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Kaffee Video – 9 Schritte zum perfekten Kaffee mit der French-Press
Von Arne • French-Press, Kaffee Experimente, Kaffeeverkostung
Wie ihr wisst, teste ich alle Kaffees immer in der French-Press (Kaffeepresse).
Das mache ich weil:
- Keine Filtration stattfindet
- Es einfach und schnell geht
- Ich genau dosieren kann
- Ich gleichzeitig verschiedene Kaffees zurzeit testen kann
Wie mache ich es?
- Ich verwende eine 1L French-Press
- Ich verwende zunächst* 55g Kaffee
- Dieser wird grob gemahlen**
- Mit ca. 95 Grad heißem Wasser übergossen
- Und 4 Minuten*** ziehen lassen
* Die ideale Kaffeemenge hängt von dem jeweiligen Kaffee ab. Erfahrungsgemäß verwende ich bei afrikanischen Kaffees mehr Pulver als bei anderen.
** Auch der Mahlgrad ist eine der wichtigen Stellschrauben bei der Kaffeezubereitung, mit der Kaffeepresse allerdings muss darauf geachtet werden, dass der Kaffee nicht zu fein ist. Überextraktion wäre die Folge. Außerdem lässt sich dann der Stempel sehr schwer runter drücken.
*** Auch bei der Zeit kommt es auf den jeweiligen Kaffee an. Ich habe dazu viel ausprobiert und meine Erfahrungen findest du hier.
Jetzt scheiden sich die Geister
Dann drücke ich den Stempel und versuche den Kaffee so schnell wie möglich zu trinken. Aber genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Die Weltbevölkerung trennt sich jetzt in Kaffee-Satz-Abschöpfer und Einfach-So-Runterdrücker. In dem heutigen Experiment will ich ausprobieren, wie sich der Geschmack des Kaffees durch das Abschöpfen des Kaffeesatzes verändert.
Auf zur Kaffeemühle
Übrigens – gehe ich jetzt wirklich los zum Kaffeemahlen!
Ich habe diesen Test “blind” vorgenommen. Ich habe nicht gewusst, ob der abgeschöpfte oder der “normale” Kaffeepressen Kaffee in der jeweiligen Tasse war. Jetzt aber zu den Ergebnissen.
Ohne Abschöpfen
- Intensiverer Geruch
- Blumiger
- Deutlich vollerer Körper
- Etwas mehr Bitterstoffe
- Weicher und seidiger
Mit Abschöpfen:
- Flacherer Geruch
- Schneller Abgang
- Weniger Bitterstoffe
- Schwächerer Körper
Zusammenfassung
Der Unterschied ist bedeutend größer als erwartet. Die einzige Veränderung war das Abschöpfen und der Kaffee wirkte völlig anders. Voller, intensiver und aromatischer ohne Abschöpfen. In diesem Fall solltet ihr auf das Abschöpfen verzichten! Es handelt sich um einen indischen Kaffee von MyBeans. Für ein endgültiges Urteil muss ich noch mehr testen. Ich möchte probieren, die Pulvermenge zu erhöhen und dann abzuschöpfen. Allerdings ist mir schon jetzt aufgefallen, dass sich nur ca. 50% des Satzes abschöpfen lässt.
Viele Grüße,
Arne


7. November 2010 • 11:36 1 Johannes schrieb
Ein Tipp hinsichtlich der 95° Brühtemperatur. Wer kein Thermometer sein eigen nennt, sollte Wasser mit dem Wasserkocher aufkochen lassen und es dann ca. 90 Sekunden stehen lassen. Dann hat das Wasser die ideale Temperatur für den Kaffee.
Allerdings sollte man die FrenchPress vorher auch schon mal angewärmt haben (ebenfalls mit heissem Wasser), damit der Kaffee während der 4 Minuten Brühzeit nicht zu schnell kalt wird.
Und als letztes: internationaler Standard für die FrenchPress Portionierung sind 60g Kaffee pro Liter. Allerdings, und das erwähnst Du ja auch, kann man die Kaffeemenge je nach Kaffee gerne etwas varieren.
Johannes
10. November 2010 • 20:10 2 Jörg schrieb
Super, das Thema “abschöpfen oder nicht” mal aufzugreifen. Wie war denn die Aromaentwicklung?
Ich kann mir vorstellen, dass Abschöpfen einem körperarmen Kaffee nicht gut tut, bei einem Kaffee mit vollem Körper das Aroma sich aber ganz anders entwickelt. Probier mal sonnengetrockneten Sidamo oder Yirgacheffe mit beiden Methoden im Vergleich!
Jörg
16. November 2010 • 12:24 3 Arne schrieb
@ Johannes: Ich messe die Temperatur auch nicht immer. Dafür bekommt jeder nach einigen Messungen ein gutes Gefühl.
Ich finde die Startmenge 55g optimal. Ist aber auch nicht weit von dem angesprochenem Standard entfernt, da in die 1L French-Press auch nur 1L Volumen passt – also Kaffee + Wasser.
Ich habe das Glück mit einer Materialwissenschaftlerin befreundet zu sein. Sie sagt das Glas vor-zu-wärmen hat keinen nennenswerten Effekt. Das werde ich Testen
@ Jörg: Das stimmt. Gerade bei Kaffees mit einem interessanten Bouquet und sehr vollem Körper stelle ich mir den Effekt toll vor.Ich habe leider gerade keinen “sonnengetrockneten Sidamo oder Yirgacheffe” da
Danke für die tollen Kommentare,
Arne
18. December 2011 • 19:02 4 Lukas schrieb
Auf der Suche nach deutschsprachigen French-Press Howtos hierdrüber gestolpert. Das wichtigste beim Abschöpfen scheint mir (neben des eigentlichen Abschöpfens!) zu sein, den Kaffee vorher noch einmal gut umzurühren (3-4 mal). Es geht wirklich nur darum, die oberste Schicht und den Schaum abzuschöpfen – wie beim Cupping. Der Rest vom Kaffee sammelt sich dann ganz automatisch unten in der Kanne.
Nach dem Abschöpfen etwas warten, dann herunterdrücken, wieder etwas warten, damit sich der Kaffeesatz, der sich trotzdem noch immer in der Kanne befindet (keine Mühle schafft es, den Kaffee homogen grob zu mahlen und kein Metallsieb ist dicht genug, um alle Kaffeepartikel mitzunehmen) absetzen kann. Vorsichtig ein- oder umgießen – je weniger Bewegung die Kanne dabei hat, desto besser.
Das macht einerseits weniger spaß, weils’ länger dauert, belohnt aber andererseits mit den saubersten und klarsten Tassen, die man ohne Filter so hinbekommen kann.
lg,
Lukas