Löslicher Kaffee – Die trübe Brühe

Meine Meinung zu löslichem Kaffee kennt ihr wahrscheinlich bereits: Instant Kaffee. Wenn nicht, dann fasse ich euch das nochmals kurz zusammen: Ich finde ihn absolut überflüssig und ein geschmackliches Desaster. Zu verdanken haben wir das Gebräu den Schweizern. Ok, genau genommen der Schweizer Firma Nestlé, die als erstes Unternehmen in die Instant-Kaffee-Massenproduktion einstieg und ihren Nescafé 1938 auf den deutschen Markt warf. Dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern der Welt haben wir auch die Kaffeekapseln von Nespresso zu verdanken.

Nun mag man sagen, dass der lösliche Kaffee zu einem Zeitpunkt auf der Bildfläche erschien, zu dem lang haltbare und lagerfähige Produkte einigermaßen sinnvoll waren. Für mich aber absolut nicht nachvollziehbar ist, wie man Instant-Kaffee nicht nur als praktisch – weil: Geht schnell und kann ohne „Qualität“sverlust lang gelagert werden –, sondern sogar als besser als Bohnenkaffee empfinden konnte oder kann.

Hier ein mittelmäßig kritischer Beitrag zum Thema vom SWR. Schön für 15 Minuten Berieselung, ohne Ecken und Kanten. Teilweise mit wenig akkuraten Informationen! Und eindeutig mit zu viel Nescafé Logo!

https://www.youtube.com/watch?v=-J_SVTW9VaI

Klar, Bohnenkaffee war teurer und sicher hat das viele Kaffeetrinker seinerzeit in die Arme der Kaffeekrümel getrieben. Aber, dass löslicher Kaffee besser geschmeckt haben oder besser schmecken soll, als frisch gebrühter Bohnenkaffee, halte ich für ein Gerücht. (Und ja, ich weiß, dass Geschmäcker verschieden sind. Nur ist löslicher Kaffee für mich keine Frage des (guten) Geschmacks). Zum Kaffee kochen gehört das Kaffee kochen einfach dazu!

Wie kommt der Kaffee in die Krümel?

Auch Instant-Kaffee ist irgendwie Bohnenkaffee, nur in einem veränderten Zustand. Damit aus der Bohne aber lösliches Krokantpulver wird, muss der geröstete und gemahlene Kaffeeextrakt noch in Form gebracht werden. Damit aus dem Kaffeepulver die typischen Krümel werden, setzen die Hersteller meist die sogenannte Gefriertrockung ein. Dabei wird das Kaffeepulver mit Sauerstoff vermischt und der entstandene Schaum zunächst so lange gekühlt, bis eine cremige Masse entsteht. Im nächsten Schritt wird die Masse erst schockgefrostet, danach kleingemahlen und den Eiskaffeekrümeln der letzte Rest Wasser entzogen. In Dosen und Gläser verpackt kommt er dann als löslicher Bohnenkaffee in den Handel. Kaffeebohnen sind was anderes.

Kaffee der sich im Wasser auflöst

Ein anderes Verfahren zur Herstellung von Instant-Kaffee ist die sogenannte Sprühtrocknung. Dabei wird dem Kaffeeextrakt das Wasser entzogen, indem es mit heißer Luft „besprüht“ wird. Was bei dieser Verarbeitung auffällt ist, dass der lösliche Kaffee nicht die charakteristische Krümelform erhält. Hier bleibt das Pulver Pulver. Nur, dass es sich nach dem Trocknen eben in Wasser auflöst. Der so gewonnene Kaffeestaub findet vor allem in Instant-Kaffeemischungen Verwendung. Also in solchen Frappé-Pulvern, Cappuccinos, Eiskaffees und dergleichen, die mit heißem Wasser aufgegossen angeblich ein schnelles, wohlschmeckendes Kaffeeerlebnis kredenzen sollen.

Koffeinkick aus der Dose – Löslicher Kaffee

Wichtig ist, auch hier nochmals zu erwähnen, dass die löslichen Kaffees, die in Deutschland auf dem Markt sind, gesundheitlich unbedenklich sind. Bei der Herstellung von Instant-Kaffee-Produkten dürfen keine Chemikalien oder Stoffe, die ein potenzielles Gesundheitsrisiko bergen, eingesetzt werden. Wer Kaffee verträgt, verträgt ihn problemlos auch in Krümelform, weil der einzige Inhaltsstoff in löslichem Kaffee eben Kaffee ist. Aber Kaffee ist eben nicht gleich Kaffee und in diesem Produkten werden sicher keine guten Bohnen verwendet. Entsprechend der Mischung aus Arabica- und / oder Robustabohnen, aus denen der lösliche Kaffee besteht, hat er auch mehr oder weniger Koffeingehalt. Mittlerweile gibt es aber auch koffeinfreien Instant-Kaffee.

