Die Mahlkönig ProM Espressomühle im Test

Die Mahlkönig ProM Espressomühle im Test Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 25. Dezember 2016 von 2

Ich bin mir ziemlich sicher, dass so mancher von euch direkt zum nächsten Artikel weiterblättern wird, wenn er diesen Satz liest: Heute teste ich die Mahlkönig ProM, eine Espressomühle für aktuell knapp 1.100 Euro.

Espressomühle für aktuell knapp 1.100€
Mahlkönig ProM

Gönn Dir! Es geht aber auch günstiger.

In diese Preisgefilde bin ich nicht einmal in meinem ausführlichen Artikel zum Thema Kaffeemühlen vorgedrungen und das hat natürlich einen Grund: Selbst der anspruchsvollste Genießer hat eine preisliche Schmerzgrenze, die in punkto Kaffeemühlen meist unter 1.000 Euro liegt.

Warum also trotzdem dieser Test?

  • Weil ich wissen wollte, was die Profiklasse bei elektrischen Mühlen ausmacht – und ob sie es besser kann als andere Klassen.
  • Weil ich finde, dass ein guter Kaffee-Blog jede Facette beleuchten muss.
  • Und weil ich einfach neugierig war, was die Mahlkönig ProM Espressomühle so leistet.

So viel vorweg: Der Test hat unglaublich Spaß gemacht (weil hey, wie oft darf man schon mit superteuren Geräten hantieren?!) und die Mahlergebnisse waren top. Aber 1.000 Euro kannst du weitaus besser anlegen. Zum Beispiel in eine exzellente Auswahl an Kaffeebohnen. Nur so ein Tipp 😉

Der erste Eindruck

Ein erster Hinweis, dass die ProM nicht für Otto-Normalverbraucher gedacht ist, ist die Tatsache, dass du sie bei Amazon aktuell nur von Drittanbietern erhältst – mit ordentlich Preisaufschlag. Meine Freunde von Coffee Circle bieten sie für rund 1.090 Euro an.

Mahlkönig ProM Test

Mahlkönig ist eine Hamburger Firma, die sich hauptsächlich auf professionelles Kaffee-Equipment spezialisiert hat und den Haushaltsbereich eher nebenbei bearbeitet.

Zudem scheint Mahlkönig nach der Devise vorzugehen, dass eine professionelle elektrische Kaffeemühle wenigstens so viel wiegen sollte wie ein Sack Backsteine.

Als das Paket in meiner Küche ankam, hatte der Bote kleine Schweißperlen auf der Stirn und ich reichlich Mühe, das Gerät aus dem Karton auf den Tisch zu wuchten. Okay, ganz so schlimm war es nicht, aber 6 Kilo sind doch eine ganze Menge.

Mahlkönig ProM
Auch die Größe ist nicht gerade ein Pappenstiel, wie du auf den Fotos sehen kannst. Das ist sowohl dem großen Scheibenmahlwerk aus Stahl zu verdanken, als auch dem Bohnenbehälter mit Deckel, der ordentliche 600 Gramm Bohnen fasst.

Schon diese kleinen Aspekte machen klar, dass die Mahlkönig ProM für wirklich ambitionierte Kaffeefans oder gleich den Profi gedacht ist. So richtig deutlich wird dies, wenn wir einen ersten Blick auf die wichtigsten Verkaufsargumente und Funktionen der ProM schauen:

  • Du kannst alle Einstellungen wie Mahlgrad und -zeit komplett individuell vornehmen und sowohl automatische Profile per Touchscreen programmieren, als selbst jedes Mal den Mahlvorgang stoppen.
  • Wenn du den automatischen Mahlvorgang unterbrichst, setzt die ProM auf Wunsch anschließend das Mahlen an genau der richtigen Stelle fort. Das ist hilfreich, wenn du den Siebträger einmal schief hältst und zwischendurch das Kaffeemehl besser verteilen willst.
  • Du kannst direkt in den Siebträger mahlen, oder den dazugehörigen Auffangbehälter nutzen.
  • Die Maschine zählt die Shot-Anzahl mit und sagt dir auch noch, wann sie gereinigt und gewartet werden möchte.
  • Du kannst Single- und Double-Shots unabhängig einstellen und anschließend mit einem Knopfdruck starten.
  • Die Siebträger-Gabel lässt sich an alle Siebträgerformen anpassen.
  • Die Bohnen werden nur in der benötigten Menge frisch gemahlen. Das nennt sich Grind-on-Demand und gilt als wichtiger Aspekt professioneller Maschinen. Da ich aber finde, dass man das sowieso immer und mit jeder Mühle können sollte, sage ich in diesem Fall „Ja, und?“

