klar sein. Ohne anständige Kaffeemühle geht also auch hier nichts.

Und dann habt ihr bei der Zubereitung fast alle Freiheiten. Allerdings hat das fertige Mehl eine enorm hohe Dichte, weshalb ihr eure Siebträgermaschine oder den Vollautomaten damit besser nicht füttern solltet. Zwar geht die Maschine davon nicht unbedingt kaputt, aber die Ablagerungen machen sehr viel Dreck, können schimmeln, die Durchlaufgeschwindigkeit stimmt nicht usw.

Arne mit Handfilter

Außerdem ergäben diese beiden Zubereitungsmethoden geschmackstechnisch und physikalisch-chemisch auch nicht wirklich Sinn, weil das Aromengerüst der Lupine in der herkömmlichen (KVA)Espresso-Extraktion sowieso nicht gewinnt.

French Press oder Handfilter werden dafür ebenso häufig für Lupinenkaffee empfohlen wie die Bialetti. Ihr müsst nur in jedem Fall bei der Dosierung aufpassen, denn weil die Kaffee-Alternative so vordergründig mit Röstaromen protzt, können die in der Tasse auch sehr schnell zu viel werden!

Auf der Zunge spielen der hohe Eiweiß- und der gute Fettgehalt der Lupine übrigens einen Vorteil aus und schaffen den Eindruck von Körper und Rundlichkeit, den andere Kaffeealternativen so schmerzlich vermissen lassen. Wahrscheinlich meinen viele Rezensenten auch das mit „Lupinenkaffee kommt ans Original sehr nah ran“.

Preislich ist die Range bei Lupinenkaffee fast so groß wie bei Kaffee selbst. Wie schon erwähnt, solltet ihr nicht aufs Preisschild schielen, sondern vielmehr darauf achten, dass der Kaffee-Ersatz erstens diverse Bio-Siegel trägt und zweitens am besten nach den strengsten Richtlinien der Bioverbände hergestellt wurde. Ein simples EU-Bio-Siegel finde ich weniger vertrauenswürdig als etwa das Bioland-Siegel.

Lupinenkaffee kann vieles. Aber sollte dennoch bescheidener beworben werden.

Wenn es um die Nähe zum Original geht, kann sich Lupinenkaffee tatsächlich ein Krönchen aufsetzen. Solange man mit Original vor allem dunkle Röstungen meint. Da müssen andere Kaffee-Alternativen schlicht schneller passen.

Lupinenkaffee ohne Koffein

Beim Thema Gesundheit sollte Lupinenkaffee allerdings nicht ganz so rumprahlen. Denn Allergene, Toxine und die gern wegdiskutierten Säuren machen die scheinbar „gesündere Wahl“ schnell zu einem Rechenspiel, bei dem Kaffee fast besser wegkommt.

Ökologisch muss ich aber zugeben, dass die heimische Lupine der Kaffeebohne durchaus den Rang ablaufen kann, eben weil sie direkt bei uns auf dem Feld steht. Dem können wir Kaffeefans nur mit hochwertigen Röstungen aus Direktvertrieb entgegen argumentieren.

Eigentlich will ich euch auch gar nicht von Lupinenkaffee abraten, ich will nur unbedingt festhalten, dass es sich gerade bei diesem Hype-Produkt unheimlich lohnt, hinter das Werbe- und Heilsversprechen-Geplapper zu gucken.

Nein, Lupinenkaffee ist definitiv nicht gesünder, besser, schonender oder sonstwas. Und mit Kaffee hat er auch nur im geringen Maße etwas zu tun. Wer von euch auf Koffein verzichten will, findet hier jedoch sicher eine brauchbare Alternative.

Allerdings solltet ihr dann in unserem demnächst erscheinenden Test und Text zu entkoffeiniertem Kaffee noch einmal genauer hinschauen. Denn hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Jaja, entkoffeiniert ist nicht koffeinfrei. Das kann der Lupinenkaffee tatsächlich besser.

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