Cotti Coffee im Test: China-Schrott aus dem Vollautomaten?

Moin! Ich bin Arne, Ex-Barista und Kaffee-Nerd bei Coffeeness. Seit Jahren teste ich mit meinem Team Vollautomaten, Siebträgermaschinen und Bohnen – ehrlich, unabhängig und mit viel Leidenschaft. Unser Ziel: euch beim perfekten Kaffee zu helfen. Und wer mag, findet im Coffeeness-Shop auch unsere eigenen Bohnen und hochwertiges Zubehör.

Transparent erklärt: Wie wir testen

Hätte es LAP Coffee nicht gegeben, hätten die deutschen Medien über den Markteintritt von Cotti Coffee kaum geschrieben. Aber das blau-weiße Berliner Start-up und die chinesiche Kaffeekette folgen demselben grundlegenden Konzept und müssen sich dieselben Vorwürfe gefallen lassen:

Kaffee aus dem Kaffeevollautomaten zu Dumpingpreisen, Konzentration aufs Coffee-To-Go-Geschäft, Untergang echter Cafés und so weiter und so fort.

Schon eine kurze Analyse des Cotti-Geschäftsmodells und vor allem ein Besuch in einer Filiale verdeutlicht, warum sich niemand vor Cotti fürchten muss. Aber vor allem verdeutlicht unser Cotti Coffee-Test, wie heuchlerisch die medialen und oft auch realen Reaktionen auf LAP waren.

Von wegen neuer Player: Wer ist Cotti Coffee?

Cotti Coffee ist hierzulande zwar ein neuer Name, woanders aber ein Behemoth. Laut Angaben auf der Website unterhält das chinesische Unternehmen weltweit mehr als 18.000 Filialen – die meisten davon China und im asiatischen Raum, aber auch auf anderen Kontineten.

Mit dieser Anzahl ist Cotti etwa laut Business Punk inzwischen die Nummer drei hinter Starbucks und Luckin Coffee – letztere ebenfalls eine chinesische Kaffeekette. 

Unabhängig verifizieren lassen sich diese Zahlen allerdings nicht, da alle Medien nur von Cotti und voneinander abschreiben und je nach Suchmodus auch andere Zahlen auftauchen: Die Meta-Daten für die mobile Cotti-Website sprechen von 5.000 Kaffeeläden, der englische Wikipedia-Eintrag von 7.500. 

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Ein schon etwas älterer Artikel des Guardian scheint zumindest zu bestätigen, dass Cotti (in China) wirklich mit Starbucks und Luckin um die vorderen Plätze konkurriert. Gegründet wurde das Unternehmen 2022 von Lu Zhengyao und Qian Zhiya, zwei ehemaligen Executives von Luckin, die dort angeblich wegen Bilanzfälschung rausgeflogen sind, wie etwa der Spiegel berichtet.

Fest steht lediglich, dass das Unternehmen jetzt mit aller Macht nach Deutschland dringt. Seit Anfang 2026 wurden in mehreren deutschen Großstädten gleich mehrere Filialen eröffnet – etwa am Potsdamer Platz und am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße. Viele weitere von Frankfurt bis München sollen hinzukommen.

Niedrige Preise und trendiges Menü? Der Fall “99-Cent-Espresso”

Der Angriff auf Starbucks, Luckin und sogar auf LAP wird bei Cotti über die Preise geführt. Zumindest wirkt es so. Aufhänger ist für die Medien der „99 Cent-Espresso“, der etwa bei falstaff, der WirtschaftsWoche oder beim Focus schon in Überschrift und Vorspann steht. Mit einem solchen Preis kann nicht einmal LAP mithalten, die immerhin 1,50 Euro für den Espresso aufrufen.

Der Witz ist allerdings, dass es den Ultra-Rabatt-Espresso im Grunde nicht gibt. Genauso wenig wie den Americano für 1,99 Euro oder den Café Latte für 2,99 Euro, die Cotti auch vor der Filiale am Potsdamer Platz auf einem Schild bewirbt.

Cotti Coffee Schild

Denn diese Angebote erhält man nur, wenn man sich die Cott-App herunterlädt und sein Getränk darüber bestellt. Natürlich gegen Preisgabe persönlicher Daten und Bereitschaft zur Treue gegenüber der Kette.