Es leuchtet ein, dass du selbst als Kaffeetrinker mit Anspruch nicht jede dieser Funktionen gebrauchen kannst bzw. nicht in dem Umfang, wie es die Mahlkönig ProM Espressomühle verspricht. Und dir dürfte auch aufgefallen sein, dass ständig nur von Espresso die Rede ist.

Tatsächlich widmen sich alle Anstrengungen der ProM ESPRESSO ganz dem kleinen schwarzen Shot, obwohl du damit auch Mahlgrade gestemmt kriegst, die du zum Beispiel für die Handfilterung oder den Espressokocher gebrauchen kannst.

Wenn du aber die gesamte Range der Zubereitungsmethoden (inklusive Filterkaffee) bespielen willst, müsstet du bei Mahlkönig eine ProM-Mühle ohne den Zusatz Espresso bestellen. Die kostet auch nicht weniger.

Das Mahlwerk

Ich persönlich könnte auf die meisten Profi-Funktionen einer Profi-Mühle verzichten, solange das Mahlwerk den Preis rechtfertigt. Und das ist bei der ProM Espresso durchaus der Fall. Zunächst einmal die Eckdaten:

  • Stufenloses Scheibenmahlwerk aus gehärtetem Stahl.
  • Durchmesser Scheiben: 65 mm.
  • Drehzahl: 1650 U/min.
  • schafft 1,5 bis 3,5 g/ Sekunde.

Wenn dir diese Zahlen nichts sagen, ist das vollkommen okay. Du musst dir nur merken, dass dieses Quartett die besten Voraussetzungen für ein Mahlergebnis bietet, das

  1. homogen
  2. klümpchenfrei
  3. aromastark
  4. passgenau für deine Zubereitungsmethode ist.

Denn das Mahlwerk bietet Power und große Scheiben, zwischen denen viele Bohnen gleichzeitig mahlen. Dadurch dauert die Sache nicht so lange, es bildet sich kaum Hitze und das fragile Kaffeearoma bleibt erhalten.

Mahlwerk

Mahlgrade einstellen

Und weil es die ProM Espresso mit dem Aroma und der Hitze erfreulich genau nimmt, steht in der Betriebsanleitung: „Nach einem 6 Sek. dauernden Mahlvorgang muss das Gerät 24 Sek. lang abkühlen. Mahlen Sie also nicht mehr als eine Portion Espresso in 30 Sekunden.“

Ob das Mahlwerk bei der Homogenität überzeugen kann, siehst du allerdings erst, wenn das Mehl im Siebträger liegt. Aber da fangen die Probleme schon an.

Die ProM Espresso im Einsatz

Auf den ersten Blick scheint die ProM Espresso erfreulich einfach zu bedienen zu sein. Netzschalter hinten an – ein bisschen am Druck-Drehknopf für die Mahlgradeinstellung gedreht – ab geht’s. Ich sage nur so viel: Vergiss es!

Der Teufel steckt nämlich im Touchdisplay, das die Übersichtlichkeit eines Flugzeugcockpits hat.

Vielleicht habe ich mich dämlich angestellt, aber bis ich raus hatte, wie man in welcher Richtung mit welchem Finger über die Paneele neben (!) dem Display streichen muss, hatte ich vergessen, was ich gerade einstellen wollte.

Display

Das Problem ist nicht, dass man alles einstellen kann, das ist gerade der Witz an der Sache. Das Problem ist vielmehr, dass man alles einstellen MUSS, um überhaupt einmal den ersten Espresso ziehen zu können. Und das beginnt schon bei der Sprache.

Natürlich bin ich mir darüber klar, dass das eine Sache der Übung ist und du nur wissen musst, wie es geht. Aber ich glaube, dass selbst alte Hasen auf dem Gebiet der Profimühlen mit der ProM eine ganze Weile ihre Schwierigkeiten haben werden.

