Kann ein Kaffeevollautomat Filterkaffee?

Moin! Ich bin Arne. Nach einigen Jahren als Barista habe ich mich einer Mission verschrieben: mehr guten Kaffee unter die Leute zu bringen. Dafür stellen mein Team und ich eine breite Wissensbasis zum Thema Kaffee für euch bereit.

Wie wir testen | Unser Team

Kalter und heißer Milchschaum? Kein Ding. Vollautomat mit Frappé-Funktion? Na sicher. Sirup, Touchscreens, automatische Entkalkung? Alles möglich.

Kalter und heißer Milchschaum? Kein Ding. Vollautomat mit Frappé-Funktion? Na sicher. Sirup, Touchscreens, automatische Entkalkung? Alles möglich.

Schwarzen Kaffee, wie wir ihn aus Filterkaffeemaschinen gewohnt sind? Ausgerechnet diese Kleinigkeit bekommt kein einziges Gerät aus meinem Kaffeevollautomaten Test 2024 hin. Das ist kein Zufall, sondern liegt in der Natur der Sache:

In diesem Ratgeber zeige ich euch, warum sich Kaffeevollautomat und Filterkaffee ausschließen und was das für eure Kaufentscheidung heißt. 

Außerdem zeige ich euch, wie ihr euch auf Knopfdruck trotzdem (fast) „normalen Kaffee“ abholen könnt, der genauso gut aus dem Moccamaster wie aus einem Vollautomat – zum Beispiel dem Saeco Xelsis Suprema – kommen könnte.

Warum kann kein Kaffeevollautomat normalen Filterkaffee?

Ich glaube, diese Frage gibt es so nur in Deutschland. In kaum einem anderen Land wird schließlich „normaler Kaffee“ so sehr mit Filterkaffee assoziiert. Melitta Benz und Jacobs Krönung sei Dank. 

Wir sind es gewohnt, Kaffeepulver in einen Papierfilter zu schaufeln, einen Knopf zu drücken und uns zehn Minuten später eine volle Kaffeekanne abzuholen.

Moccamaster Kaffeemaschine Kaffeepulver in Filter

Als der Vollautomat zum neuen Küchenfavoriten aufstieg, sind wir natürlich davon ausgegangen, dass auch diese Maschine mit der Zubereitungsart klarkommt – sie kostet schließlich um einiges mehr als simple Kaffeemaschinen und trägt den Namen „VOLLautomat“ nicht umsonst.

Hersteller von Kaffeevollautomaten tun außerdem alles dafür, uns in diesem Glauben zu lassen. Kaffeevollautomaten mit Kannenfunktion suggerieren genauso ein Gefühl von Filterkaffee wie typische Getränke-Namen im Vollautomat-Menü. Bei Jura bekommt ihr zum Beispiel einen „Kaffee“, Siemens will uns einen „Milchkaffee“ servieren.

Spätestens, wenn der Vollautomat auf der Arbeitsplatte steht und ihr ihn das erste Mal ausprobiert, kommt oft etwas Enttäuschung auf. 

Der Automatenkaffee schmeckt anders als das Original, die Menge pro Bezug kann nicht mit den gewohnten Portionen mithalten und das Ganze ist auch noch ziemlich aufwendig. Warum ist das so?

Filterkaffee oder Vollautomat: Zwei Prinzipien, ein Ziel

Coffeeness Bohnen in beiden Haenden

Filterkaffee entsteht, wenn ihr frische Kaffeebohnen mit einem mittleren Mahlgrad locker in einen Papier- oder Stofffilter gebt und in etwa drei Minuten heißes Wasser darüber laufen lasst.

Die langsame Extraktion gibt den Kaffeebohnen genug Zeit, alle ihre entscheidenden Stoffe freizugeben. Der Filter wiederum hält vor allem Kaffeeöle und kräftigere Aromenbestandteile zurück, sodass auch sehr feine oder blumige Nuancen in der Tasse eine Chance haben.

Ein Vollautomat schickt frisch gemahlenen Kaffee in einem feinen Mahlgrad in die Brühgruppe, wo er verdichtet und anschließend mit heißem Wasser „beschossen“ wird. Dabei wird Druck aufgebaut, das Ganze dauert je nach Füllmenge kaum 40 Sekunden.

Dieses direkte Prinzip sorgt für die typische Aroma-Intensität, die wir von einem Espresso erwarten. Die Kaffeeöle sind hier elementarer Bestandteil des Geschmacks und Mundgefühls, Bitterstoffe und Röstaromen ebenso. Ein Espresso ist an sich gar nicht darauf ausgelegt, ihn groß und breit zu verlängern.

Denn der feine Mahlgrad schafft eine wesentlich größere Oberfläche. Kommt diese zu lange mit Wasser in Kontakt, gerät die Extraktion schnell in Schieflage.

Sobald ihr dem Vollautomat eine Kaufvariante befehlt, setzen die Maschinen trotzdem einfach auf mehr Wasser pro Bezug. Manche hochwertige Geräte wie der Jura Z10 mit seiner „Cold Brew-Funktion“ nehmen zusätzlich etwas Druck raus.