Solche digitalisierten Lockangebote kennen wir aus China bereits – Temu ist damit berühmt geworden, Alibaba, Shein und andere Plattformen funktionieren ebenso. Cotti überträgt dieses Prinzip auf Kaffee und addiert einen weiteren Trend: Getränke, die mit Kaffee kaum etwas zu tun haben.

So stehen auf dem Cotti-Menü unter anderem instagramable Drinks wie Matcha Mango Kokos oder Pandan-Drinks, obendrauf gibt es Signatures wie Apfel Americano

Damit wird schnell klar, wer die Cotti-Kunden sein sollen: junge Digital Citizens, die kaum Geld in der Tasche haben, aber gern bunte Drinks im Plastikbecher ins Bild halten, Trends aus Asien verstehen und aufgreifen.

Der Mix aus Kaffee und Frucht ist ein großes Ding in Asien, wo Kaffee noch nicht zur Alltags-Tasse verkommen ist, sondern eine aufregende Alternative zu Tee bietet. Dort wie hier sind junge, visuell geprägte Trendsetter der Motor hinter dem Erfolg.

Cotti-Erfahrungen von Team Coffeeness: Trauerspiel Kaffee

In vielen Vor-Ort-Beschreibungen wie etwa von der ZEIT wird immer wieder darauf eingegangen, dass die Filialen in Berlin, Köln oder Düsseldorf vor allem von asiatisch aussehenden Kunden frequentiert werden.

Was man zunächst als etwas rassistisch geprägte Journalisten-Brille abtun will, bestätigt sich jedoch auch beim Vor-Ort-Besuch von Team Coffeeness in der Cotti-Filiale am Potsdamer Platz. Bis auf eine kleine Gruppe Asiaten herrscht hier jedoch vor allem gähnende Leere.

Das Interieur verbreitet den Charme einer verlassenen McCafé-Filiale kurz vor Ladenschluss. Trotz warmer Holztöne, vergleichsweise vieler Sitzplätze und einem sauber-aufgeräumten Eindruck lädt nichts an diesem Ort zum Verweilen ein.

Man könnte das auf die vergleichsweise frühe Uhrzeit und den unauffälligen Wochentag schieben. Aber der Gegenbeweis wartet gleich nebenan: Bei Exclusive Coffee, einer völlig beliebigen Kaffeekette aus Berlin, herrscht Hochbetrieb. Trotz höherer Preise.

Preis-Ernüchterung beim Blick auf die Speisekarte

Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass bei Cotti eine schnelle Ernüchterung einsetzt, falls man sich von den Zahlen auf dem Werbeschild an die Theke locken lässt. Auf der offiziellen Menütafel stehen nämlich ganz andere Werte. 

Der kleine Cappuccino geht am Potsdamer Platz für 3,10 Euro über den Tresen, der im Netz gehypte Matcha Mango-Kokos-Drink für 4,70 €. Americano kostet 2,70 Euro, Latte 3,10 Euro. Kampfpreise sehen anders aus.

Das ergibt spätestens dann Sinn, wenn man die Mieten dieser erstklassigen Touri-Lage und die im Vergleich zu LAP hohe Quadratmeterzahl betrachtet. Um Kosten zu sparen, wird Kaffee in Pappbechern serviert, bunte Getränke wandern in Plastik. Auch die Personalkosten scheinen niedrig, denn hinter der Theke steht nur eine Kraft.

Cappuccino? Kein Kommentar!

Cotti Coffee Drinks

Dass ein Vollautomaten-Konzept kein geschultes Personal benötigt, stellt sich zumindest in dieser Cotti-Filiale als Trugschluss heraus. Denn die einsame Tresenkraft ist mit ihrem Job zumindest in Sachen Automatenbedienung überfordert.

Es wäre nämlich ein Unding, wenn das, was als Cappuccino mit (kostenloser) Hafermilch serviert wird, wirklich so gemeint ist. Im Becher landet ein komplett wässriges Gemisch, das weder nach Espresso schmeckt noch Milchschaum enthält. Das kriegt wirklich jede andere Kette oder ein ranziger Späti mit Vollautomat besser hin.

Die Qualität ist so unteriridisch, dass der Kaffee schon nach wenigen Schlucken im Ausguss landet. Es keimt der Verdacht, dass Cotti seine Kunden und die Konkurrenz vor allem über die bunten Trenddrinks einzirkeln will.