Anders sieht es da aber schon bei Kaffee-Mischgetränken wie löslichem Cappuccino aus. Der Kaffee- und damit auch der Koffeinanteil in diesen Pulvern ist so gering, dass Testlabors teilweise Schwierigkeiten haben, ihn überhaupt nachzuweisen. Damit ist zwar löslicher Kaffee, wenn man von der Geschmackskomponente einmal absieht, für einen Instant-Koffeinkick gerade noch so geeignet. Alle anderen Pulverkaffeevariationen aber schon nicht mehr. Davon bekommt ihr höchstens einen Zuckerschock. Und im besten Fall kurbelt der hohe Zuckergehalt in Instant-Frappés und -Cappuccinos euren Kreislauf an. Das Koffein wird es bei diesen Getränken jedenfalls nicht tun. Warum man das Zeug dann überhaupt trinkt, ist mir offen gesagt ein Rätsel.

Instant-Cappuccino

Für einen guten Cappuccino braucht ihr eine Espressomaschine und aufgeschäumte Milch. Oder einen Kaffeevollautomaten. Damit könnt ihr auch Zuhause in kürzester Zeit eine richtig leckere Kaffeekreation zaubern. Und ihr könnt Geschmack und Stärke eures Cappuccinos durch die entsprechende Wahl eurer Kaffeebohnen und der Milch selbst bestimmen. Eigentlich sollte sich die Sache mit Instant-Cappuccino da bereits von allein erledigt haben. Aber immer wieder greifen Leute auf das lösliche Pulver zurück. Versteht ihr das? Also, ich nicht.

Besonders nicht, wenn ich mir die Zutatenliste auf den Cappuccino-Dosen durchlese. Spätestens die sollte wirklich jeden Kaffeefan endgültig abschrecken. Inhaltslisten – das ist gesetzlich so vorgeschrieben – informieren der Reihenfolge nach über die Zutaten, die im Produkt enthalten sind. Der Reihenfolge nach bedeutet: Was an erster Stelle aufgeführt wird, davon ist am meisten drin. Macht euch gerne mal den Spaß, geht in den nächsten Supermarkt und vergleicht die Listen unterschiedlicher Instant-Cappuccinos. Ich kann euch versichern, dass bei keinem die ersten fünf bis sechs Zutaten etwas mit einem echten Cappuccino zu tun haben.

Instant-Cappuccino-Vergleich: Oder das Kabinett des Grauens

Damit ihr euch den Aufwand sparen könnt, habe ich mal zehn solcher löslichen Cappuccinos unter die Lupe genommen. Nestlé behauptet von seinem Nescafé-Cappuccino aus der Tüte, dass er „[s]o lecker wie im Coffeeshop“ sei. Bloß gut, dass Kaffee in großen Kaffeehausketten immer so unglaublich lecker schmeckt, oder?! Und selbst, wenn dem so wäre, dürfte man doch erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussage der Nestlé-Marketingabteilung haben. Zumindest wird im Coffeeshop nicht mit löslichem Kaffee gearbeitet und Koffein nicht durch Zucker ersetzt.

AnbieterBrennwert / 100 gHauptzutatenAnteil Instant-Kaffee
Aldi423 kcal
Zucker, Magermilchpulver, löslicher Bohnenkaffee 16,00%
Mount Hagen398 kcal
Magermilchpulver, Rohrzucker, löslicher Bohnenkaffee16,00%
Nescafé400 kcal
Magermilchpulver, Glukosesirup, löslicher Bohnenkaffee
15,20%
Schneekoppe427 kcalMagermilchpulver, Kaffee-Extrakt, gehärtetes Pflanzenfett13,00%
Rewe380 kcalSüßmolkenpulver, Kokosfett, löslicher Bohnenkaffee12,00%
Jacobs428 kcalZucker, Glukosesirup, Kokosfett 9,80%
Röstfein420 kcalZucker, Glukosesirup, Kokos-/Palmfett9,00%
Krüger377 kcalSüßmolkenpulver, Zucker, löslicher Bohnenkaffee
6,00%
Melitta379 kcalZucker, Süßmolkenpulver, Glukosesirup
5,00%
Tchibo408 kcalZucker, Magermilchpulver, Kokosfett 5,00%
Bei fünf Instant-Cappuccinos aus meiner Liste ist die Hauptzutat reiner Zucker.