Jura Z10 Kaffeevollautomat Fertiger kalter Kaffee

Hier gibt es eine schmale Grenze zwischen etwas mehr Wasser und Kontaktzeit und einer wässrigen Lösung. Diese Grenze beherrscht bei weitem nicht jeder Kaffeevollautomat.

Doch an keiner Stelle in diesem Verfahren kommt irgendeine Form von Filter ins Spiel. Darum schmeckt ihr einem „normalen Kaffee“ aus dem Vollautomat immer an, dass er aus einem Vollautomat kommt.

Vorteile & Nachteile: Welcher Typ seid ihr?

Ist das nun gut oder schlecht? Es ist vor allem eine Frage der Erwartungshaltung. Klassischer Filterkaffee aus einer Kaffeemaschine wie der Gastroback Design Brew Advanced – oder sogar aus dem Handfilter – lässt sich meist hervorragend in rauen Mengen trinken.

Gastroback 42706 Design Brew advanced vorne

Er ist (je nach Bohnen) sehr weich, angenehm facettenreich und einfach eine runde Sache. Kommt der Kaffee aus dem Vollautomat, merkt ihr ihm oft an, dass eigentlich ein Espresso rauskommen sollte, der mit Wasser verlängert wurde.

Außerdem ist Kaffee aus dem Vollautomat im Kern dichter und vorlauter, fühlt sich im Mund und auf der Zunge auch so an und kommt je nach Gerät auch noch mit einer mehr oder minder dicken Crema daher. Schließlich wurde uns dieses Merkmal als Qualitätsfaktor für gelungenen Espresso eingehämmert.

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Beide Geschmackswelten haben (zu Recht) ihre Fans, doch sind sie eben nicht beliebig austauschbar. Auch auf funktioneller Ebene stehen sich Vollautomaten und Kaffeemaschinen direkt gegenüber – und bestimmen, welcher Maschinentyp ihr seid.

Kaffeemaschinen

VORTEILE

  • Sind selbst als Luxusausführung wie als Beem Basic Selection Pour Over eher günstig
  • Brauchen kaum Platz und keine (großen) Benutzerkenntnisse
  • Können so viel Kaffee auf einmal brühen, wie Wasser im Tank ist
  • Sind leise und einfach zu reinigen
  • Bereiten mit etwas Geschick sehr vielschichtige Getränke
  • Arbeiten mit nur einem Knopfdruck weitestgehend selbstständig

NACHTEILE

  • Können nichts anderes als Filterkaffee
  • Bieten keine bis sehr wenige Einstellmöglichkeiten für die Kaffeezubereitung
  • Benötigen eine extra Kaffeemühle (Ausnahme sind Kaffeemaschinen mit Mahlwerk)
  • Verbrauchen Zubehör (Filter)

Kaffeevollautomaten

VORTEILE

  • Bieten (fast) die gesamte Palette an Kaffeespezialitäten auf Knopfdruck
  • Nehmen euch sämtliche elementaren Handgriffe der aufwendigen Kaffeezubereitung ab
  • Können Milchschaum, Sirup, kalten Kaffee etc.
  • Erlauben Individualisierung und Speicherung eigener Kaffeerezepte
  • Laden zu Experimenten ein

NACHTEILE

  • Können alles außer Filterkaffee
  • Sind aufmerksamkeitsbedürftiger als jedes Haustier
  • Sind erst ab rund 300 Euro empfehlenswert
  • Sind manchmal laut und immer aufwendiger zu reinigen

Kaffeevollautomat mit „Filterkaffee-Funktion“ im Test: So überlistet ihr den Filtermangel

Geht es euch eher um die Menge als um die spezielle Aroma-Intensität von typischem Filterkaffee, bietet euch ein Vollautomat mehrere Möglichkeiten, den Filtermangel auszugleichen.

Je nach Kaffeevollautomat, Marke und Preisklasse bieten die Hersteller verschiedene Langversionen, die euch zumindest schonmal eine größere Kaffeeportion ermöglichen:

  • Caffè Lungo, Long Coffee oder Espresso Lungo: Espresso mit mehr Wasser zubereitet

  • Americano: Einfacher oder doppelter Espressoshot, der anschließend mit Wasser verlängert wird

  • Kaffee Crema: Vollautomaten-Sprech für einen Lungo mit noch mehr Wasser (nach Einstellung)

  • Kaffeekanne oder Kännchen: mehrere Lungo direkt hintereinander bezogen – jeweils mit neuem Mahlvorgang

Professionelle WMF Kaffeevollautomaten sind übrigens die bisher einzigen Geräte auf dem (Gewerbe-) Markt, die von sich behaupten, echten Filterkaffee zubereiten zu können. 

Die Funktion heißt Fresh Filtered Coffee – aber wie sie genau funktioniert, lässt sich nicht nachvollziehen. Auf den hübschen Bildchen ist nämlich kein Filter zu sehen, der Hersteller sagt auch nichts Genaueres zur Technik. Es klingt aber trotzdem gut und triggert abermals die deutsche Filterkaffeewut.

