Kaffeevollautomat einstellen: Von der Füllmenge bis zu den Kaffeebohnen

Sieht nicht gut aus, läuft nicht ordentlich durch – und schmeckt auch nicht so richtig: Selbst der beste Kaffeevollautomat produziert nur dann ordentlichen Espresso, wenn ihr das Gerät kennenlernt und anständig einstellt.

Sieht nicht gut aus, läuft nicht ordentlich durch – und schmeckt auch nicht so richtig: Selbst der beste Kaffeevollautomat produziert nur dann ordentlichen Espresso, wenn ihr das Gerät kennenlernt und anständig einstellt.

Da ihr mich immer wieder mit Details zu dieser Frage bombardiert, fasse ich meine Tipps für perfekten Kaffee und Espresso aus dem Vollautomaten endlich einmal in einem Ratgeber zusammen.

Für die Gucker unter den Lesern gibt es dazu mal wieder ein Video:

Wie ihr dort seht, müsste ich theoretisch für jedes Gerät aus meinem Kaffeevollautomaten Test einen eigenen Text verfassen. Denn jeder Hersteller geht die Sache etwas anders an – im Menü, über Rädchen oder Knöpfe, mit und ohne Doppelbelegung.

Die grundsätzlichen Parameter bleiben jedoch immer gleich. Und darum geht es hier.

Was sollte ich am Kaffeevollautomaten einstellen?

Es ist komplett egal, ob ihr euch einen günstigen DeLonghi Magnifica ECAM 22.110.B oder einen ultra-hochpreisigen Jura Z8 holt: Jeder Kaffeevollautomat muss individuell kalibriert werden – und jeder bringt die dafür notwendigen Einstellmöglichkeiten mit.

Zwar gibt es Unterschiede bei der Feinteiligkeit. Nicht jeder Hersteller lässt euch zum Beispiel beim Mahlgrad mit 13 Stufen so viele Freiheiten wie ein x-beliebiger DeLonghi Kaffeevollautomat.

DeLonghi ECAM 22.110.B Kaffeevollautomat Mahlgrad einstellen

Aber selbst drei Mahlgradstufen sind dazu da, dass ihr sie versteht, verstellt und richtig im Verhältnis zu den anderen Parametern kalibriert.

Wenn ihr euer Gerät das erste Mal auspackt und befüllt, solltet ihr entweder in meinen Kaffeevollautomaten Tests oder in der jeweiligen Betriebsanleitung folgende Faktoren suchen:

  • Mahlgrad – so fein wie nur möglich
  • Brühtemperatur – rund 94 Grad Celsius
  • Kaffeemenge – mehr ist meist besser
  • Bezugsmenge – für einen einfachen Espresso möglichst 25 ml
  • Kaffeebohnen – kein Industriemist

Wenn ihr beim Vollautomaten wirklich alles falsch machen wolltet, müsstet ihr demzufolge den Mahlgrad grob, die Kaffeepulvermenge klein und die Bezugsmenge groß halten. Und merkwürdigerweise ist das bei vielen Geräten die Werkseinstellung.

Philips EP2220/10 Kaffeevollautomat Espressobezug

Mist rein, Mist raus: Welcher Kaffee für Vollautomaten?

Teuer Geld für den Kaffeevollautomaten ausgeben und dann mit billigen Espressobohnen aus Industrieröstung befüllen? Wer so spart, spart am völlig falschen Ende!

Ganz abgesehen davon, dass Industriebohnen von Melitta bis Tchibo eine Wertschöpfungskette des Grauens vertreten, bringen sie euch in eurer Maschine nichts. Zumindest nicht, wenn ihr mehr als ein „koffeinhaltiges Heißgetränk“ beziehen wollt.

Jura Z8 Kaffeevollautomat Bohnenfach mit Espressobohnen

Vollautomaten als Kompromissgeräte rasieren sehr viel vom eigentlichen Aromenprofil eurer Kaffee- oder Espressobohnen weg. Umso mehr, je unpassender die Einstellungen sind. Darum ist es notwendig, extrem aromatische Bohnen ins Mahlwerk zu kippen.