Drei Hersteller setzen bei ihren Cappuccino-Pulvern auf eine Basis aus Magermilchpulver und zwei gehen mit Süßmolkenpulver gleich so richtig in die Vollen. An nächster Stelle der meisten Cappuccino-Pülverchen: Maltodextrin. Ebenfalls eine Zuckerart, die außerdem konservierende Eigenschaften hat. Und teilweise wird den Instant-Cappuccinos auch Kakaopulver beigemischt. Noch süßer geht eigentlich kaum. Und das soll dann schmecken wie ein home-made Cappuccino oder einer aus dem Coffeeshop? Also, bitte!

Zu viel Zucker!

Das einzige, was diese löslichen Cappuccinos mit einem echten Cappuccino gemeinsam haben, ist der Name, unter dem sie verkauft werden und der Umstand, dass in der frischen Milch im selbst gemachten „Cappu“ ebenfalls Milchzucker vorhanden ist. Alles andere ist Schönfärberei und – ja, ich sag’ es so deutlich – Täuschung der Kunden.

Diese schütten mit jeder Tasse „Cappuccino“ aus der Dose einfach nur unglaublich viel Zucker und Konservierungsmittel in sich hinein. Und dass süß irgendwie immer gut schmeckt, beweisen schon Tests mit Babys. Kein Wunder also, dass Instant-Cappuccinos „schmecken“. Hier die „wichtigsten“ Zutaten kurz erklärt:

Was ist Süßmolkenpulver?

Zunächst mal: Molke ist ein natürliches Produkt, das bei der Herstellung von Käse anfällt. So weit, so fein. Nachdem die Süßmolke getrocknet ist, entsteht Süßmolkenpulver. Süßmolke besteht vor allem aus Eißweiß und Milchzucker, der etwa halb so süß ist wie Industriezucker.

Was ist Magermilchpulver?

Magermilchpulver klingt erstmal gar nicht so wild. Ist ja immerhin mager, also kann es schon einmal nicht fett sein und süß ist auch eher unwahrscheinlich. Richtig? Falsch! Ähnlich wie Süßmolkenpulver besteht auch Magermilchpulver zu großen Teilen aus Milchzucker.

Was ist Glukosesirup?

Glukose ist eine Zuckerart, die vor allem aus stärkehaltigen Getreidesorten wie Mais oder Weizen gewonnen wird. Es ist billig und effizient, weil die Eigenschaften von Glukosesirup die damit gesüßten Produkte auch gleich noch länger haltbar machen.

Was ist Maltodextrin?

Eigentlich erklärt sich der Inhalt von Maltodextrin bereits aus dem Namen. Malto kommt von Maltose, das heißt nichts weiter als Malzzucker. Dextrin leitet sich von Dextrose, also Traubenzucker, ab. Ein Fruchtzuckergemisch also, das zwar auch ein bisschen süßt, vor allem aber auch konserviert.

Süß, süßer, Instant-Cappuccino

Eines wird schon allein bei der Betrachtung der Pulver deutlich: Mit Cappuccino haben sie nichts zu tun. Sollte der Geschmack überhaupt auch nur entfernt an den eines Espressos mit Milchschaum erinnern, dann aufgrund von Geschmacksverstärkern und Stabilisatoren. Auch die sind in nicht zu verachtender Menge in diesen löslichen Cappuccinos vorhanden. Instant-Cappuccino ist kein Cappuccino, so einfach ist das. Hier werden unsere Geschmackssensoren vor allem mit gehörig Zucker ausgetrickst.

Zucker im löslichen Cappuccino

Doch selbst wenn man diesen Faktor mal außen vor lässt, bleibt die Frage: Wie kommt zum Beispiel Schneekoppe eigentlich auf die Idee, ein angeblich ungesüßtes Produkt als 30% kalorienärmer, als die gesüßten Konkurrenzprodukte zu vermarkten? Ein Blick in die Kalorientabelle zeigt deutlich, dass das schlichtweg gelogen ist. Denn mit 427 kcal auf 100 g ungesüßtes (im Sinne von: Er wird nach dem Anrühren nicht noch zusätzlich gesüßt) Cappuccinopulver liegt Schneekoppe sogar über dem Durchschnitt (404 kcal) der 10 Sorten aus meiner Tabelle.

Und noch etwas wird bei der Aufstellung erkennbar: Auch der Koffeingehalt hält sich in mehr als engen Grenzen. Ehrlich gesagt frag ich mich sowieso, wieso die Hersteller solche Instantpulver überhaupt als „Kaffeespezialitäten“ anbieten dürfen: Kaum Kaffee, dafür umso mehr Zucker und Emulgatoren. Ich werde meinen Cappuccino dann doch lieber weiterhin selbstgemacht genießen. So wichtig kann mir die Zeitersparnis von löslichem Kaffee und Instant-Cappuccino gar nicht sein.

  • Foto-Quellen: depositphotos.com/urfingus/Pilligrim/Ai825/robynmac

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