Denn die Matcha-Mango-Kokos-Variante ist um einiges gehaltvoller und schmeckt genau so, wie man sich solche Drinks vorstellt: vorlaut, viel zu süß, aber genau richtig fürs Foto.Ob sie wirklich fast fünf Euro wert ist, muss jemand entscheiden, der diese Getränke mag.

Beste Bewertungen für Freundlichkeit, null Infos über Kaffeebohnen

Auch wenn die Berliner Cotti-Kraft nicht als Barista durchgeht, ist sie auf jeden Fall so freundlich, wie die zahllosen Online-Bewertungen für den Anbieter allgemein immer wieder behaupten. Nur ersetzt Freundlichkeit eben keinen guten Kaffee.

Natürlich könnte der mangelnde Geschmack auch auf die Kaffeebohnen zurückzuführen sein. Im Laden weist ein prominentes Schild darauf hin, dass der proprietäre Gold Roast und der Platinum Specialty  als Specialty Coffee von der SCA zertifiziert und mehrfach ausgezeichnet worden sind. 

Cotti Coffee Bohnenangaben

Zur tatsächlichen Herkunft oder der Lieferkette erfahren wir (natürlich) nichts. Das überrascht nicht, die Botschaft ist klar: Wir sind eine verantwortungsvolle Marke und machen uns Gedanken über den Kaffee, damit ihr euch keine Gedanken machen müsst.

Wie bei Starbucks und Co wird mangelnde Transparenz auch hier hinter einer Art Fairwashing versteckt, hochtrabende Begriffe wie SCA und ein paar hingeworfene Namen von Ländern sollen darüber hinwegtäuschen, dass der Kaffee-Wettbewerb mit harten Bandagen auf dem Rücken armer Menschen und mit großen Folgen für den Klimawandel ausgetragen wird.

(K)ein zweites LAP Coffee?

Nach all der Ernüchterung über Cotti Coffee drängt sich mir vor allem eine Frage auf: Warum werden die neuen Filialen in Deutschland eigentlich nicht auch mit Farbbeuteln beschmissen

Warum feinden Leute und Medien ein Start-up aus Berlin dermaßen an, während sie eine chinesische Kette mit einer abenteuerlichen Lust auf Expansion und einer fragwürdigen Qualität mehr oder weniger schulterzuckend hinnehmen?

Versteht mich nicht falsch: Farbbeutel-Aktionen wegen angeblicher Dumpingpreise sind komplett daneben. Weder ändern sie die Meinung der Kunden noch sorgen sie für mehr Zulauf bei Konkurrenten in der Nachbarschaft. LAP Coffee geht es prächtig.

Aber warum gibt es keine ähnliche Empörung zu Cotti Coffee? Ich habe dazu eine klare Meinung: Weil wir in vielerlei Hinsicht Heuchler sind.

Ich glaube, dass Cotti Coffee zumindest meinungstechnisch akzeptiert wird, weil wir darauf trainiert sind, chinesische Angebote immer als günstig oder gar billig wahrzunehmen. Vordergründig regen wir uns darüber auf, hintergründig bestellen alle bei Temu.

LAP pisst die Leute an, weil sie aus Deutschland kommen, direkt in die (coolen) Nachbarschaften gehen und damit als Nestbeschmutzer wahrgenommen werden. Cotti besetzt bisher nur seelenlose Touri-Hotspots in der Innen- oder Altstadt von Köln, Hamburg etc.

Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass LAP die Konkurrenten vor allem deshalb aufgeschreckt hat, weil sie nicht nur ein schnelles Pappbecher-App-Konzept, sondern objektiv gute Getränke anbieten. Und das auch noch aus transparenten Bohnen. Wie können sie nur?!

Egal, ob Cotti Coffee noch viele Standorte in Deutschland eröffnet, bessere Qualität in den Becher bringt oder seinen Espresso für 99 Cent auch ohne App-Einsatz zugänglich macht: 

Meiner Meinung nach fügt sich das Unternehmen letztendlich nur als weiterer Anbieter in eine ewig lange Reihe an nichtssagenden Franchise-Kaffeebuden ein. Braucht keiner, ist einfach Markt und Wirtschaft.

Was haltet ihr von Cotti und wie seht ihr meine Einschätzung? Hinterlasst mir gern einen Kommentar!

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