Doch Aromenvielfalt gibt es nicht im Supermarktregal, wo der Kaffee seit Wochen oder gar Monaten vor sich hin stirbt. Ihr braucht möglichst frisch geröstete Bohnen, die idealerweise einen Monat vor dem Verbrauch verarbeitet wurden. So viel Zeit braucht Espresso, um auszugasen und sein volles Aromenprofil zu entwickeln.

Für mein Video habe ich auf eine der besten Röstereien Deutschlands zurückgegriffen und mal wieder bei Quijote Kaffee bestellt. Was die Jungs und Mädels machen, ist von vorne bis hinten empfehlenswert.

Quijote Espressobohnen Uebersicht

Ihr könnt auch jede andere vertrauenswürdige und transparente Rösterei nehmen. Hauptsache, ihr beherzigt alle Faktoren, die ich im Kaffeebohnen Test detailliert ausgeführt habe.

Lasst euch dabei nicht von einem Label wie „Kaffeebohnen für Vollautomaten“ irritieren. Ein solches Röstprofil gibt es in dem Sinne nicht. Und theoretisch können nicht nur dunkle Espressoröstungen, sondern auch helle Bohnen im Vollautomaten funktionieren.

Allerdings zeigt die Erfahrung, dass stärkere Tastingnoten wie Kakao, Schokolade, Karamell usw. am besten herausgearbeitet werden. Für die Blumigkeit vieler Third Wave-Varianten ist der Vollautomat dann doch zu grobschlächtig.

Eine (!) Packung Industriebohnen könnt ihr euch trotzdem sichern. Denn zum Einstellen des Vollautomaten wollt ihr sicher keine guten Bohnen verschwenden. Hab’ ich im Video zwar gemacht, mache ich aber sonst nicht.

Das Mahlwerk einstellen: Welcher Mahlgrad für den Kaffeevollautomat?

Mit dem Mahlgrad legt ihr fest, wie eng sich das Kaffeepulver in der Brühgruppe zum Puck verdichten lässt. So bestimmt ihr, wie viel Widerstand der Puck gegen das durchgepumpte Wasser erzeugen kann. Und das wiederum legt fest, mit wie viel Druck der Espresso extrahiert werden kann.

Bei einer Siebträgermaschine sind die idealen 9 bar meist problemlos möglich – ihr nutzt schließlich (hoffentlich) eine anständige externe Kaffeemühle. Bei einem Vollautomaten müsst ihr mit dem leben, was ihr habt.

Jura Z8 Kaffeevollautomat Mahlgrad verstellen

Wie schon erwähnt, ist DeLonghi einer der Spitzenreiter in Sachen Mahlstufen. Wollt ihr selbst bei der günstigen DeLonghi Magnifica das Mahlwerk einstellen, habt ihr dazu 13 verschiedene Gelegenheiten.

Euer erster Griff bei jedem Vollautomaten sollte immer Richtung Mahlwerk gehen – egal, ob euer Modell von Saeco oder sonst wem ist. Das wird in den allermeisten Fällen über ein Rad gesteuert, welches ihr im Bohnenbehälter findet. Die Beschriftung ist meist selbsterklärend und spielt mit Symbolen für klein und groß.

Groß könnt ihr komplett ignorieren. Orientiert euch immer in Richtung klein. Gerade preiswerte Kaffeevollautomaten kommen mit ihrer kleinsten Mahlgradeinstellung jedoch manchmal nicht zurecht, das Mahlwerk verkantet.

Philips LatteGo 3200 Kaffeevollautomat Mahlgrad verstellen

Das merkt ihr an komischen Geräuschen oder daran, dass eine verdächtig teerartige Brühe mit Mühe und Not aus dem Auslass kommt. Teilweise liefert der Vollautomat dann nur ein paar wässrige Tropfen, weil das zu feine Kaffeepulver nicht richtig in der Brühgruppe angekommen ist.

So oder so geht ihr dann in den kleinstmöglichen Schritten in Richtung gröber. Für alle Vollautomaten gilt:

  1. Ihr solltet den Mahlgrad nur einstellen, wenn das Mahlwerk läuft! Alles andere ist eine Einbahnstraße nach kaputt.
  2. Bis die neue Einstellung greift, dauert es ein bisschen. Meist sind zwei bis drei Bezüge nötig, bis ihr einen Unterschied seht.