Alle anderen Marken benutzen nie das Wort „Filter“, aber alle sonstigen Worte, die wir mit Filterkaffee assoziieren. Wenn wir über den fehlenden Filter hinwegsehen, gibt es mehr als einen Vollautomat, der einen schwarzen Kaffee gelungen hinbekommt. Zu meinen fünf derzeitigen Favoriten gehören:

  1. Jura S8 (und jeder Jura Kaffeevollautomat) für einen extrem facettenreichen Kaffee

  2. Nivona NICR 799 (und jeder Nivona Kaffeevollautomat) für ein ähnlich abwechslungsreiches Aroma

  3. DeLonghi Eletta Explore für einen sehr feinen, runden Kaffee

  4. Gaggia Accademia für einen sehr kräftigen Kaffee

  5. Siemens EQ.900 für einen einfach rundum aromatischen Kaffee

An meinen Beschreibungen seht ihr, dass hier sehr viel persönlicher Geschmack im Spiel ist. Manche mögen’s kräftig und heiß, andere fein und facettenreich. Ich mag alles, was ein guter Kaffeevollautomat produziert.

Selbstverständlich kommt es am Ende sowieso darauf an, welche Kaffeebohnen ihr in den Vollautomat kippt. Nicht nur in Sachen Vergleichbarkeit, sondern auch in Sachen Kaffee-Aroma kann ich euch dazu einen Blick in den Coffeeness-Shop empfehlen. Völlig objektiv, versteht sich.

Bohnen, Wasser, Mahlgrad, Temperatur: Welche Vollautomat-Einstellungen für den besten „Filterkaffee“?

Es gibt einen guten Grund, warum in meiner Kaffee-Favoriten-Liste nur eher hochpreisige Kaffeevollautomaten auftauchen. 

Einsteiger wie der DeLonghi Magnifica S Kaffeevollautomat bekommen die Verlängerung von Espresso zu Kaffee selbst mit den besten Bohnen nur halbherzig hin. Durch die weniger präzise Technik und schwächere Pumpen entsteht oft ein etwas wässriger Kaffee.

DeLonghi ECAM 22110B Espresso neu

Aber: Bei wirklich jedem Kaffeevollautomat könnt ihr selbst eine Menge dafür tun, dass euer Vollautomat-Kaffee dem Vergleich zum „richtigen“ Kaffee standhält. Dazu setzt ihr am besten auf vier grundlegende Einstellungen:

Nehmt stets dieselbe Einstellung wie für Espresso – also so fein, wie es geht. Durch den direkten Kontakt von Kaffeepulver und Wasser in kürzester Zeit brächte euch ein gröberer Mahlgrad nur noch mehr Wässrigkeit.

Mit 120 Milliliter Füllmenge findet ihr bei den meisten Vollautomaten die optimale Mischung aus Dichte und Länge. Beim Melitta Latticia gibt es keine Milliliter-Angabe, hier stellt ihr den Kaffee auf Stufe 2,5. Beim WMF Perfection sind 100 Milliliter die bessere Wahl. Selbstverständlich könnt ihr etwas rumprobieren, um eure persönliche Ideallinie zu finden.

Heißes Wasser ist heißer als heißer Kaffee. Damit das Verhältnis stimmt und ihr euch beim Trinken nicht sofort die Zunge verbrennt, stellt ihr die Temperatur stets (mindestens) eine Stufe niedriger als für Espresso. Das ist insbesondere bei Gaggia Kaffeevollautomaten empfehlenswert, die in Sachen Brühtemperatur derzeit Spitzenreiter sind.

Damit aus euren Kaffeebohnen sowohl ein dichter Espresso als auch ein dichter Kaffee kommt, solltet ihr weder eine zu dunkle noch eine zu helle Röstung verwenden. Setzt auf Varianten mit einem vielseitigen Süßnoten-Profil. Dem tut es nicht weh, wenn es verlängert oder in die Breite gewalzt wird. Zu starke Bitternoten oder zu fruchtige Elemente sind hier eher fehl am Platz.

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Kaffeevollautomat vs. Filterkaffeemaschinen: Was heißt bei Kaffee schon normal?

Auf den ersten Blick wirken Filterkaffeemaschinen im Vergleich zu Geräten aus meinem Kaffeevollautomaten Test 2024 kaum wie Konkurrenz: Vollautomaten können alles, Kaffeemaschinen nur eins.

Allerdings ist diese eine Sache eben auch etwas Besonderes: Guter Filterkaffee in rauen Mengen – ganz ohne komplizierte Technik oder teure Anschaffungen – ist mindestens genauso gut wie ein topschichtiger Latte Macchiato.

Darum solltet ihr nicht reflexartig einen Kaffeevollautomat kaufen, sondern ihn und eure Ansprüche miteinander vergleichen.

Oft kommt dabei heraus, dass sich etwa eine Philips Gaia Kaffeemaschine für rund 60 Euro und ein Philips Kaffeevollautomat für mehrere hundert Euro nichts nehmen. Denn am Ende kommt es nur darauf an, was ihr wollt.

Und was wollt ihr? Verratet uns in den Kommentaren, ob ihr Team Vollautomat oder Team Filterkaffeemaschine seid!

Dein Kaffee-Experte
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Arne Preuss

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