Kaffee in der Schwangerschaft: Wie viel Koffein ist erlaubt?

Vor einiger Zeit habe ich mich damit auseinandergesetzt, ab wann Kinder (bzw. Menschen) Kaffee trinken dürfen (sollten). Es ist daher nur logisch, dass wir noch weiter von der „Kaffeebar im Kindergarten“ zurückspulen und uns fragen, wie es mit Kaffee in der Schwangerschaft aussieht.

Schwangerschaft Kaffee und Koffein

Vor einiger Zeit habe ich mich damit auseinandergesetzt, ab wann Kinder (bzw. Menschen) Kaffee trinken dürfen (sollten). Es ist daher nur logisch, dass wir noch weiter von der „Kaffeebar im Kindergarten“ zurückspulen und uns fragen, wie es mit Kaffee in der Schwangerschaft aussieht.

Kaffee bzw. Koffein und Schwangerschaft sind zwei Dinge, die so gut zusammenzupassen scheinen wie ein Gasleck und offenes Feuer. Das Risiko negativer Auswirkungen des Alkaloids auf das Baby, sein Geburtsgewicht und andere Faktoren scheint hoch. 

Verzichten klingt also richtig und Tee wirkt gesünder. Aber wer will schon auf seine Dosis Latte Macchiato verzichten – das kann doch nicht so schlimm sein, oder? Falls das stimmt, wie viele Tassen wären dann okay? 

Selbstverständlich bin ich erstens kein Arzt und zweitens keine Frau. Darum soll euch dieser Ratgeber nur einen Überblick vermitteln. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Bevor ihr Entscheidungen zu gesundheitlichen Themen trefft, lasst euch von Ärzten beraten, nicht von Kaffeebloggern.

Kaffee in der Schwangerschaft: Tasse voll, Baby in Gefahr?

Die aktuelle Empfehlung ist für alle Phasen der Schwangerschaft gleich: Bis zu 200 mg Koffein pro Tag dürft ihr genießen. Laut unserer Koffein-Studie entspricht das in etwa 250 Millilitern Kaffee aus dem Handfilter (185 mg Koffein).

Forscher haben ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt ab einer täglichen Koffeinmenge von 300 Milligramm in einzelnen Untersuchungen nachgewiesen. Das käme laut unserer Labormessung in etwa fünf Espresso gleich (68 Milligramm pro Shot).

In einem Cappuccino mit 200 Milliliter sind nach unserer Labormessung 68 Milligramm Koffein enthalten, wenn er mit einem einfachen Espresso zubereitet wird. Besprich dich auf dieser Grundlage mit deinem Arzt.

Kaffee ist während der Schwangerschaft nicht grundsätzlich schädlich, solange ihr es nicht übertreibt und euer Arzt grünes Licht gibt. Für die meisten gesunden Frauen ist ein Richtwert von maximal 200 Milligramm Koffein pro Tag unschädlich – etwa zwei Tassen Filterkaffee.

Es gibt vereinzelte Untersuchungen, in denen Forscher eine Empfängnis-Beeinträchtigung ab 500 Milligramm Koffein täglich festgestellt haben. Das entspricht rund sieben Espresso täglich – über einen längeren Zeitraum.

Alles, was die Mutter isst und trinkt, gerät über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen. Also kriegt das Baby auch die Auswirkungen des Koffeins ab. Aber was sind die Folgen und sind sie wirklich so ungesund für schwangere Frauen und ihre Ungeborenen?

Wer online nach Informationen sucht, wird mit Horrormeldungen konfrontiert. Da ist von Problemen bei der Empfängnis, frühzeitigen Wehen, verzögertem Wachstum und sogar zu geringem Geburtsgewicht die Rede. Kreislauf und Verdauung der Frauen sollen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das alles stößt in dasselbe Horn, in das auch alle anderen Meinungen zur Frage, ob Kaffee gesund ist, kräftig hinein tuten. Die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und ist bisher nur zu einem wirklichen Ergebnis gekommen: Schaden kann er nur unter ganz bestimmten Umständen.

Konsum, Menge, Kaffee: Schwangerschaft & der aktuelle Stand der Koffein-Wissenschaft

Wie bei allen diesen Themen finde ich es enorm wichtig, dass wir uns erstens nur auf offizielle Quellen, zweitens nur auf Fakten und drittens nur auf den aktuellen Wissensstand berufen. In Bezug auf Kaffee in der Schwangerschaft sieht es momentan so aus:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat auf Basis der Scientific Opinion on the safety of caffeine der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgehalten, dass…

  • Eine gewisse Menge Koffein pro Tag ist unbedenklich ist und
  • Es einen Unterschied macht, aus welcher Quelle das Koffein stammt. 

Laut EFSA nimmt der durchschnittliche Erwachsene 37 bis 319 Milligramm Koffein pro Tag auf – und zwar nicht nur in Form von Kaffee, sondern auch aus Tee, Schokolade, Kakao usw. 