Melitta Kaffeevollautomaten erzählen euch übrigens gerne was vom Pferd und raten dazu, das Mahlwerk für rund 100 Bezüge nicht anzufassen. So ein Quark.

Wenn ihr euer Gerät das erste Mal in Betrieb nehmt, füllt Kaffeebohnen und Wasser ein, startet es und bezieht einen Haufen Espresso, bei dem ihr erst einmal nur den Mahlgrad verstellt.

Wie kann ich die Bezugs- und Kaffeemenge einstellen?

Wenn ich Kaffeemenge sage, meine ich damit meist simultan die Bezugsmenge (also das, was am Ende in der Tasse landet) und die Kaffeepulvermenge, die für einen Espresso Shot benötigt wird. Diese beiden Faktoren gehören eng zusammen.

Der perfekte Espresso (im Einzelbezug) hat eine Füllmenge von 25 ml und nutzt dafür zwischen 7 und 9 Gramm Kaffeepulver. Vollautomaten haben sich meist bei der Mindestfüllmenge zickig und liefern mal 30, mal 40 ml.

Melitta Purista Kaffeevollautomat Uebersicht

Vorbildlich ist hier jedoch beispielsweise der Melitta Purista und er macht euch das Einstellen auch noch sehr einfach: Ihr müsst nur am „Mengenrädchen“ drehen und könnt damit die Bezugsmenge stufenlos verstellen.

Bei Kaffeevollautomaten wie dem DeLonghi Magnifica (Mindestfüllmenge 40 ml) rate ich dazu, dass ihr nicht auf einen Einzelbezug kalibriert, sondern einen Doubleshot mit 40 ml als Espressogrundlage nehmt. Dann sind wir (je nach Lehrmeinung) bei rund 17 Gramm Kaffeepulver.

Da sich der Laie nichts unter 17 Gramm vorstellen kann und ein Vollautomat keine Waage hat, gibt es für die Kaffeepulvermenge meist eine Bohnenskala – eine Bohne ist wenig Pulver („mild“), drei Bohnen sind demnach „stark“.

Auch wenn sich im Alltag und bei unterschiedlichen Röstungen häufig die goldene Mitte als beste Einstellung herauskristallisiert, solltet ihr am Anfang den Kaffeevollautomaten auf die höchste/größte Menge einstellen.

Melitta Avanza Kaffeevollautomat Kaffeemenge

Im Zusammenspiel mit der Bezugsmenge wird der Espresso dann vielleicht etwas stark. Aber genauso, wie wir uns beim Mahlgrad vom Feinsten zum Gröberen tasten, setzen wir bei der Stärke den Overkill als idealen Ausgangspunkt.

Muss ich am Kaffeevollautomaten die Brühtemperatur einstellen?

Es gibt einen guten Grund, warum die Hersteller die Brühtemperatur entweder nicht zum Einstellen freigeben oder den Menüpunkt tief in der Bedienstruktur vergraben: *Eigentlich müsst ihr sie nicht einstellen.

Die optimale Brühtemperatur für Espresso liegt bei rund 94 Grad. Ob die Maschine das nun punktgenau hinkriegt oder nicht, hat für die letztendliche Extraktionsqualität hier kaum Relevanz.

Bei einer Siebträgermaschine würdet ihr eine minimal falsche Temperatur sofort schmecken, im Kompromissgerät Vollautomat eher nicht.

Allerdings mosern viele von euch (zu Recht) oft über einen zu kalten Kaffee – auch wenn das Problem nicht unbedingt in der Maschine liegt, sondern bei zu kalten Tassen.

Die Brühtemperatur wird euch meist ebenso über eine laienfreundliche Skala ausgegeben (niedrig, mittel, hoch o.ä.). Wollt ihr zum Beispiel euren Jura Kaffeevollautomat richtig einstellen, könnt ihr das in drei Stufen tun. Überhaupt sind drei Stufen absoluter Standard im Bereich der Vollautomaten.