Denn sobald du irgendeine merkwürdige Bewegung auf dem Display, bzw. auf dem Touch-Paneel machst, zeigt die Mühle ein anderes Menü und du hast keine Ahnung, ob du gerade den richtigen Knopf gedrückt hast.

Und jetzt stellen wir uns mal ein Berlin Mitte-Café zur Stoßzeit mit einer rumspinnenden Kaffeemühle und einem aufgeregten Barista vor. Du weißt, worauf ich hinauswill.

Nichts, aber auch gar nichts habe ich hingegen am Mahlergebnis zu meckern. Das erfüllt die 4 Voraussetzungen, die ich dir oben genannt habe und ist wirklich top – und wäre vermutlich ein Aha-Erlebnis für jeden angehenden Barista.

Noch ein Wort zum Sound: Der ist überraschend angenehm und deutet darauf hin, dass die Mahlkönige in ihrem Produktdesign wirklich auf die besten Komponenten und eine hochwertige Verarbeitung geachtet haben.

Ich habe schon öfter gelesen, dass die ProM angeblich nach mehrmaligem Benutzen anfängt,rumzuzicken. Dazu fehlen mir bisher die Langzeiterfahrungen, vielleicht weiß einer von euch mehr?

Wollte ich klugscheißern, dann würde ich darauf tippen, dass diejenigen mit der Reinigung vielleicht nicht ganz so sorgfältig waren. Aber wie gesagt, noch fehlen mir verlässliche Daten.

Die Reinigung

Erfreulich ist, dass die ProM in Sachen statische Aufladung zweifelsfrei in der Profi-Liga spielt. Will heißen: Diese gibt es nicht – das Espressomehl, dass du einstellst, landet auch zu praktisch 100% im Siebträger.

Das ist nicht bei jeder Kaffeemühle der Fall. Vor allem günstige Produkte, die fast nur aus Kunststoff bestehen, leiden unter diesem Manko. Dadurch wird natürlich das Ergebnis verfälscht und du musst die Mühle noch öfter reinigen, damit die Rückstände nicht ranzig werden.

Bei der ProM Espresso kannst du mit speziellen „Reinigungsbohnen“, also einem Granulat, den Großteil problemlos erledigen und dich ansonsten auf deinen gesunden Menschenverstand verlassen.

Also, Pinsel raus und immer ordentlich geputzt!

Der Bohnenbehälter ist abnehmbar und lässt so auch eine Reinigung der Anschlüsse von oben sowie des Behälters selber zu.

Mein Fazit: Wer wird die Mahlkönig ProM Espresso lieben?

Wenn du dir den Test bis hierher durchgelesen hast, vermute ich mal, dass du entweder (angehender) Cafébesitzer bist oder dir dein Kaffee so viel wert ist, dass du ohne mit der Wimper zu zucken über 1.000 Euro in eine Mühle stecken würdest.

In beiden Fällen lautet mein Fazit: Es gibt sicher kaum andere Profi-Mühlen, die bessere Ergebnisse erzielen als die Mahlkönig ProM Espressomühle. Punkt.

Aber es gibt viele andere Mühlen, die nur halb so kompliziert, halb so schwer und halb so teuer sind. Ausrufezeichen.

Wenn du die Pros und Contras noch einmal übersichtlicher haben willst, bitteschön:

  • hochwertiges Scheibenmahlwerk aus Stahl.
  • hochwertige Verarbeitung und Materialien.
  • viele (viele, viele) Einstellungsmöglichkeiten und Funktionen für Profis.
  • top Mahlergebnisse für Espresso und verwandte Mahlgrade.
  • recht leise.
  • großer Bohnenbehälter für den hohen Kaffeebedarf.
  • mega schwer.
  • mega kompliziert.
  • mega teuer.

Natürlich könntest du mir jetzt vorwerfen, dass ich meine niedrige Einstufung von drei Sternen nur auf den Preis beziehe und die Tatsache einkalkuliere, dass ich vor der Maschine etwas kapitulieren musste. Damit hast du sicher recht.

Espressomühle für aktuell knapp 1.100€
Mahlkönig ProM

Gönn Dir! Es geht aber auch günstiger.