Der Gesamtkonsum ist der entscheidende Faktor für die Forscher und auf ihm beruhen die generellen EFSA-Empfehlungen für alle gesunden Erwachsenen:

  • Bis zu 400 Milligramm pro Tag sind für die Allgemeinbevölkerung „unbedenklich“, wobei eine Menge von etwa 200 Milligramm nicht überschritten werden sollte. Ihr solltet euren Kaffeekonsum also gut verteilen.
  • Schwangere sollten nur bis zu 200 Milligramm insgesamt pro Tag aufnehmen – aus allen Quellen zusammen!

Das Deutsche Ärzteblatt bezog sich 2008 auf eine Untersuchung, die im „Journal of Obstetrics and Gynecology“ veröffentlicht wurde. Die Forscher berichteten, dass schwangere Frauen, die mehr als 200 Milligramm Koffein konsumierten, ein höheres Risikofür eine Fehlgeburt aufwiesen.

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) unter Berufung auf das „Netzwerk Gesund Leben“ wurde in Studien zudem ein signifikant höheres Fehlgeburtenrisiko ab 300 Milligramm Koffein nachgewiesen.

Wir finden es generell nicht überraschend, dass es nicht der Konsum an sich ist, der gesund oder ungesund ist – ob für Schwangere oder jeden anderen. Die möglichen Auswirkungen sind eher von der Kaffeemenge und wie ihr sie über den Tag verteilt trinkt abhängig. 

Verschiedene Kaffeegetraenke in der Uebersicht

Gesamtmenge: Was ist mit Cola, Red Bull, Tee & Co?

Ich habe schon erwähnt, dass das Alkaloid Koffein auch in Tee, Kakao, Schokolade und anderen Produkten enthalten ist. Von Cola oder Energydrinks müssen wir gar erst nicht anfangen. 

Aber genau die werden beim Koffein-Gespräch gerne vergessen. Was auch etwas über den Stellenwert und die „Gesundheitsversprechen“ verrät, die Kaffee angedichtet werden.

Laut Wissenschaftlern ist es grundsätzlich egal, ob ihr die Koffeinmenge in Form von Latte Macchiato oder Red Bull zu euch nehmt. Frauenärzte sind jedoch kein Fan von Energydrinks. Eine Dose enthält rund 80 mg Koffein – aber auch Taurin, Inosit, Glucuronolacton und Zucker.

Im Grunde geht es hier vor allem um den Chemiecocktail, der den Stoffwechsel in vielerlei Hinsicht durcheinander wirft. Das hat mit Gesundheit nun wirklich nichts mehr am Hut, ob es um Schwangere oder auch alle anderen geht. Auch bei Cola geht es um die gesamte Zutatenliste.

Aber wenn ihr zwei Tassen Milchkaffee trinken wollt oder euch einen Eiskaffee gönnen möchtet, ohne das Wachstum eures Kindes zu beeinträchtigen, go for it! 

Behaltet nur die Milliliter im Auge und schaut zur Sicherheit zum Beispiel in unserer Koffein-Studie nach, wie viel Filterkaffee oder Espresso ihr insgesamt höchstens trinken solltet, ob mit oder ohne Milch.

Arne ueberprueft Koffeingehaelter von verschiedenen Zubereitungsmethoden

Vom Schwanger werden zum Stillen: Kaffeekonsum in verschiedenen Phasen – gibt es einen Unterschied?

Weder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung noch irgendeine andere offizielle Quelle unterscheidet derzeit Richtwerte für den Kaffeekonsum in verschiedenen Schwangerschaftsphasen. Es gibt für die Forscher also nur die beiden Zustände schwanger oder nicht schwanger.

Auch wenn der Einfluss des Koffeins über die Plazenta auf das Kind theoretisch stärker wird, je weiter fortgeschritten die Entwicklung ist, ändert das die Richtlinien für werdende Mütter nicht. Doch bisher gibt es keine zufriedenstellende Studie, die ein mögliches steigendes Risiko bestätigen oder ausschließen könnte.

Genauso wenig gibt es eine Studie, die einen direkten und signifikanten Zusammenhang zwischen eurem Filterkaffee am Morgen und der Fähigkeit zur Empfängnis herstellen kann. Untersuchungen in diese Richtung haben bisher entweder nur kleine Prozentwerte dazu identifizieren können oder einen Zusammenhang mit dem gesamten Lebensstil hergestellt.

Eine Studienlage, die anderes unterstellt, ist viel zu löchrig und konfus. Generell kann also nur festgehalten werden, dass zwei Tassen Kaffee allein – wenn überhaupt – nur für einen Teil einschlägiger Probleme verantwortlich gemacht werden können. Die meisten Forschungsberichte nennen wesentlich häufiger Gifte wie Nikotin und Alkohol.

Erste Wochen: Kaffee in der Frühschwangerschaft

Die ersten Wochen einer Schwangerschaft sind für werdende Mütter eine besonders turbulente Phase, in der sie sich erst einmal in ihrer neuen Realität zurechtfinden müssen. Deshalb besteht hier auch die größte Unsicherheit in Bezug auf das Kaffeetrinken. Aber wie schon erwähnt, gilt:

Sobald eine Schwangerschaft vorliegt bzw. ihr sie mitbekommt, dreht ihr eure Koffeinzufuhr auf maximal 200 Milligramm pro Tag zurück und verteilt den Genuss über den ganzen Tag. 