Es gibt jedoch kein Standardvorgehen beim Einstellen der Brühtemperatur. Dazu müsst ihr oft länger in der Betriebsanleitung wühlen. Meist versteckt sich der Menüpunkt in den Einstellungen für Heißwasser oder Tee – ergibt ja auch Sinn.

Ich bin mir auch etwas unsicher, ob dieser Faktor nicht vielleicht nur unterschwellig auf den Kaffee wirkt, da Heißwasser für Tee was anderes ist. Es geht also nicht explizit um die Brühtemperatur des Kaffees! Wenn ihr aber dem Boiler sowieso ein wenig Beine macht, hat das sicher auch Einfluss auf den Espresso.

Kaffeevollautomat richtig eingestellt? So erkennt ihr es!

Wollt ihr herausfinden, ob ihr alles richtig gemacht habt, müsst ihr nur euren fünf Sinnen vertrauen. Und es gibt meiner Ansicht nach nicht den perfekten Espresso aus dem Kaffeevollautomaten. Hier spielt euer Geschmack die Hauptrolle, während etwa der Siebträger objektiv falsche Einstellungen weitaus weniger verzeiht.

Ob am Gerät wirklich alles richtig steht, seht ihr nicht nur, wenn das Licht angeht. Guckt eurem Espresso bei der Zubereitung genau zu:

Relativ langsamer, gleichmäßiger Strahl

Zu schnell heißt meist zu grober Mahlgrad (erst in zweiter Instanz zu wenig Kaffeepulver). Zu langsam heißt allerdings meist zu viel Kaffeepulver. Der Mahlgrad im Vollautomaten ist selten zu fein.

Jura Z8 Kaffeevollautomat Espressobezug

Dichte, stabile Crema

Auch wenn ich kein Fan der Crema-Manie bin – schon gar nicht beim Vollautomaten, der dabei trickst: Eine schön getigerte, nicht zuuuu dicke Crema mit geschlossener Oberfläche ist ein sehr guter Hinweis auf die richtigen Einstellungen.

Melitta Avanza Kaffeevollautomat fertiger Espresso

Lasst den Espresso kurz stehen und schaut euch an, wie schnell die Crema zerfasert. Je länger sie hält, desto besser. Kommt sie euch falsch vor, solltet ihr (wenn möglich) die Bezugsmenge runter- und die Kaffeemenge hochstellen. Oder ihr müsst den Kaffeevollautomaten entkalken!

Kompakte Farbe

Is’ klar: Espresso sollte schon schwarz und kompakt in der Tasse aussehen. Könnt ihr durchgucken, solltet ihr auf jeden Fall noch einmal den Mahlgrad, die Bezugsmenge und die Kaffeemenge checken.

Gleichmäßige Geräuschkulisse

Eure Ohren sind ein guter Indikator dafür, ob ihr insbesondere beim Mahlgrad-Einstellen alles richtig gemacht habt. Auch wenn das Mahlwerk vielleicht Krach macht, sollte es gleichmäßigen Krach machen. Zudem sollte beim Zubereiten und Ausgeben nix ruckeln oder rachitisch klingen. Hier ist der Siemens EQ.9 mit seinem flüsterleisen Keramikmahlwerk beispielhaft.

Wenn es irgendwo akustisch hakt, würde ich noch mal von vorne anfangen und alle Einstellungen überprüfen – der Mahlgrad ist wie immer die erste Anlaufstelle.

Ordentlicher Kaffeegeschmack!

Das versteht sich von selbst: Schmeckt euch der Espresso hervorragend, habt ihr (für euch) alles richtig gemacht. Ob es sich dabei dann um Idealeinstellungen handelt, ist im Grund wurscht.

DeLonghi ECAM 22.110.B Kaffeevollautomat fertiger Espresso

Die ideale Durchlaufzeit für einen Single Shot beträgt übrigens normalerweise 25 Sekunden. Da der Kaffeevollautomat aber noch mahlt und macht, solltet ihr diese Angabe nur ein Mal als Referenzwert stoppen. Die sensorischen Eindrücke sind eine viele sicherere Bank!

Habt ihr noch Fragen oder habe ich etwas Allgemeines vergessen? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen. Ansonsten viel Spaß und gutes Gelingen!

Ich freue mich über deinen Kommentar

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