ABER: Ich glaube, dass ich mit Mühlen und Maschinen allerhand Erfahrung habe und deshalb ziemlich sicher bin, dass Profis und anspruchsvolle Baristas, die bereit sind, so viel Geld auszugeben, mit der Mahlkönig ProM Espressomühle nicht wirklich glücklich werden.

Wie sind deine Erfahrungen und hast du vielleicht schon länger mit der ProM Espresso zu tun? Schreib mir gern einen Kommentar!

2 Kommentare
  • Petra
    25 Dezember, 2016

    Hallo Arne,

    was denn, Du weißt eine fette Mühle nicht zu schätzen? 😉
    Ich habe mich kichernd durch den Test gelesen, danke dafür, denn er spricht mir aus dem Herzen.
    Einem Home-Barista, der sich so eine Mühle in die Küche stellt, geht es nicht um das Endergebnis in der Tasse sondern um die Maschine – schneller, dicker, höher, weiter … und teurer.
    Es ist zu schön, dass die für “einen auf dicke Hose machen” auch ein kleines bisschen bestraft werden – siehe “Flugzeugcockpit”.
    Große Mahlscheiben sind sicher kein Fehler, aber die gibt es auch für knapp die Hälfte, wesentlich unkomplizierter und von der Mahlgutqualität bestimmt nicht schlechter.
    Diese Mühle ist vielleicht für Barista-Meisterschaften geeignet (aber ich glaube, die bevorzugen wohl eher eine “unkomplizierte” Guatemala …), wo es um akribische Feinabstimmung geht, aber für die Gastronomie oder für Zuhause – aus Deinen genannten Gründen – nö, zu komplitückisch bzw. völliger Overkill für das traute Heim.
    Eins hast Du in Deinem Test allerdings vergessen:
    Die Mühle ist potthässlich. 😉

    Darauf einen lecker Espresso.:)

    Frohe Weihnachten!
    Petra

  • Cardoso
    11 Februar, 2017

    Hallo

    Ich habe den Artikel gelesen.
    Ich habe die Schweizer Variante der Mühle (Ditting ProD Espresso) und ich muss zugeben, dass ich begeistert bin. Ich habe schon mehrere Mühlen gehabt und auch getestet, bevor, dass ich diese Mühle gekauft habe. 1’000 EUR sind wirklich nicht wenig. Aber es lohnt sich. Klar das Aussehen ist Geschmacksache. Ich finde die Mühlen mit Trichter hässlich, andere finden die das non-plus ultra. Deswegen werde ich über das Aussehen kein Wort mehr verlieren.
    Aber die Mahlgeschwindigkeit und das Mahlgut sind fenomenal. Und sie ist sehr schnell. Mit hellere und mittlere Rostungen finde ich sie eine der Beste. Klumpt praktisch nicht und hat ein sehr, sehr geringes Totraum. Es gibt für den Preis kaum eine vergleichbare Mühle.
    Ich hatte kein Problem bei der Konfiguration am Anfang, sehr intuitiv und schwierig etwas falsch zu machen, und sowieso musst man es nur einmal machen… Nachher muss man nur die Mahlzeit und Mahlgrad einstellen. Und diese Einstellung sind viel einfacher als bei anderen Mühlen, wie zum Beispiel bei der Eureka Mignon MCI (der Timer unter der Mühle bei meiner Model war ein Kampf, jetzt sollte es besser sein).
    Das Display ist sehr intuitiv und empfinde es gar nicht als Bestrafung. Im Gegenteil. Erlaubt ein sehr schnelle Einstellung der Mahlzeit.
    Ich habe die Mühle jetzt seit 3 jahren. Habe bis jetzt nie ein Problem damit gehabt. Es gibt ein Paar Sachen zu beachten, wie zum Beispiel das regelmässige Putzen und immer den Mahlgrad nur bei laufende Motor ändern. Die Mühle ist wirklich solide, die Materialien erste Klasse und deswegen ist sie auch so schwer.
    Es ist klar, dass man auch mit einem Mazzer Mini oder eine Macap zufrieden sein kann, aber die ProD/ProM spiel auf eine andere Liga.

    Liebe Grüsse

Ich freue mich über deinen Kommentar

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