Laut unserer Koffeinstudie entspricht das etwa: 

  • Zwei kleinen Tassen Kaffee (250 ml schwarzer Kaffee enthalten rund 170 mg Koffein)
  • Oder einem Espresso (mit Milch, Milchschaum oder pur) Single Shot mit 25 ml mit 68 mg

Auch wenn es rein rechnerisch durchaus erlaubt wäre, die Grenze mit drei Tassen Espresso etwas zu dehnen, bleibt ihr mit zwei Portionen auf der sicheren Seite.

Nach der Geburt: Koffeinhaltige Getränke in der Stillzeit

Wenn du dein Baby stillst, nimmt es über die Muttermilch ebenfalls alles auf, was du deinem eigenen Körper zuführst. Also auch das Koffein aus deiner morgendlichen Tasse Kaffee. Generell bleiben Ärzte auch nach der Geburt bei der 200-Milligramm-Empfehlung, allerdings gibt es noch ein paar Besonderheiten für diese Zeit.

Laut DGE, WHO und Frauenärzten, auf die sich zum Beispiel ein Artikel der Zeitschrift „Eltern“ bezieht, sollten Mütter ihren Koffeinkonsum um jeden Stillvorgang herum planen:

  • Erst Baby füttern, dann die Tasse Kaffee trinken – so bleibt genug Zeit bis zur nächsten Runde, damit sich das Koffein aus der Muttermilch abbauen kann
  • Oder ihr stillt direkt nach dem Kaffeetrinken, bevor das Koffein ist noch nicht in die Muttermilch gelangt

Allerdings geht das schneller als gedacht – je nach Kreislauf braucht es nur 20 Minuten, wie zum Beispiel das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Expertenrunde zur Koffeinwirkung auf Kinder 2017 festgehalten hat.

Da das Baby trinken muss, wenn es Hunger hat, lässt sich ein wenig Koffein kaum vermeiden. Es ist schon beobachtet worden, dass zu viel Koffein in der Muttermilch für Bauchbeschwerden, Unruhe und Nervosität bei Neugeborenen gesorgt hat. Ein Zusammenhang zwischen ADHS und Kaffee gehört aber nach aktuellem Stand in die Aluhut-Ecke.

Alternativen für Schwangere & junge Mütter: Caro Kaffee, entkoffeinierter Kaffee & die Sorge ums Kind

Reden Frauenärzte davon, dass Alternativen ohne Koffein doch ein guter Ersatz für Kaffee sind, mögen die sicher nur Schwarztee. Uns geht es schließlich nicht nur um den Geschmack, sondern auch um den Kick.

Die gute Nachricht ist allerdings: Entkoffeinierter Kaffee schickt sich gerade an, einen festen Platz in der Specialty-Coffee-Szene zu erobern und wird folglich immer besser.

Ein wirklich koffeinfreier Alternativvorschlag ist auch das nicht, schließlich lässt sich Koffein aus normalen Kaffeebohnen genauso wenig zu 100 Prozent entfernen wie Alkohol aus alkoholfreiem Bier. Deshalb werden immer wieder Ideen wie Caro Kaffee oder andere Zichorien-Mischungen angepriesen. Die haben aber mit Kaffee wirklich nichts mehr zu tun.

Die bessere Idee ist es daher, gleichzeitig weniger und besseren Kaffee zu trinken – zum Beispiel aus meinen Kaffeebohnen für Vollautomaten. Wenn ihr euch langsam entwöhnen wollt, nehmt ihr zusätzlich entkoffeinierte Bohnen in euer Programm auf.

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Was dürfen Schwangere trinken: Kaffee ist nicht gleich Koffein!

Ich glaube, die wichtigste Erkenntnis zu Koffein und Schwangerschaft besteht darin, dass wir bei der Frage nach der empfohlenen Menge für den täglichen Koffeinkonsum viel zu sehr auf die Tasse Cappuccino schauen, während wir Cola, Tee und Co ignorieren.

Ein leckeres Glas Cappuccino von dem Siemens EQ6 zubereitet

Damit werden die Auswirkungen von Koffein auf die Gesundheit eures Ungeborenen in manchen Studien bzw. Artikeln falsch interpretiert und führen zu den Schreckensgespenstern rund um das Geburtsgewicht oder enormen Bluthochdruck.

Anstatt pauschal zu verzichten, geht erst zum Arzt, lasst euch durchchecken und trinkt dann in Maßen weiter Kaffee, wenn er euch nicht generell schadet. Das klingt zwar ziemlich einfach, doch genau darum geht es doch:

Eine werdende Mutter muss sich wohlfühlen dürfen. Und das geht nun mal für viele nicht ganz ohne Koffein. Solange ihr es nicht übertreibt, könnt ihr euch täglich den ein oder anderen Espresso oder Latte Macchiato gönnen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema Kaffee, Koffein und Schwangerschaft gemacht? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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